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Celle Stadt Christoph Siebert begeistert Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Christoph Siebert begeistert Celler
17:13 28.05.2015
„Alles ist nie genug!“ Kabarett mit Christoph Sieber Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Politisches Weltgeschehen und persönliche Dramen, es gibt nichts, von dem Christoph Siebert die Finger lässt. Stattdessen legt er, eingebettet in Humor, die Finger auf die gesellschaftlichen Wunden, gräbt und bohrt, auf der Suche nach dem Substanziellen. Mit seinem aktuellen Programm „Alles ist nie genug“ stand der Kabarettist am Mittwoch in Celle auf der Bühne der CD-Kaserne.

„Wie wollen wir leben?“, fragt Christoph Siebert – und die Frage hat er offenbar vorher schon sich selbst gestellt. Heraus gekommen ist eine ganze Liste von Themen, wie und womit man eher nicht leben wollte – oder sollte! Und die Lösung? Für die gab es eine ganze Menge Denkansätze und den Aufruf, genauer hinzuschauen, sich von Verharmlosung nicht einwickeln zu lassen und nicht in Gleichgültigkeit und Passivität abzurutschen: „Seien sie zornig und brüllen sie auf!“

Dschihadisten, Geheimdienste, No-Spy-Abkommen – das Programm des Kabarettisten bewegt sich zwischen aktueller Weltpolitik und sozialgesellschaftlichen Themen. Trotz satirischer Gedankenwege ist alles zugespitzt auf eine Kernfrage: Wie frei sind wir, was ist Freiheit uns wert?

„Die meisten Schalter und Drücker sind Placebos“, mutmaßt Siebert – und erzählt von der Bushaltestelle und der Ampel, von der Illusion, dass selbst auf den Knopf zu drücken noch irgendetwas bewirkt. Wie fremdbestimmt sind wir also tatsächlich und wie viel Fremdbestimmung lassen wir uns gefallen? Und schon sind wir wieder im Zentrum der Politik. „Wir haben uns aufs Bänkchen setzen lassen und warten auf den Bus der nicht kommt“, während die Regierung zum Alleingang längst angesetzt habe. Aber schön positiv bleiben: „Die Welt geht unter, mach was draus!“

Die Frage „Brauchen wir das wirklich?“ bringt Siebert zum Thema Bildung. Schüler und Lehrer, Bücher und Bildungsfernsehen – jede Menge Stoff für humorvolle Geschichten – und dazwischen lauert stets ein Stück Irrsinn. Oder warum sonst sollten sich in den zehn Jahren DSDS (Deutschland sucht den Superstar) über 100.000 junge Menschen zur Teilnahme beworben haben, um dann vorgeführt zu werden und schmählich zu scheitern?

Nach der Pause zeigt Siebert etwas mehr von seiner darstellerischen Seite: Hiphop und Boris Becker in Zeitlupe. Der seit 2001 mit Preisen verwöhnte, frisch gebackene Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises (Kategorie Kabarett) hat nämlich erfolgreich an der Folkwang-Hochschule in Essen Pantomime studiert und wurde erst 1996 bei einem Auftritt in Mainz fürs Kabarett entdeckt. Seitdem prangert er, in Humor und Pfiffigkeit gewandet, Gier und Gleichgültigkeit an – nicht ohne sich selbst im Spiegel zu sehen – und endet auch diesmal, nach der Zugabe, „wenn‘s am Schönsten ist…“.

Von Doris Hennies