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Celle Stadt Celles „Mister Ostumgehung“ geht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles „Mister Ostumgehung“ geht
18:33 03.03.2017
Von Michael Ende
Hier hätte er gerne selbst in Richtung Aller weiter gebaut: Bernd-Wilhelm Winkelmann  am vorläufigen Ende der neuen B3 in Altencelle. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Als Sie im Jahr 1998 mit den Planungen für die Celler Ortsumgehung begonnen haben – haben Sie damals damit gerechnet, mit dem Projekt ganz fertig zu werden?

Ja! Zu der Zeit hatte ich noch keine Erfahrungen mit Großprojekten und die Entwicklung des Umweltrechtes war nicht absehbar.

Wie weit wollten Sie kommen?

Ich wollte die gesamte Ortsumgehung noch in meinem aktiven Dienst befahren.

Warum hat sich alles verzögert? Liegt das nur an den Klagen von Straßengegnern, oder sind auch Umwelt-Auflagen verschärft worden?

Das schärfere Umweltrecht hat die Planung der Gesamtmaßnahme schon deutlich verzögert. Allerdings haben die Klagen gegen die Abschnitte südlich Celle und den Mittelteil ebenfalls eine deutliche Verzögerung mit Auswirkungen auf die noch zu planenden Abschnitte ausgelöst.

Könnte und würde man die Umgehung noch einmal so planen wie zu Beginn der Planungen?

Ja, davon bin ich überzeugt. Im Mittelteil der OU sind wir allerdings aus ökologischen Gründen im Jahre 2002 von der stadtnahen Trasse auf die jetzt favorisierte Trasse nahe der K 74 abgewichen.

Wie würden Sie den Zustand der Planungen beschreiben, die Sie Ihrem Nachfolger übergeben?

Die Gesamtplanung ist stets aktuell, dieses wurde regelmäßig durch Anpassung aller relevanten Gutachten sichergestellt. Wir haben in einer Vielzahl von öffentlichen Terminen versucht, der betroffenen Bevölkerung unsere Planung und unsere Argumente zu erläutern. Dieses mit großer und engagierter Unterstützung verschiedener Fachbüros. Ich bin davon überzeugt, dass wir am Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung Baurecht für die Ortsumgehung erhalten werden.

Was meinen Sie: Werden Sie die komplette Fertigstellung der Umgehung noch erleben?

Zurzeit fühle ich mich gesund, so dass ich optimistisch bin.

Was hat Sie in Ihrer Zeit als Straßenplaner am meisten genervt?

Auseinandersetzungen um Prinzipien.

Wie haben Sie es geschafft, auch angesichts schärfster Attacken von Straßengegnern immer so ruhig zu wirken?

Langjährige Erfahrung, die Überzeugung von der vorgestellten Planung, aber auch das selbstkritische Hinterfragen von vorgelegten Lösungen.

Waren Sie wirklich immer so ruhig, oder hat es in Ihnen auch mal gebrodelt?

Innerlich war ich schon manchmal angespannt. Insbesondere bei persönlichen Angriffen.

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Kritische Nachfragen und Vorschläge ernst zu nehmen und zu versuchen, sich in die Situation der Betroffenen zu versetzen.

Sie sind mehr als „nur“ ein Straßenplaner – auch als Schütze haben Sie immer Ihr Ziel im Blick, oder?

Ich bin gerne Straßenplaner, allerdings habe ich als Hobby unter anderem das Sportschießen. Auch dort bedarf es einer äußeren und inneren Ruhe und einer Konzentration bis zum letzten Schuss. Erst danach wird Bilanz gezogen. Vielleicht hat mir diese Erfahrung in meinemn Beruf geholfen.

Auch politisch engagieren Sie sich in Ihrer Heimatgemeinde. Wollen Sie das jetzt forcieren?

Nein. Die Aufgaben sind dort bis 2021 gut verteilt. Ich werde sicher an der einen oder anderen Ausschusssitzung als Zuhörer zusätzlich teilnehmen

Was werden Sie jetzt mit Ihrer Freizeit anfangen? Etwas planen?

Ich kann mich jetzt noch etwas mehr um unsere Familie und die beiden Enkelkinder kümmern. Unser Wohnmobil werden wir sicher deutlich häufiger in Bewegung setzen als bisher.