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Celle Stadt Cellerin Isabell Prophet schreibt Buch über Glück
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Cellerin Isabell Prophet schreibt Buch über Glück
17:11 08.09.2017
Celle Stadt

Wieso haben Sie mit 31 Jahren schon ein Buch über Glück im Job geschrieben?

Anfang der Dreißiger ist das Berufsleben entzaubert. Einige Träume aus der Jugend können wir jetzt endgültig vergessen: Wir wissen, dass die Arbeit uns nicht glücklich machen wird. Das Leben wird komplizierter. Ich bin durch Zufall auf die Wissenschaft vom Glück gestoßen und war erstaunt, wie viel geforscht wird. Neurowissenschaftler, Ökonomen, Psychologen, Soziologen, … Und ich habe gemerkt: An diesem Punkt, da brauche ich das für mich. Ich möchte lernen, was sie herausgefunden haben.

Wie viele eigene Erlebnisse stecken in dem Buch?

Im Buch erzähle ich viele Geschichten – und alle sind wahr. Meine Erlebnisse erzähle ich offen als meine eigenen. Einige sind Freunden passiert und ich erzähle sie unter falschen Namen, die Menschen wollen ihre Jobs ja schließlich behalten. Jedenfalls die meisten. Wir sind alle nicht allein mit unseren Sorgen. Mikromanagement, Unsicherheit, ein stressiger Arbeitsweg, Erschöpfung, Rückzug in die Einsamkeit und körperlicher Abbau – an irgendeinem Punkt des Lebens geht es jedem mal so.

Wer kann das Buch wie für sich nutzen?

Viele Menschen sind irgendwie zufrieden, aber nicht glücklich. Für sie ist dieses Buch. Im Detail stecken die Probleme: Chefs, Querelen mit Kollegen, Organisation des Familienlebens. Das sind Dinge, die wir nicht kurzfristig ändern können. Kurzfristig können wir nur uns selbst ändern.

Muss man sein Leben auf den Kopf stellen und kündigen, um glücklich zu werden?

Bitte nicht kündigen! Manchmal mag es richtig sein, zu gehen. Oft funktioniert das aber nicht Und die meisten werden nur kurzfristig glücklich. Glück, das sagt eine Studie der Psychologin Sonja Lyubomirsky, liegt zu 50 Prozent in den Genen – da können wir nichts machen. Zu 10 Prozent in den Lebensumständen, die können wir ändern. Es ist aber anstrengend und teuer. 40 Prozent unseres Glücks wird vom Verhalten bestimmt. Lege ich mich abends auf die Couch oder gehe ich noch mal raus? Schlinge ich meinen Lunch am Schreibtisch runter? Oder setze ich mich in den Französischen Garten? Diese Entscheidungen sind es, die uns viel glücklicher machen als ein neuer Job, ein besseres Büro oder mehr Geld.

Welche Verantwortung haben Chefs für das Glück ihrer Mitarbeiter?

Chefs sind Orientierungspunkte in unserem Arbeitsalltag. Sie geben die Geschwindigkeit vor, die Belastung, auch das Selbstverständnis einer Abteilung. Gute Chefs beteiligen Mitarbeiter an Entscheidungen – schlechte geben ihnen das Gefühl, machtlos zu sein. Und letzteres kann einen Menschen schwer unglücklich machen. Arbeitnehmer mit schlechten Chefs sind übrigens häufiger krank – das ist eine große Verantwortung.

Hast du deinen Traumjob gefunden?

Zurzeit bin ich glücklich als Autorin und Dozentin. Ich schreibe gern zuhause, weil das wahnsinnig effizient ist. Aber ich sagte ja: zurzeit. Für den Moment ist das richtig für mich, das kann sich aber ändern. Der Traumjob ist der, der zur Lebenssituation und zum Charakter passt. Beides ändert sich im Leben viele Male. Wir müssen uns selbst sehr gut kennenlernen, um den Traumjob zu finden.

Von Amelie Thiemann