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Celle Stadt Cellerinnen plaudern aus dem Nähkästchen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Cellerinnen plaudern aus dem Nähkästchen
19:36 08.04.2016
Monika Höfgen (Zweite von links), Gundy Hotopp (Dritte von links) und Frauke Fuchs (an der Nähmaschine) geben Tipps, falls die Gäste des Nähcafés nicht mehr weiterwissen. Quelle: Benjamin Westhoff
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An einem Tisch sitzen fünf Frauen und stricken Socken. Ingrid Krüger lässt sich Tipps geben, wie sie die Fersen verstärken kann. Monika Höfgen ist gelernte Schneiderin, zählt mit ihr noch einmal alle Maschen nach und sagt: "Da ist eine Masche zu wenig. Die zaubere ich einfach wieder dazu."

Höfgen ist eine der drei Mitarbeiterinnen im neuen Nähcafé, das am Freitag in der Alten Molkerei eröffnet hat. Zusammen mit Frauke Fuchs und Gundy Hotopp leitet sie nun jeden zweiten Freitagvormittag zwischen 9 und 13 Uhr den Austausch von kreativen Ideen. Bislang haben sich die drei Kolleginnen der Stiftung Linerhaus in ihrem eigenen kleinen Nähclub getroffen. "Wir machen das auch, damit viele alte Techniken nicht verloren gehen", betont Höfgen. Heutzutage sei es nicht mehr selbstverständlich, in jungen Jahren nähen, häkeln und stricken zu lernen. Über Videoclips im Internet bringen sich viele Jugendliche das Stricken selbst bei und geben Insidertipps. Höfgen hat neulich gesehen, dass man Reißverschlüsse nicht mehr heften muss, sondern auch einkleben kann.

In der Alten Molkerei ist Platz für zehn Nähmaschinen, es gibt einen Zuschneidetisch und eine Bügelstation. Auf einem Regal steht allerlei Anschauungsmaterial: Schlamperrollen, Leseknochen, Badkörbchen, Brillenetuis, Handytaschen – alle ganz individuell gestaltet. Darunter liegen gespendete Stoffe und Schnittmuster, daneben steht eine Kiste mit allen möglichen Materialien. Dank diakonischer Mittel ist die Teilnahme am Nähcafé kostenlos. In der Küche werden Kaffee und Tee gekocht, es gibt Miniküchlein und Muffins. Schließlich geht es beim Nähcafé nicht nur um den kreativen Austausch, sondern auch um die Neuigkeiten aus der Nachbarschaft. Gesche Seidel arbeitet gerade an einer Strickjacke und sagt: "Mir ist es ein Bedürfnis, unter Menschen zu sein. Stricken könnte ich ja auch alleine zu Hause."

Birgit Müller aus Altencelle hat für ihren Enkel gerade ein T-Shirt genäht. Den Stoff mit vielen Monstern hat der Sechsjährige sich selbst ausgesucht, "damit es nicht so babymäßig aussieht", erzählt sie. Ihr Tipp an Gleichgesinnte: elastischen Zwirn zu verwenden. Müller will noch öfter ins Nähcafé kommen. "Es ist schön, dass man hier gleich jemanden fragen kann, wenn man nicht weiterkommt." Die 60-Jährige hat sogar ihre Nähmaschine mitgebracht. "Mit der eigenen kommt man am besten klar", sagt sie. An den Räumlichkeiten schätzt sie das gute Licht, heute hat sie sich die hellste Ecke ausgesucht. Sie komme auch gerne zur Aquarellmalerei her, erzählt die frühere Sachverständige. Nun macht sie sich an ihr neues Werk: Aus einer alten Jeans soll ein Kleid für die Enkelin werden.

Von Dagny Rößler