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Celle Stadt „Cellotopia" im Spielclub des Celler Schlosstheaters
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Cellotopia" im Spielclub des Celler Schlosstheaters
13:05 02.06.2017
„Cellotopia – Omas Odyssee ins Zentrum der Menschheit“ beeindruckt mit jeder Menge Fantasie und Spielspaß. Quelle: Sarah Pertermann
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Und im Titel steckt schon alles, was man zu sehen bekommt: Der Weltraum – unendliche Weiten, unentdeckte Parallel-Universen und Galaxien, die nie... – nein nur ein Mensch mit einer Zeitreisemaschine zu sehen bekommt. In diesem Fall sind es Oma und ihre Enkelin Adula, die aus Celle ausziehen um die Welt zu retten. Dass sich solche Utopie nur mit einer fantastischen Spielspaß-Menge umsetzen lässt, ist klar.

Von dieser Leidenschaft am Spielen – sich Protagonisten, Typen, Fantasiewelten und Horrorszenarien auszudenken und sich voll hinein zu werfen in das Schauspielglück – davon profitieren Stück und Zuschauer am meisten, denn das ist sichtbar und spürbar. In einer deutschen 0815-Familie gibt es nur einen Menschen, der sich um die schlimmen Entwicklungen auf der Erde – sowohl was Natur als auch gesellschaftliches Miteinander angeht – Gedanken macht: Adula. Ihr gelingt es, ihre etwas durchgeknallte, ins Vergessen sinkende Oma, die früher ein Wissenschafts-Genie war, wieder zu mobilisieren. Beide brechen auf, um sich die Entwicklung in verschiedenen Parallel-Universen anzusehen, auf der Suche nach einer probaten Lösung.

Mit Hilfe der Dimensionsreisemaschine treffen sie auf Welten, in der genmanipulierte Pflanzen die Herrschaft übernommen haben, anderswo werden die Menschen per Glückspille und einer Art Baumreligion in Schach gehalten, wieder anderswo hat man die Natur so in Schach zu halten gelernt, dass die Menschen im selbstgeschaffenen Vakuum kaum mehr friedliche Lösungen in Koexistenz andenken können. Im Hin und Her zwischen den Welten geraten auch dort die Gefüge, Ordnungen und Wissenschaftler durcheinander – Endlösung endgültige Vernichtung? In einer letzten Verzweiflungstat versuchen Oma und Adula es mit der Vergangenheit und besuchen Albert Einstein – vielleicht hat der ja eine Relativitätslösung zur Hand. Das Ergebnis ist kein Heilmittel, sondern eher eine Tatsache: Es geht jeden etwas an, und jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen, damit Dinge sich ändern.

Etwas wirr und verworren – so wie sich das hier anhört – ist das Stück leider auch. Was im Schritt-für-Schritt-Verfahren von Ideensammlung und Stückentwicklung klar und nachvollziehbar erscheint, ist für Zuschauer, die mit dem fertigen Ganzen konfrontiert werden einfach zu viel. "Weniger ist mehr“ hätte nicht nur für Reduzierung von und in den Szenen gelten können, sondern vor allem für die so komplizierte „Wissenschaftssprache“ in den Dialogen. Ein spielgewaltiges Stück also, dem ein bisschen Vereinfachen und Aufräumen gut täten.

Weitere Vorstellungen gibt es am Dienstag, 6. Juni und Freitag, 9. Juni jeweils 20 Uhr in Halle 19 auf dem Gelände der CD-Kaserne.

Von Doris Hennies