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Celle Stadt Celles Polizeichef spricht über Schuld und Verantwortung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles Polizeichef spricht über Schuld und Verantwortung
15:55 24.02.2014
Von Oliver Gatz
Schilderte schwierige Abwägungsprozesse bei der Polizeiarbeit: Eckart Pfeiffer in der Bürgerkanzel.  Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Einerseits war es Pfeiffers Aufgabe, Recht durchzusetzen und zu gewährleisten, dass der Zug sein Ziel erreichen kann. Anderseits sah er sich Demonstranten gegenüber, die friedlich protestierten und die Strecke blockierten – darunter Kinder, Jugendliche und Frauen.

"Kann ich Recht in jedem Fall durchsetzten?" Diese Frage stellte sich Pfeiffer mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Denn es war davon ausgehen, dass es bei der Räumung der Strecke zu körperlichen Auseinandersetzungen und zu einer Eskalation der Situation kommen würde.

Letztlich führte an der Räumung der Gleise kein Weg vorbei. Es sei unmöglich gewesen, den Interessen aller Beteiligten gerecht zu werden, sagte Pfeiffer. "So gesehen habe ich vermutlich Schuld auf mich geladen." Dies nicht in juristischer Hinsicht, sondern vielmehr in ethischer. Denn die Gesellschaft suche sich in solchen Situationen einen Sündenbock, der verantwortlich gemacht werden kann. Pfeiffer knüpfte wieder an die Begebenheit mit der Ehebrecherin an und schloss mit den Worten: "Wer unschuldig ist, darf Steine werfen. In meiner Wahrnehmung werden Steine häufig geworfen."

Im Gespräch mit Stadtkirchenpastor Volkmar Latossek machte Pfeiffer deutlich, dass es sich bei der beschriebenen Situation – die Rede war lediglich von irgendeinem Transport – um eine für Polizisten typische Situation gehandelt habe. Sein Eindruck sei, dass zunehmend in der Gesellschaft versucht werde, für die unterschiedlichsten Situationen Schuldige auszumachen. "Das ist etwas, das mich bedenklich stimmt."