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Celle Stadt Celles neuer Erster Stadtrat: „Teamplayer – kein Sparkommissar“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles neuer Erster Stadtrat: „Teamplayer – kein Sparkommissar“
19:43 27.02.2015
Von Michael Ende
Thomas Bertram glaubt an die Selbstheilungskräfte in seiner neuen Heimatstadt: „Celle muss es schaffen, und Celle kann es schaffen." Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Wie tickt Celle?“ Das will Thomas Bertram in den nächsten vier Wochen erst einmal herausfinden. Der 47-Jährige aus der Wedemark, den der Rat für zunächst einmal acht Jahre als neuen Ersten Stadtrat gewählt hat, möchte sich zuerst einen Überblick über die Situation in Celle verschaffen. Eines weiß er jetzt schon: „In Bezug auf den Haushalt neige ich dazu, graue Haare zu bekommen. Die Lage ist nicht gut – aber auch nicht hoffnungslos.“

Bis zum Jahr 2008 habe die Stadt „gute Haushalte“ gehabt, so der frischgebackene Stadtkämmerer: „Warum ist das jetzt nicht mehr so? So kann es nicht weitergehen.“ Bertram will sich mit immer neuen Millionendefiziten nicht abfinden. Über das Warum und das Wie wolle er sich zunächst einmal ein eigenes Bild machen. Wichtig sei ihm, der vor seiner Zeit in Celle Geschäftsführer der Zusatzversorgungskasse in Hannover war, innerhalb der Verwaltung „unternehmerisches Denken“ zu fördern: „Wir müssen auf uns selber schauen: Wie können wir Verwaltung optimieren? Wie können wir sparen? Was können wir uns leisten? Was müssen wir uns leisten? Wir dürfen nicht immer neue Kredite aufnehmen. Klar ist dabei: Ich möchte Celle aber auch nicht kaputtsparen.“

Städtische Töchter wie die Stadtwerke oder die WBG möchte Bertram stärker in die Pflicht nehmen: „Nicht nur, indem sie der Stadt Geld überweisen, sondern auch, indem sie sich anders engagieren - etwa im Rahmen von PPP-Projekten oder indem die WBG das Management städtischer Gebäude mit übernimmt.“ Darüber müsse man sprechen – genau so wie darüber, die Einnahmesituation der Kommune zu verbessern: „Daran müssen sich die Bürger beteiligen – sei es bei der Parkraumbewirtschaftung, bei anderen Gebühren oder etwa bei den Kleingarten-Pachten.“ Bertram könnte sich auch vorstellen, Grundstücke und Gebäude, die die Stadt nicht wirklich brauche, zu verkaufen: „Das sind Ideen. Wir müssen sehen, ob man sie realisieren kann.

Er sei keiner, der ohne Not nach Hilfe von außen rufe, sagt Bertram: „Ich mache erst einmal meine eigenen Hausaufgaben, bevor ich an anderer Leute Tür klopfe.“ Das Defizit wolle er möglichst allein beseitigen: „Celle muss es schaffen, und Celle kann es schaffen. Am Ende meiner hoffentlich langen Amtszeit soll die Stadt mit einem gesunden Haushalt dastehen.“

Privatisierungen und Ausgliederungen städtischer Leistungen steht Bertram sehr skeptisch gegenüber: „Dort, wo ich herkomme, geht der Trend ganz im Gegenteil dazu, ehemals ausgegliederte Bereiche wieder einzugliedern.“ Man dürfe sich nicht von der Aussicht auf einmalige und kurzfristige Privatisierungs-Gewinne blenden lassen: „Es gibt auch sofortige negative Auswirkungen: Wenn man etwa eine Stadtentwässerungs-GmbH gründet, wird die umsatzsteuerpflichtig. Das heißt: Jeder Kunde zahlt schon mal sofort 19 Prozent mehr. Macht das Sinn?“

Kein städtischer Mitarbeiter müsse um seinen Arbeitsplatz fürchten, bekräftigt Bertram: „Ich bin ein Teamplayer, der Sachen von allen Seiten betrachtet. Ich bin kein Sparkommissar, sondern will Dinge gemeinsam mit anderen anpacken. Man kann nicht alles im Leben nur mit Zahlen messen – wichtig sind immer die Menschen, um die es geht.“

Einen im wahrsten Sinne kleinen Spleen habe er auch, räumt Bertram auf Nachfrage ein: „Ich fahre ein winziges Elektroauto. Nicht nur, weil es sparsam ist, sondern weil es mir Spaß macht, diese neue Technik einzusetzen.“ Zu erklären, wie Sparen Spaß machen kann – das wäre ein Kunststück, mit dem Bertram in Celle nachhaltig punkten würde.