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Celle Stadt Cellerin besucht mit Hund Senioren: "Streicheln wirkt Wunder"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Cellerin besucht mit Hund Senioren: "Streicheln wirkt Wunder"
17:52 13.06.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Mein Traum: Es gibt Demenzkranke, die bekommen im Pflegeheim niemals Besuch. Dabei ist gerade die emotionale Ebene so wichtig. Ein Hund ist oft der richtige Schlüssel, um Zugang zu einem Menschen zu bekommen. Fanny hat ein ganz ruhiges, stilles Wesen – sie geht reihum, lässt sich kraulen und streicheln. Den Hund zu berühren, wirkt manchmal Wunder. Da war zum Beispiel dieser ältere Herr, der bei seiner Ankunft im Seniorenheim kaum ein Wort gesprochen hat. Als er das Hundefell unter den Händen gespürt hat, fing er auf einmal an, zu erzählen. Solche Erlebnisse sind ungemein befriedigend für mich.

Mein Weg dahin: Ich habe meine Eltern 13 Jahre lang gepflegt und dabei gemerkt, wie sehr sie davon profitiert haben, dass ein Hund im Haus war. Als beide gestorben waren, habe ich nach einiger Zeit beschlossen, bei der Aktion „Helfer auf vier Pfoten“ mitzumachen. Seit zweieinhalb Jahren besuchen Fanny und ich jetzt Senioren im Pflegeheim. Wenn ich mit ihr zur Tür hereinkomme, wird sie schon freudig erwartet. Fanny unterbricht den Alltag, die Monotonie. Berührungsängste habe ich keine. Man muss sich einlassen können und vieles mit Humor nehmen, sonst geht es nicht.

Das Problem: Pflegeheime sind heutzutage an so viele Richtlinien gebunden. Die Pflegekräfte müssen jeden Schritt dokumentieren, kommen kaum vom Schreibtisch weg. Da bleibt wenig Zeit für Zuwendung. In vielen Heimen gibt es auf Station nicht einmal mehr eine Alltagsbegleitung. Es werden zu viele Doppelschichten gefahren, dabei kommt das Menschliche oft zu kurz. Es braucht mehr Personal, das auch vernünftig bezahlt wird. Bessere Bezahlung ist wichtig, denn das ist Wertschätzung für die Mitarbeiter.

Das tue ich dagegen: Ich sage immer, ich habe zwar kein Geld, das ich spenden kann, aber ich habe Zeit zu verschenken. Ein bisschen Zeit, das kann jeder erübrigen, da haben die alten Herrschaften auch viel mehr davon. Selbst die Senioren, die sonst eher grantig sind, werden in Fannys Anwesenheit sanfter. Ich versuche, mit sehr viel Humor an die Sache heranzugehen. Man kann nicht den ganzen Tag dastehen und rumheulen, weil es den Leuten an Wärme fehlt. Wichtig ist mir, sensibel mit allen umzugehen. Man muss den Menschen als Menschen wahrnehmen.

Von Christina Matthies