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Celle Stadt "Celles Ensemble geht glücklich in Urlaub"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Celles Ensemble geht glücklich in Urlaub"
17:54 24.06.2016
Der Intendant des Schlosstheaters setzte in der Spielzeit 15/16 auf besonders unterschiedliche Inszenierungen: "Tschick" (unten rechts) begeisterte am neuen Spielort in der Halle 19. Den "Räuber Hotzenplotz" (unten links) ließen sich die Schulen in der Vorweihnachtszeit nicht entgehen. "Dantons Tod" (oben links) forderte das Ensemble heraus. "Terror" (oben rechts) provozierte das Publikum mit zweieinhalb Stunden Sprache. Quelle: Benjamin Westhoff
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"Wir freuen uns über das große Lob, mit dem die Mitarbeiter des Schlosstheaters belohnt werden", sagte Thomas Knoke kürzlich auf der Mitgliederversammlung des Celler Theatervereins. Der Vorstandsvorsitzende sprach von "positiven Veränderungen": ein größeres Ensemble, mehr Kinder- und Jugendarbeit und mehr Kooperationen mit anderen Einrichtungen. Die erhöhten Anforderungen im täglichen Betrieb und veränderten Abläufe müssten sich erst einmal einspielen. "Der Erfolg wird immer deutlicher und der Sand im Getriebe immer weniger", betonte Knoke.

Intendant Andreas Döring entgegnete, dass "die Spielzeit 15/16 kein entspanntes Skifahren war. Einen Plan machen kann jeder, aber der Erfolg ist davon abhängig, was das Team daraus macht." Nach Dörings Worten finden auf allen Ebenen Lernprozesse statt. Wie das Theater laufe, entscheide sich auf der Bühne: "Das Ensemble geht glücklich, aber erschöpft in den Urlaub."

Döring verfolgt die Absicht, das Schlosstheater als Erlebnisort zu verankern, über jedes Theaterstück hinaus. Seine strategischen Absichten hätten funktioniert, unter anderem mehr Unterschiede zwischen den Stücken zu zeigen. Das Ergebnis 15/16 ermutige ihn für die nächste Spielzeit. Die Erprobung der neuen Halle 19 sei erfolgreich gelaufen. Er habe dabei bewusst auf Titel gesetzt. Mit Erfolg: "Wir haben alle Schulen bei uns gehabt", betont Döring. Die Gestaltung der nächsten Spielzeit sei von den schulischen Rückmeldungen abhängig. Demnach werden wahrscheinlich Effi Briest, das Thema Cybermobbing sowie dogmatische Fragen auf der Agenda stehen.

Besonders bei der Landpartie habe das Ensemble viel Spaß und Erfolg gehabt, so Döring. Das Bekenntnis zur Fläche habe sich ausgezahlt, die Vorstellungen waren fast überall ausverkauft. Die Live-Regie und die historischen Spielplätze "waren erfrischend für die Schauspieler". Die Landpartie, aber auch Nebenaktivitäten wie das Kochstudio sollen fortgesetzt werden. Nur eine Produktion sei nicht so erfolgreich gewesen. Der Arbeitsprozess für "Dantons Tod" sei zu kompliziert gewesen. Dörings Resümee: "Ich gehe mit der Gewissheit in den Urlaub, dass der Erfolg nicht immer so bleibt. Das war erst einmal ein Glückstreffer in der Spielzeit."

Celler Bürgermeister Heiko Gevers (CDU) sagte: "Wir hoffen, dass es so weitergeht." Er lobte den Intendanten dafür, die Zielvereinbarung des Landes weit übertroffen zu haben. Statt der geforderten 10 Prozent steckte das Schlosstheater rund 30 Prozent der Arbeit ins Kinder- und Jugendtheater.

Wirtschaftlich gesehen hat das Schlosstheater in der vergangenen Spielzeit 5,1 Millionen Euro ausgegeben. 200.000 Euro konnten durch Sponsoren eingeworben werden. Ein Viertel der Kosten konnte das Theater selbst einspielen. Und drei Viertel zahlten Stadt, Landkreis und das Land. "Das Schlosstheater konnte sogar einen Überschuss von 35.000 Euro erzielen. Das macht uns sehr glücklich", sagte Geschäftsführer Stephan Bruhn. Dieses Geld soll in die Rücklagen fließen. Es habe sich ausgezahlt, einen Investitionseuro pro Eintrittskarte zu verlangen. Finanzielle Sorgen mache das äußere Dach der Halle 19, das erneuert werden muss. Außerdem soll eine Tribüne für den Schlossinnenhof angeschafft werden, da dies dauerhaft günstiger ist, als Miete dafür zu zahlen.

Besonders herausfordernd für die Verwaltung wird die Umstellung auf die doppelte Buchführung (kurz Doppik). Außerdem soll die Bezahlung des nichtkünstlerischen Personals künftig besser nachvollziehbar sein. Dies ist beim künstlerischen Personal nicht nötig, da dies tarifgebunden bezahlt wird.

Von Dagny Rößler