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Celle Stadt Celles Lehrer haben Belastungsgrenze erreicht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles Lehrer haben Belastungsgrenze erreicht
19:27 22.09.2017
Von Gunther Meinrenken
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Celle Stadt

Weil an den Grundschulen viele Stellen zum Beginn des laufenden Schuljahres nicht besetzt werden konnten, hatte die Landesregierung ein Abordnungskarussell in Gang gesetzt. Oberschulen sollen Lehrkräfte an Grundschulen abgeben, dafür erhalten sie Ersatz von Gymnasien. Eine Notlösung, die in der Praxis nicht so funktioniert, wie sich das Kultusministerium das vorgestellt hat.

„Wir haben nicht so viele Stunden erhalten, wie wir abgegeben haben“, erklärt jetzt ein Leiter einer Oberschule. Seinen Namen möchte er in der Zeitung nicht lesen. Die Landesschulbehörde habe den Schulleitern einen Maulkorb erteilt.

Dabei sah die Unterrichtsversorgung im vergangenen Jahr schon nicht rosig aus an den Oberschulen. Nur zwei der neun Oberschulen erreichte überhaupt die 100 Prozent. Drei Oberschulen kamen nicht einmal auf 90 Prozent. Durch den akuten Mangel an Grundschullehrern und die Abordnungen dürfte die Lage noch kritischer geworden sein.

Dazu kommt noch, dass die Oberschulen durch die Inklusion stark belastet sind und hier ebenfalls durch einen Mangel an Förderschullehrern leiden. Der Kreiselternrat hat nun Zahlen über die Versorgung mit Förderstunden veröffentlicht, die ihm nach fast zwei Jahren von der Landesschulbehörde zur Verfügung gestellt wurden. Demnach sollten an den Oberschulen im vergangenen Schuljahr eigentlich 1261,5 Förderstunden durch Sonderpädagogen erteilt werden. Tatsächlich waren es allerdings nur 277 oder 22 Prozent.

Eine desaströse Bilanz. Kein Wunder, dass der oben erwähnte Schulleiter feststellt: „Wir können ganz viel ausgleichen, weil das Kollegium hochgradig engagiert ist, aber die Belastungsgrenze der Lehrer ist erreicht.“ Die Inklusion sei „eine gute Idee, aber man hätte sich mehr Zeit lassen müssen“, so der Schulleiter.

Die Landesschulbehörde kommt trotz der ernüchternden Zahlen zu einer anderen Bewertung. „Eine fachgerechte Förderung und Unterstützung der inklusiv beschulten Kinder und Jugendlichen ist überdies auch in diesem Schuljahr gegeben“, so Sprecher Christopher Winkler. Und: „Die Landesregierung begleitet den Prozess der Einführung und Umsetzung der inklusiven Schule intensiv und mit umfangreichen Ressourcen“, meint Winkler mit Verweis auf die Investitionen der Landesregierung in diesem Bereich. Die Umsetzung der inklusiven Schule komme gut vorn.

Anika von Bose vom Kreiselternrat kann diese gebetsmühlenartig vorgetragenen Aussagen nicht mehr hören. „Die Landesregierung rückt vor allem die Anzahl der Kinder, die in die inklusive Schule gezwungen werden, in den Vordergrund und verkauft das als Erfolg. Aber eine qualitative Bewertung kann sie nicht vorlegen.“

Schwachpunkte der Inklusion

Zum zweiten Mal in diesem Jahr lädt der Kreiselternrat zu einer Diskussionsveranstaltung über Inklusion ein. Am kommenden Donnerstag, 28. September, wird es in der Paul-Klee-Schule, Wittestraße 14, um 19.30 Uhr Podiumsgespräche zu dem Thema geben. Anika von Bose vom Kreiselternrat wird zusammen mit Schulleiter Uwe Kirchner darlegen, wo die Schwachpunkte der Inklusion liegen. Dazu sollen im Anschluss Vertreter von SPD, CDU, FDP und Grünen Stellung nehmen.