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Celle Stadt Chinesischer Nationalcircus lässt Celler staunen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Chinesischer Nationalcircus lässt Celler staunen
21:53 01.05.2014
Von Jürgen Poestges
Der Chinesische Nationalcircus in Aktion: Wirbelnde Teller, fliegende Hüte, Akrobatik und Tanz ließen die Besucher in der Congress Union staunen. Quelle: Benjamin Westhoff (5)
Celle Stadt

Es beginnt ruhig, unspektakulär. Ein junger Chinese betreibt Tai Chi, dazu chinesische Musik – eigentlich alles andere als der Beginn eines Abends mit einem Zirkus. Aber der chinesische Nationalcircus ist eben auch nicht wie andere. „Wir haben uns ganz bewusst für einen ruhigen Einstieg entschieden“, erzählt Tourmanagerin Nicolette Sroka. „Wenn die Besucher nach einem hektischen Arbeitstag in unsere Vorstellung kommen, dann wollen wir sie erst einmal emotional herunterfahren.“Und das gelingt. Durch den unaufgeregten Einstieg, dem noch eine Tanzeinlage folgt, sind die Zuschauer bereit für das Feuerwerk, das sich rund zwei Stunden auf der Bühne abspielt.Akrobatik vom Feinsten, Jonglage, Zauberkunst und Clownerie wechseln sich ab. „Shanghai Nights“ heißt das aktuelle Programm des Nationalcirkus. Die Besucher werden entführt in das Shanghai der 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. „Da nannte man die Stadt auch das Paris des Orients“, sagt Sroka. „Es war ein internationaler Schmelztiegel.“ In einer Mischung aus Teehaus und Hafenkneipe spielt sich das Geschehen ab. 21 Artisten zeigen ihr Können, unter den 20 Chinesen im übrigen auch mit Roberto Capello ein Italiener. Produzent Raoul Schoregge arbeitet mit 15 Artistenschulen aus China zusammen.Aus dem Staunen kommt man nicht mehr heraus. Die „Inner Mongolia Girls“ zeigen, wie biegsam ein menschlicher Körper sein kann. Dazu beweisen sie auf Hochrädern ein unglaubliches Gleichgewichtsgefühl, befördern Blechschüsseln von ihren Füßen auf den Kopf der Nachbarin. Und sie jonglieren auf dem Rücken liegend mit sich drehenden runden Teppichen, dass einem schwindelig wird beim Zuschauen.Wu Qun, mit 55 Jahren ältestes Ensemblemitglied – der jüngste Akrobat ist gerade 14 Jahre alt –, hat ein ganz besonderes Hobby: Er stemmt in einander verkeilte Sitzbänke. Insgesamt zwölf dieser Möbel setzt er sich auf die Stirn. Shi Heyuan zeigt Akrobatik hoch über dem Bühnenboden: Auf acht gestapelten Stühlen streckt sie sich locker zum Handstand auf.Höhepunkte gab es am laufenden Band. Sei es Zauberer Na Xiao Han, der einen schier unerschöpflichen Nachschub an Spielkarten aus allen möglichen Öffnungen seines Anzugs zog, oder Wang Hao, der seinen drei Diavolos atemberaubende Flugbahnen gab. Zhang Meng Qi und Liu Weng Hong balancierten mit großen Vasen, als ob sie kein Gewicht hätten. Da wirbelten ebenjene Vasen oder ein Tisch wie schwerelos durch die Luft, angetrieben von zwei Füßen.Ein Abend, der sich gelohnt hat für Freunde des Zirkus. Und mit einem stimmigen Konzept. Die Darbietungen waren eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung. So gab es dann auch für das letzte „Tschüss“ aus chinesischem Mund noch großen Beifall.