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Celle Stadt Circus Belly: Robby entdeckt die Kunst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Circus Belly: Robby entdeckt die Kunst
18:30 19.10.2017
Von Dagny Siebke
Robby´s Malkünste Quelle: K. Alexandra Dörnath
Celle Stadt

Die Bremerin erzählt: „Robby ist Rentner. Er tritt nicht mehr in der Manege auf. Also habe ich mich gefragt, wie wir ihn beschäftigen könnten.“ Weil Affen alles instinktiv in den Mund stecken, hat die 46-Jährige viel Geld für hochwertige Utensilien ausgegeben: Fingerfarben, Wachsmalstifte, Kreide, eine Staffelei und viele Pinsel.

Ziehvater Klaus Köhler setzte sich zu Robby in den Zirkuswagen und reichte ihm die Farbe an. „Das Verrückte war, dass wir ihm kaum etwas erklären mussten“, berichtet Dörnath. „Wir haben ihm einmal gezeigt und dann hat er es schon nachgemacht. Er hat ganz selbstverständlich den Pinsel in die Hand genommen und in die Farbe getunkt. Malen macht ihm unheimlich viel Spaß.“

Der Schimpanse reklamierte schnell die künstlerische Freiheit für sich und lehnte es ab, seine Finger in Farbtöpfe zu tunken. „Fingerfarbe findet Robby eklig. Er malt nur mit dem Pinsel“, betont Dörnath. Auch farblich habe Robby seine Vorlieben. „Wie Picasso hatte er seine blaue Phase. Doch am liebsten mag er Rottöne. Das ist bemerkenswert, da wir auf Grüntöne getippt haben.“

Robby kann sich sogar sogar beidhändig ausdrücken. Doch schöpferische Pausen sind ihm wichtig. „Er malt nur ein Bild. Nach 15 Minuten hat er überhaupt keine Lust mehr“, verrät Dörnath. Dann steige er von seinem Stuhl. Die Bremerin ist so begeistert von Robbys Talent, dass sie bereits sieben Motive als Postkarten verkauft und im Naturerlebniszentrum „Botanika“ angeboten hat. Zudem plane sie eine Vernissage mit den Bildern. „Danach sollen die Bilder zugunsten Robbys und wildlebender Schimpansen versteigert werden“, kündigt sie an.

Alexandra Dörnath kennt die Zirkusfamilie Köhler seit Ende April. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg wurde sie von der Presse nach ihrer Einschätzung als Expertin für Menschenaffen gefragt. Und so machte sie sich selbst ein Bild von Robbys Zuhause. Acht Tage lang hat sie den Schimpansen von früh bis spät beobachtet. Ihr persönliches Fazit: „Robby geht es gut. Er hat keine schwerwiegende Störung. Er vermisst den Urwald nicht, er braucht sich keine Sorgen um sein Futter machen und er hat eine Ersatzfamilie. Sogar mit Hund.“ Denn Labradoodle Ted spielt gerne mit ihm.

Zu Zirkusdirektor Klaus Köhler habe Robby „ein ganz inniges intuitives Verhältnis“, sagt Dörnath. Köhler behandle ihn wie sein siebtes Kind. „Die beiden sind zusammen alt und grau geworden. Sie verstehen sich blind.“ Die Tierärztin ist überzeugt: „Die beiden können nicht ohne einander. Wenn sie getrennt werden würden, würden sie beiden an gebrochenem Herzen sterben.“ Der 46-Jährige Affe setze in Köhler ein Urvertrauen, dass nie enttäuscht wurde. „Sonst wäre er nicht so zahm.“

Robbys Gehege erfülle zwar von der Größe her die Voraussetzungen, so Dörnath, doch sei es auf seine Bedürfnisse angepasst. „Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagt Dörnath. Zum Beispiel habe der Schimpanse oben in seinem Zirkuswagen ein richtiges Schlafnest. „Robby ist ein Opa und braucht seinen Schlaf“, bekräftigt sie. Sein vier Meter hohes Geheges sei hoch genug. Wäre es noch höher, könne der Schimpanse in seinem Alter schnell fallen.

Was mit Robby passieren würde, wenn er in eine Auffangstation für Schimpansen käme – wie es das Gericht fordert – will sich die Tierärztin nicht ausmalen. Die ersten drei Monate müsse er in Quarantäne verbringen oder, wie Dörnath es nennt, „in Einzelhaft.“ Für eine Resozialisierung räumt sie dem Zirkusaffen schlechte Chancen ein: „Robby kennt nur die Sprache der Menschen, er kann die Schimpansen-Etikette nicht.“ Wie die Artgenossen mit Robby umspringen könnten? „Das Geringste wäre, wenn sie ihm einen Finger abbeißen würden“, vermutet die Spezialistin für Exoten. Denn im Kampf schreckten die Schimpansen nicht davor zurück, ihre Artgenossen zu töten. Wenn Robby in einer Auffangstation nicht resozialisiert werden könne, fürchtet Dörnath, dass der Affe eingeschläfert werde. „Obwohl er völlig gesund ist.“