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Celle Stadt Celles neue Superintendentin: "Glauben ist nicht Wellness für Seele"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles neue Superintendentin: "Glauben ist nicht Wellness für Seele"
19:44 05.11.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Landessuperintendent Dieter Rathing erzählte in seiner Einführung, dass Burgk-Lempart im Garten der Superintendentur die Ableger der Blumen aus ihren früheren Gemeinden in die „alte“ Erde Celles gepflanzt habe. "Ihre ,alten' Erfahrungen, die Sie als Pastorin und Geistliche Begleiterin, als stellvertretende Superintendentin und aus der Mitverantwortung für die Seelsorge in unserer Landeskirche mitbringen, werden hier neue Impulse setzen und – so Gott will – neue Knospen treiben, neue Blüten hervorbringen und neue Früchte tragen."

Landessuperintendent Rathing erläuterte: "Wenn wir in unserer Kirche etwas neu entscheiden, etwas neu machen, verändern, reformieren, dann sind nicht die Entscheidungen das eigentlich Neue, sondern es sind vielmehr die ,neuen' Menschen dahinter. Menschen mit ihren neuen Einsichten, Menschen mit einem neuen Willen oder mit einem neuen Ziel."

In ihrer ersten Predigt als Celles Superintendentin sprach Andrea Burgk-Lempart über ungewohnte Sätze aus dem Mund Jesu, die sie eindrucksvoll mit Leben füllte. In Matthäus 10, 34-39, heißt es: "Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert."

Burgk-Lempart betonte, dass sie Jesus immer wieder neu kennen lerne durch sein Wort und in der Begegnung mit Menschen. So erzählte sie eine Anekdote vom Laternenumzug eines Kindergartens am Martinstag. Ein Vater habe ihr gesagt: "Für die Kinder sei es ja schön, dass es die Kirche geben würde. Auch für ältere Leute, die nicht mehr so mobil wären, alleine oder krank seien." Aber für ihn? Für ihn mache das Ganze wenig Sinn. Er stünde mit beiden Beinen im Leben. Er brauche keinen Trost. "Und nun?", fragte die 48-Jährige die Celler. "Um des lieben Friedens Willen den Mund halten?"

Burgk-Lempart leuchtet ein Satz ganz und gar ein, den sie vom vergangenen Kirchentag in Berlin mitgenommen hat: „Missionieren kommt von diskutieren.“ Demnach heiße Jesus nachzufolgen, sich auseinanderzusetzen, sich zu streiten. "Und wohl auch: mit mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebrachter Ablehnung zu leben." Sie betonte: "Mein Leben aus dem Glauben an Jesus heraus zu führen, heißt, zu sagen, wofür ich stehe. Wofür ich einstehe. Aus welcher Wahrheit ich lebe und was ich für richtig und was ich für falsch halte."

Konflikte auszutragen sei anstrengend, so Burgk-Lempart. Es koste Kraft und Nerven und erfordere eine hohe Frustrationstoleranz. Aber es lohne sich. Die Superintendentin fordert eine produktive Sicht auf Konflikte und eine gute Konfliktkultur – auch innerhalb der Kirche. "Konflikte schärfen das Bewusstsein. Sie zeigen auf, wo die Probleme liegen. Wenn sie auf gute Weise angegangen werden, helfen sie, die eigene Position zu klären und den Konfliktpartner besser zu verstehen."

Eine der größten Gefahren sieht Burgk-Lempart in einer Banalisierung und Bagatellisierung des Glaubens: "Glauben ist nicht Wellness für die Seele. Er ist nicht harmlos." Mit den Worten von Fulbert Steffensky brachte sie es auf den Punkt: „Das gebildete Herz ist nicht neutral, es fährt auf, wenn es die Wahrheit verraten sieht. Der Zorn ist eines der Charismen des Herzens. Es ist eine der Eigenschaften Gottes, der nicht duldet, dass Menschen verhungern und dass seine Welt gequält wird."

Beim Sektempfang im Urbanus-Rhegius-Haus brachte die neue Superintendentin einen Korb voller Blumenzwiebel mit – für ihre alten und ihre neuen Weggefährten.