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Celle Stadt Celles neue Superintendentin ergründet Terrain
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles neue Superintendentin ergründet Terrain
17:42 01.11.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Vor drei Wochen ist Andrea Burgk-Lempart nach Celle gezogen. Als Erstes richtete die neue Superintendentin im Garten das Beet vor ihrem Wohnzimmerfenster her. "Die Quecke gedeiht dort herrlich", erzählt die 48-Jährige. Dafür pflanzte sie einige Ableger ein, die sie zum Abschied in ihrer früheren Gemeinde Diekholzen bei Hildesheim erhielt. "Graben hat für mich etwas Meditatives", erläutert Burgk-Lempart. Das Gärtnern habe für sie auch einen symbolischen Charakter. "Ich habe etwas eingepflanzt, was für mich bisher schon da gewesen ist und nun kommen hier in Celle neue Pflanzen dazu." Doch dass die Ableger später blühen, liege nicht allein in ihrer, sondern in Gottes Hand.

Am Sonntag wird Andrea Burgk-Lempart in einem Gottesdienst durch Landessuperintendent Dieter Rathing in ihr neues Amt als Superintendentin eingeführt. Die geistliche Überschrift dazu lautet wie im zweiten Brief an die Korinther: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. " Burgk-Lempart werde das Taufbecken fest im Blick haben. Sie halte es wie Martin Luther. "Wir müssen täglich in die Taufe hineinkriechen und aus ihr hervorkommen im lebenslangen Prozess der Vervollkommnung."

In den vergangenen vier Wochen hat Andrea Burgk-Lempart ihr neues Terrain im Kirchenkreis Celle ergründet und ihren "Führerschein zur Superintendentin" gemacht. Inklusive Interviewtraining, Gesundheitscoaching, Ideen zur Kunstkirchenarbeit und zur nachbarschaftlichen Zusammenarbeit. "Ich bin in einem kleinen Dorf bei Hannover aufgewachsen", betont die Mutter zweier Söhne. "Mir gefällt, wie lebendig der Kirchenkreis Celle mit seinen vielen Initiativen ist." Auch die Residenzstadt biete mit ihren vielen Parkanlagen viel Grün. "Hier lässt es sich gut leben", ist sie sich sicher.

Zum Reformationstag besuchte Andrea Burgk-Lempart den Festgottesdienst in der Stadtkirche. "Eine halbe Stunde vor Beginn war sie bis auf den letzten Platz gefüllt", erzählt sie stolz. Auch den Gottesdienst in der Schlosskapelle hat die neue Superintendentin hinter der Glasscheibe mitverfolgt. "Im Gespräch haben mir die Celler das Gefühl gegeben, wirklich willkommen zu sein", so Andrea Burgk-Lempart.

Obwohl sie es nicht müsste, möchte die neue Superintendentin sich mit zehn Prozent als Pastorin in der Stadtkirche einbringen. "Ich bin gerne Gemeindepastorin", betont Burgk-Lempart. "Außerdem ist es mir wichtig, zur Dienstgemeinschaft zu gehören." In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit praktischer Theologie. "Mir ist eine gute Bindung an die Praxis wichtig."

In ihrer ersten Predigt geht es Andrea Burgk-Lempart um Matthäus Kapitel 10: "Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Dieser Vers gefalle ihr, weil gerade die Auseinandersetzung mit Widersprüchlichem Erkenntnis bringe.

Andrea Burgk-Lempart sagt, dass sie sich als "Türöffnerin" verstehe. Sie habe zwar kein Patentrezept gegen den Mitgliederschwund, sie wolle aber ihre Kollegen bestärken und nicht überfordern. "Es ist wichtig, die Begegnungsräume des Glaubens offen zu halten." Auch bei der elementaren Bildungsarbeit könne man Mitglieder binden.

Eine weitere Herausforderung steht der neuen Superintendentin mit der Kirchenvorstandswahl im März 2018 bevor. Denn ist schwierig, genügend Freiwillige zu finden, die bereit sind, für sechs Jahre gewählt zu werden. Doch Andrea Burgk-Lempart und ihr Team sind zuversichtlich: "Das ist mühsam, aber das kriegen wir hin."