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Celle Stadt Chronologie einer Liebesgeschichte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Chronologie einer Liebesgeschichte
14:39 09.03.2012
Zu sehen sind Julia Malkowski, William Danne, Gabriela Lindlova und Thomas Wenzel. Quelle: nicht zugewiesen
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Schon kurios: „I Love You, You‘re Perfect, Now Change” ist mit genau 5003 Vorstellungen eines der erfolgreichsten Off-Broadway-Musicals aller Zeiten – und hierzulande weitgehend unbekannt. Auch Lars Wernecke und Ulrich Jokiel machen kein Hehl daraus, dass ihnen das Stück mit Texten von Joe DiPietro und Musik von Jimmy Roberts vordem nicht recht geläufig war. Das hat sich nun allerdings gründlich geändert: Als Regisseur und musikalischer Leiter werden die beiden das Musical am kommenden Freitag um 20 Uhr in der Residenzhalle zur Premiere bringen.

Inhaltlich geht’s um die Liebe und vor allem, wie der Titel bereits andeutet, um die damit verbundenen Schwierigkeiten. Eine klassische Geschichte wird hier nicht erzählt, doch folgen die 19 Episoden einer gewissen Chronologie, die beim ersten Date beginnt und über Themen wie Hochzeit und Kinder zuletzt bei der Liebe im Alter landet. Die Celler Inszenierung wird das volle Programm zeigen: „Wir haben nur ein paar Kleinigkeiten herausgenommen, die wohl eher für ein amerikanisches Publikum verständlich sind“, erläutert Wernecke. Der Abend ist sehr von der Musik bestimmt – „ich schätze, ungefähr drei Viertel“ – und er ist vor allem vergnüglich: „Ja, es geht in erster Linie um Spaß, bei dem der Besucher nicht zuletzt immer wieder den Spiegel vorgehalten bekommt“, meint der Regisseur. „Aber am Schluss kommt auch eine nachdenkliche Note ins Spiel.“

Die Akteure Gabriela Lindlova, Julia-Desirée Malkowski, Thomas Wenzel und William Danne teilen sich nicht weniger als 60 Rollen, ein durchaus traditioneller Ansatz, da auch die Uraufführung einst mit einem Quartett besetzt war. Praktischerweise hat Wernecke eine Rahmenhandlung erfunden: „Bei uns lassen sich die Vier über Nacht in einem Kaufhaus einschließen.“ Wo natürlich die jeweils erforderlichen Kostümteile mehr oder minder griffbereit zu bekommen sind.

Beim Lesen wirkt das Stück nicht immer sehr pointiert, vor allem die deutschen Songtexte scheinen manchmal arg stokelig. Wernecke räumt freimütig ein, dass es ihm selbst anfangs zumindest punktuell ähnlich erging: „Aber auf der Bühne ist dann doch alles ganz anders. Es gab sogar Szenen, bei denen ich zuerst gedacht habe ,Naja …’ und die jetzt zu meinen Favoriten gehören. Das Stück ist schon sehr gut gebaut.“

In die gleiche Kerbe schlägt Ulrich Jokiel, der mit seiner langjährigen Erfahrung im Kabarettbereich sicher beurteilen kann, wie Pointen gesetzt werden müssen: „Das Timing ist hier hervorragend.“ Jokiel hat das Stück musikalisch eingerichtet und wird live am Klavier begleiten, ohne sich allerdings, wie in anderen Produktionen geschehen, auch darstellerisch zu beteiligen: „Keine Angst, ich sage diesmal keinen einzigen Satz …“ Ihm zur Seite steht Peter Missler an verschiedenen Blasinstrumenten: „In der ursprünglichen Besetzung gibt es stattdessen eine Geige“, erläutert Jokiel. „Ich glaube, mit Sopransaxophon, Tenorsaxophon und Querflöte haben wir eine noch größere Bandbreite.“

Das musikalische Spektrum reicht von Pop über Tango bis Rock ’n’ Roll. „Es gibt sogar klezmerartige Anklänge“, sagt Jokiel, der zudem einen großen rhythmischen Abwechslungsreichtum in dem Material ausgemacht hat: „Das ist nicht immer nur Vierviertel, da kommt auch schon mal ein Fünfer- oder Sechsermetrum ins Spiel.“ Was ihn daran besonders freut: „Mitklatschen liegt dann wohl nicht mehr drin …“

Von Jörg Worat