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Celle Stadt Celles neuer Oberbürgermeister: "Nichts ist nicht realisierbar"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celles neuer Oberbürgermeister: "Nichts ist nicht realisierbar"
16:53 16.06.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

Herr Nigge, 100 Tage im Amt als Oberbürgermeister – kamen die Ihnen länger oder kürzer vor als exakt 100 Tage?

Mir kommt es so vor, als wäre ich bereits seit etlichen Monaten im Amt. Ich wurde von Beginn an mit so vielen offenen Fragestellungen konfrontiert, dass ich tatsächlich dieses Gefühl habe. Hinzu kommen meine vielen Ideen und Pläne, so dass wenig Zeit bleibt, um innezuhalten und überhaupt das Gefühl des Anfang aufkommen zu lassen.

Wie lautet ihre Bilanz nach etwas mehr als drei Monaten im Rathaus-Chefsessel?

Inhaltliche Bilanz müssten letztendlich andere ziehen. Selbstdarstellung ist in meiner Funktion fehl am Platz.

Was hatten Sie sich vorgenommen?

Mir ist es zunächst einmal wichtig, zusammen mit meinen Mitarbeitern Strukturen und Prozesse herauszuarbeiten und festzustellen, was wir unternehmen müssen, um Probleme in Angriff zu nehmen. Ich habe viele Bereiche vorgefunden, die nicht so fortgeschritten sind, wie man sich das wünschen würde. Ich nenne hier nur den Nordwall, das Cramer-Projekt an der Wehlstraße oder die Allerinsel. Diese Sachen müssen wir strategisch anpacken und nach vorne bringen.

Was wollten Sie vermeiden?

Ich bin mit fast allen Fraktionen in vertraulichen, guten vor allem sachbezogenen Gesprächen, und es macht Spaß zu sehen, dass es den meisten tatsächlich darum geht, unsere Stadt nach vorne zu bringen. Dass man inhaltlich nicht immer einer Meinung ist, ist selbstverständlich und macht unsere Vielfalt aus. Wichtig dabei ist aber, dass man sich genau darüber persönlich austauscht und gemeinsam das Beste daraus macht. Vermeiden wollte ich dabei polemische Debatten über die Medien.

Gibt es Versprechungen aus ihrem Wahlkampf, die Sie bereits eingelöst haben – und gibt es vielleicht auch Versprechungen, die sich als nicht realisierbar erwiesen haben?

Aus meiner Erfahrung heraus ist nichts nicht realisierbar. Es ist immer die Frage, will man etwas und wie setzt man es schlussendlich um. Ich glaube, dass das Wichtigste tatsächlich ist, offen und transparent zu sein und den Menschen ehrlich zu sagen, wo wir stehen und wo wir hin wollen und müssen. Meine Ziele waren ja eher mittelfristiger Natur bezogen auf die ersten fünf Jahre. Dafür stellen wir derzeit die Weichen. Kleinere Dinge wie Abi-Umzug, Jugendbeirat oder Kleingärtner-Kompromiss werte ich weniger als Erfolge als vielmehr selbstverständliche Ergebnisse von pragmatischer Sacharbeit.

Was war die bisher wichtigste Weichenstellung ihrer Amtszeit?

Der Haushalt hat oberste Priorität. Das lasse ich bewusst in alle Themen mit einfließen. Auch bei den Strukturen sind wir nicht optimal aufgestellt. Ich will das ändern. Ein Beispiel hierfür ist die Wirtschaftsförderung, die wir derzeit personell stärken. Dagegen müssen wir Doppelstrukturen mit dem Landkreis gemeinsam in Frage stellen. Dafür sind die Weichen gestellt.

Haben Sie sich auch schon einen Patzer erlaubt?

Mir fällt nichts ein. (lacht) Vielleicht habe ich den Kleingärtner-Kompromiss für manchen zu schnell herbeigeführt. Wer gewohnt war, dass das in acht Jahren nicht geklappt hat, wundert sich vielleicht etwas darüber.

Wie sieht Ihr durchschnittlicher Arbeitstag aus?

Der beginnt um 7.30 Uhr und hört 12 bis 14 Stunden später auf.

Hätten Sie gedacht, dass sie der Job im Celler Rathaus so sehr in Anspruch nehmen würde?

Ja, definitiv. Das war mir bewusst.

Sie stehen nicht mehr vor dem Rathaus und wollen rein – sie sind angekommen. Inwiefern hat sich ihr Blickwinkel auf einzelne Themen und auch das „große Ganze“ verändert?

Ich habe jetzt ganz andere Zugänge zu den einzelnen Themenfeldern. So habe ich mich zum Beispiel mit allen zusammengesetzt, die vom Umbau der Allerinsel betroffen sein werden - und wir haben eine Lösung gefunden. Wir müssen fähig sein, Dinge neu zu denken. Und wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, Entscheidungen zu treffen. Die mögen nicht immer richtig oder gut sein, aber sie verhindern Stagnation und damit verbundene weitere Schwierigkeiten.

Was sind die größten Herausforderungen, die angepackt werden müssen?

Neben dem Haushalt zählt für mich die Entwicklung der Innenstadt zu den wichtigsten Themen. Wir sind mit viel Power dabei. Wir wollen eine lebendige Altstadt, reden mit Investoren und Hausbesitzern. Jetzt säen wir, in ein paar Jahren wird die Ernte für jeden ersichtlich sein.

Eine Herausforderung persönlicher Art ist die Familienzusammenführung. Noch leben sie hier ja unter der Woche als Strohwitwer an der Aller. Wann holen Sie Ihre Familie von der Elbe hierher?

Im Sommer 2018. Dann sind unsere Kinder so alt, dass sie entweder eingeschult werden oder auf eine weiterführende Schule wechseln. Schon jetzt ist meine Familie aber fast jedes Wochenende hier bei mir.

Was packen Sie als nächstes an?

All die Projekte, die nicht den Stand haben, den die Bürger zurecht erwarten. Zum Beispiel das Cramer-Projekt. Das sollte ursprünglich Ende 2016 fertig sein und davon sind wir derzeit entfernt. Das kann so nicht weiter gehen. Zusätzlich arbeiten wir an Bauplätzen und, und, und.