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Celle Stadt Cellerin am AKH vor Querschnittslähmung gerettet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Cellerin am AKH vor Querschnittslähmung gerettet
18:14 01.04.2016
Von Gunther Meinrenken
So sieht die Wirbelsäule von Marina Hollmann heute aus. AKH-Neurochirurg Eckhard Rickels ersetzte zwei Wirbelkörper durch Titan und versteifte Halswirbel mit einer Platte. Quelle: Benjamin Westhoff
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"Vor neun Jahren hatte ich zwei Bandscheibenvorfälle. Mitte August vergangenen Jahres zeigten sich Ausfallerscheinungen. Ich verspürte ein Kribbeln in den Fingern", berichtet Hollmann. Sie bekam einen Termin zur Nervenvermessung, doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Anfang November konnte sie kaum noch frei gehen, von den Füßen bis zum Bauch sei alles taub gewesen.

Hollmann kam ins AKH, von dem sie "viel Negatives gehört hatte". Doch sie machte ganz andere Erfahrungen in der Celler Klinik. "Die Ärzte haben sich viel Zeit genommen, alles genau erklärt, als ich vor der Operation weinend im Bett lag, kam eine Schwester, setzte sich zu mir und nahm sich Zeit für mich. Das tat ungemein gut", erzählt sie. Wann immer sie einen Arzt fragte, ob er Zeit habe, sei ihr geantwortet worden: "So lange, bis alle Ihre Fragen beantwortet sind."

Hollmann war Patientin des Wirbelsäulenzentrums des AKH, in dem Neurologen, Orthopäden, Unfallchirurgen und Neurochirurgen jeden Fall gemeinsam besprechen und Hand in Hand arbeiten. Die Diagnose bei Hollmann: Der Kanal der Halswirbelsäule, in dem das Rückenmark langläuft, war eingeengt. Sie musste dringend operiert werden, ansonsten könnte eine Querschnittslähmung eintreten.

Der Chefarzt der Neurotraumatologie, Professor Dr. Eckhard Rickels, nahm den Eingriff persönlich vor. Statt wie vorgesehen drei Stunden, nahm die komplizierte Operation neun Stunden in Anspruch. "Es war zu Verklebungen mit der das Rückenmark umgebenden Hirnhaut gekommen", erläutert Rickels. In stundenlanger Feinarbeit trennte er Knochen und Gewebe voneinander, ohne das Rückenmark zu verletzen. Der Cellerin wurden zwei Wirbel durch Titan ersetzt und mit einer Platte vier Halswirbel versteift.

Hollmann war auch mit der Nachbehandlung am AKH mehr als zufrieden. Rickels unterbrach für die Besprechung eines MRT-Befundes sogar seinen Urlaub und rief Hollmann am ersten Weihnachtsfeiertag an. "Solch eine Fürsorge habe ich noch von keinem Arzt erfahren", so Hollmann. In der Reha in Bad Bevensen habe ein Arzt sie gefragt, wo sie den Eingriff denn habe vornehmen lassen. "Als ich sagte, am AKH, meinte er, dass die in Celle sich langsam einen richtig guten Ruf erarbeiten würden."

Für Hollmann haben sich die Prioritäten im Leben verschoben. Sie weiß viele Dinge jetzt mehr zu schätzen als vorher. "Vor drei Wochen war ich zum ersten Mal wieder im Fitnessstudio. Als ich an den Geräten trainieren konnte, kamen mir die Tränen."