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Celle Stadt Celles Neustadt: Es kehrt wieder Ruhe ein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles Neustadt: Es kehrt wieder Ruhe ein
12:04 28.06.2012
Bahnhofsunterführung heute Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Eine der Hauptschlagadern der Celler Innenstadt war abgeklemmt, 9000 Menschen wurden wegen eines Bombenfunds evakuiert. Seit April 2010 beschäftigen die Bauarbeiten an der Bahnhofsunterführung die Celler. Die Deutsche Bahn hat die Eisenbahnbrücke erneuert, rund 80 Jahre war sie alt. Nun stehen nur noch kleine Restarbeiten aus, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Mit der Störung ist nun Schluss: Die Unterführung ist fertig, die Neustadt wieder befahrbar. Am Freitag gibt Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende die Straße wieder für die Öffentlichkeit frei. Seit Beginn der Arbeiten war die Unterführung für Autos und Fahrradfahrer gesperrt. Diese wichen über den Tunnel an der Wiesenstraße aus, über den Wilhelm-Heinichen-Ring oder fuhren durch die Biermannstraße über Klein Hehlen.

Was im Feierabendverkehr nervte, beeindruckt in Zahlen: 10.680 Kubikmeter Beton sind verbaut, dazu 494 Tonnen Stahl. 8,8 Millionen Euro kostet das Projekt. Davon tragen 6,3 Millionen Euro die Deutsche Bahn; 2,5 Millionen gibt die Stadt Celle als Zuschuss.

Mende ist froh, dass der Bau zum Abschluss gekommen ist. „Mein Dank gilt den Anwohnern. Sie haben über einen langen Zeitraum hinweg eine unglaubliche Belastung ausgehalten. Die Menschen werden erleichtert sein.“ Die Neustadt, so hofft Mende, werde nun wieder wie früher sein. Im guten wie im schlechten Sinne, denn mit dem Ende des Baulärms unter der Woche nimmt nun der Verkehrslärm wieder zu. Allerdings: „Wir haben lärmdämmenden Asphalt verbaut.“

Helmut Knabe, Leiter des Celler Fachdienstes für Tief- und Landschaftsbau, hat sich zu Beginn der Planungen mit der Geschichte des Bahnhofs vertraut gemacht. Viele Tage verbrachte er in Archiven, wühlte sich durch Verträge aus dem vorletzten Jahrhundert, durch Zeitungsberichte und Gutachten. Sein positives Fazit aus den Bauarbeiten bezieht sich vor allem auf die Planung: „Wir sagen seit Jahren: Ende Juni sind wir fertig. Und wir sind fertig. Wir sind punktgenau im Zeitrahmen.“

Am 15. Oktober 1845 wird die Bahnstrecke von Lehrte nach Celle eröffnet, damals ist sie noch eingleisig, der Bahnübergang ebenerdig. Erst 1890 entscheidet man sich für eine Unterführung. Das war nötig geworden, weil die Königliche Eisenbahndirektion Hannover zwei weitere Gleise einrichtete.

1894 beginnen die Arbeiten, auch damals müssen die Celler einiges mitmachen. Fuhrwerke können die Bahngleise nicht mehr passieren. Im März 1895 beklagen sich die Anwohner bitterlich: Wasser steht im Tunnel. Bald steht fest: Bei „außergewöhnlichen Hochwasserständen“ wird die Unterführung volllaufen.

Und genauso geschieht es wenige Jahre später, im März 1897. Die Fuhse führt Hochwasser, erreicht einen Stand von 37,04 Metern. Und die Unterführung läuft voll. 1,45 Meter hoch steht das Wasser. Zu hoch für Fuhrwerke, Pferde, Räder.

Die Celler sind zur Jahrhundertwende also wenig glücklich mit ihrer Unterführung. Als wahre Falle für Fuhrwerke wird sie empfunden; viel zu steil, als das die Fuhrleute ihre Wagen bremsen könnten. Immer wieder geraten die Gefährte außer Kontrolle, immer wieder werden Passanten gefährdet.

Doch erst 1920 steuern Stadt und Eisenbahndirektion auf eine Einigung zu, die Pläne werden konkreter. Eine neue Unterführung soll her. Von Juli 1921 an ist die Unterführung gesperrt – da taucht ein Problem auf, mit dem die Planer nicht gerechnet hatten. Die Celler Feuerwehr konnte die Neustadt nur noch über die Heeseunterführung erreichen – ein Umweg, doch auf eine Lösung kann man sich nicht einigen.

Ein Hochwasser im Oktober 1923 verhindert zunächst, dass die Unterführung für Fußgänger wieder freigegeben werden kann. 1924 ist die Unterführung endlich voll einsatzfähig. 20 Jahre später wird sie am 8. Mai 1945 zerbombt. Grundwasser dringt ein. Erneut dauert es Monate, bis der Weg wieder frei ist.

Während sehr alte Celler schon Gelegenheit hatten, sich an die Umwege zu gewöhnen, irrten gerade jüngere immer mal wieder durch die umliegenden Straßen. Oberbürgermeister Mende will sich übrigens kein einziges Mal verfahren haben. Das dürfte ihn in Celle zum Unikum machen.

Von Isabell Prophet