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Celle Stadt Celles Ex-Oberbürgermeister wollte an den Rhein – Sonntag startet er an der Spree
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles Ex-Oberbürgermeister wollte an den Rhein – Sonntag startet er an der Spree
13:04 21.09.2017
Von Michael Ende
Quelle: Ingo Misiak
Celle Stadt

Mende hatte sich bei der Stadt Leverkusen für das Amt des Kämmerers und Stadtdirektors beworben. Hätte das funktioniert, wäre Mende in der 163.000-Einwohner-Stadt am Rhein der zweite Mann hinter Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) geworden. Doch daraus wurde nichts, denn Mende blieb im Dickicht des Leverkusener Parteien-Dschungels hängen. Die Spitzen im Rat hatten sich auf einen einheimischen Bewerber verständigt.

Derlei Absprachen sind in der Politk nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Normalerweise hätte in der Ratssitzung also nur ein Bewerber zur Wahl gestanden. Doch Mende wurde im Leverkusener Rat als „Protest-Gegenkandidat“ zum bereits „ausgeguckten“ Bewerber vorgeschlagen. Mende unterlag in der Abstimmung gegen den bisherigen Sozialdezernenten der Stadtverwaltung, Markus Märtens (CDU). Mit 29 von 41 Stimmen wurde Märtens gewählt; nur fünf entfielen auf Mende. Märtens Wahl soll von den Ratsfraktionen ausgehandelt worden sein. Im Gegenzug solle später das Sozialdezernat an die SPD gehen, heißt es.

Richtig kompliziert wird es, wenn man bedenkt, wer Mende in der Leverkusener Ratssitzung zur Wahl vorschlug, obwohl klar war, dass der Celler keine Chance haben würde: Ausgerechnet Markus Beisicht, Fraktionsführer der rechtsextremen „Bürgerbewegung pro NRW“, sagte, Mende solle gewählt werden – als Signal gegen „Vettern- und Parteibuchwirtschaft“. Ein Sozialdemokrat als Zeichen gegen Parteienfilz unter einem Oberbürgermeister, der selbst Genosse ist – das ist schon ganz schön um die Ecke gedacht.

Manche „Freunde“ kann man sich nicht aussuchen. Mende selbst ist die bizarre Schützenhilfe von Rechtsaußen sichtlich unangenehm. „Die in Leverkusen ausgeschriebene Stelle des Stadtdirektors hat mich in der Tat interessiert. Dass pro NRW meine Bewerbung im Grunde missbraucht, um kommunalpolitisches Kapital daraus zu schlagen, finde ich mehr als ärgerlich“, sagt der Celler SPD-Vorsitzende. „Die kommunalpolitischen Verhältnisse, die mir Oberbürgermeister Uwe Richrath erläutert hat, waren ausschlaggebend für die dortige Entscheidung der Findungskommission.“

Unterdessen steht für Mende die nächste Wahl unmittelbar bevor, denn der Celler kandidiert für die SPD auch für den Bundestag. Allerdings auf Platz 31 der Landesliste und ohne eigenen Wahlkreis. Derzeit zählt die niedersächsische SPD-Landesgruppe im Bundestag 27 Abgeordnete. Was bei „seiner“ Bundestagswahl herauskommen dürfte, hat sich Mende schon ausgerechnet. Deshalb startet er am Wahltag zwar in der Bundeshauptstadt, aber bei einem ganz anderen Rennen: beim Berlin-Marathon. Dort kann er wenigstens das Ziel erreichen.