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Celle Stadt Celles „Weißer Wall“ wird Kunst-Gasse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles „Weißer Wall“ wird Kunst-Gasse
17:04 22.10.2017
Vier ganz unterschiedliche und doch alle miteinander in Beziehung stehende Kunstwerke schmücken seit Samstag die bisher kahle Häuserwand am "bunten" Wall. Quelle: Anke Schlicht
Celle Stadt

Vier ganz unterschiedliche und doch alle miteinander in Beziehung stehende Kunstwerke schmücken seit Samstag die bisher kahle Häuserwand gegenüber der Apotheke. Celles bekanntester Street-Art-Künstler, Jörg "Artes" Pippirs, sprüht im Sprühregen nicht selbst, er hat fünf regionale Kollegen gewinnen können, um „etwas Modernes ins Fachwerk zu bringen“, „das Karierte aufzubrechen“. Für die Zielsetzung des Ateliers auf der Straße finden die Veranstalter des dreiwöchigen flächendeckenden Events „Pro Altstadt“ und die Akteure verschiedene, aber alle gleichermaßen zutreffende Formulierungen.

„Die Fünf haben hier ein Forum, das zu machen, was sie wollen. Künstlerische Freiheit gibt es sonst doch kaum noch“, erläutert Pippirs, während in der Mitte der Wand zwei großflächige Bilder des Duos YFV und Frank Ehlerts entstehen. Sehr klein, aber dennoch überaus aussagekräftig wirken daneben die drei gerahmten Fotos von Karl Thun. Auch er sprüht nicht, sondern hat im Vorfeld Ausschnitte von Graffiti, die einst an Häusern in der Celler Hafenstraße prangten, fotografiert. „Die Struktur der abblätternden Werke interessiert mich, ich habe reduziert, wenig, immer weniger, das war mein Motto“, erklärt Thun. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Timm Roth: „Ich bin ein Fan der 80er, ich bringe hier einen Toaster im damaligen Design auf die Wand.“ Doch Toaster ist nicht einfach Toaster.

Noch sind die Bilder nicht fertig, wetterabhängig werden sie finalisiert und von Pippirs mit rahmenden Details versehen. Interpretieren lassen sich der Schriftzug von Ehlert, die Auseinandersetzung mit Stadt und Raum von YFV sowie Roths Toaster und Thuns Fotos jetzt schon. Im Reim, den sich jeder Passant auf die Werke macht oder auch nicht, entspinnt sich ein stetiger Dialog zwischen den Künstlern und den Bewohnern und Besuchern der Stadt. Wie sich dieser entfalten wird, ist offen. Fest steht: Die Celler Altstadt ist bunter geworden.

Von Anke Schlicht