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Celle Stadt City-Gerüchteküche brodelt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt City-Gerüchteküche brodelt
17:38 05.11.2010
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE. Der Frust sitzt tief bei Joachim Falkenhagen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende hatte bis zuletzt dafür gekämpft, dass den verhinderten Machern der Altstadt-Galerie noch einmal eine reele Chance eingeräumt werde. Den jetzt gefällten Ratsbeschluss, für dessen Fall Gedo den Ausstieg aus den Center-Planungen angekündigt hatte, hält Falkenhagen für fatal: „Die Altstadt-Galerie ist am Donnerstag gestorben. Zurück bleibt eine städtebauliche Brache mitten in der Innenstadt, Gutachten, die im Keller verschwinden und ein verheerender Ruf der Stadt bei Investoren. Wer wird hier noch investieren, wenn Investoren so behandelt werden?“

Mit der Verhinderung des Centers hätten SPD, Grüne und WG der Altstadt einen Bärendienst erwiesen, meint Falkenhagen: „Damit wird das Oberzentrum Celle wieder einmal nicht mit Leben ausgefüllt. Junge und junggebliebene Verbraucher werden enttäuscht, weil Celle in alten Strukturen verharren muss. Die Anziehungskraft der Stadt Celle wird nicht gestärkt, sondern im Verhältnis zu anderen Städten geschwächt.“

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Joachim Schulze begreift den Center-Ausstieg als Chance: Jetzt müsse der aktuelle SPD-Antrag auf „solitäre Ansiedlung“ der Ankermieter in Sachen Elektronik, junge Mode und Lebensmittel greifen: „Hier würde dann mit Hilfestellung der Stadt bestehendes und vorhandenes Immobilienpotential im Innenstadtbereich genutzt werden.“ Michael Bischoff (CDU) bezeichnet diesen Ansatz als „naive Milchmädchenrechnung“: Die Stadt habe gar kein Geld, um sich an etwas zu versuchen, an dem sich schon private Immobilienexperten verhoben hätten: „Für schwierige Fragen gibt es keine einfachen Antworten.“

Torsten Schoeps (WG) erinnert daran, dass ja City-Akteur Günter Stachetzki wie versprochen die ersehnten Marken „aus dem Hut zaubern“ könne. In der Tat kursieren derzeit Gerüchte, denen zufolge sich ein Elektronikmarkt binnen vier Wochen definitiv für eine Ansiedlung in der Karstadt-Brache am Nordwall entscheiden werde und dass ein bedeutendes Modelabel in die City wolle. H&M sollte Stachetzki zufolge längst einen Mietvertrag in der Zöllnerstraße haben. Schoeps: „Von Versprechungen haben wir nichts.“

Meinung

Kasperltheater

„Gehe zurück auf Los“ – im Celler Innenstadt-Monopoly ist das schon wieder die aktuelle Karte. Wie immer, wenn ein Center-Investor gescheitert ist, hofft man auf Alternativen zur Attraktivierung der Innenstadt. Und wie immer sollen die von außen kommen. Gerüchte machen die Runde, dass H und M, ein wichtiger Elektronikhändler sowie ein Lebensmittelsupermarkt sich bald, demnächst, in naher Zukunft, in gar nicht allzu langer Zeit – irgendwann ganz bestimmt in Celle ansiedeln wollen. Zu schön, wenn an diesen Gerüchten etwas dran wäre.

Denn allein auf die Aktivitäten der Innenstadt-Akteure zu hoffen, wäre ein wenig überoptimistisch. Das zeigt der Rücktritt des Citymanagements-Vorsitzenden Peter Klein. Zerstritten sei man, sagt Klein, der mit dem Citymanagement gerne noch etwas Anderes als eine erfolgreiche Abwehrschlacht gegen die Center-Konkurrenz auf die Beine gestellt hätte. Was das jährlich mit sechsstelligen Eurobeträgen subventionierte Citymanagement zuwege bringt, ist äußerst überschaubar. Zur Zeit lässt der Gerüchten zufolge ebenfalls unter internem Beschuss stehende Citymanager die mit Steuergeldern bezahlte Weihnachtsbeleuchtung aufhängen. Sonntag sind Geschäfte offen, es gibt einen Laternenumzug und – welch Ironie – als Attraktion der Celler City ein Kasperltheater. Michael Ende