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Celle Stadt Comedian Dieter Wischmeyer überzeugt in Celle mit Derbheit und Intellektualität
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Comedian Dieter Wischmeyer überzeugt in Celle mit Derbheit und Intellektualität
20:10 20.02.2015
Dietmar Wischmeyer mit seinem Programm "Vorsicht Artgenosse" am 19.02.15 in der CD-Kaserne. Die Veranstaltung war seit Wochen ausverkauft. Quelle: Peter Bierschwale
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Für den Auftritt dieses Komikers bedurfte es keiner Werbetrommel: Als Hannoveraner Radiomoderator erreichte er Kultstatus, und dank seiner Fernsehpräsenz wurde Dietmar Wischmeyer auch bundesweit bekannt. Dicht gedrängt verfolgten die knapp dreihundert Zuschauer in der ausverkauften Halle 16 der CD-Kaserne sein Programm „Vorsicht Artgenosse“. Der Auftritt enthielt viele kreative Ideen und eine beeindruckende sprachliche Wucht, gepaart mit bildstarker Poesie.

Weil Wischmeyer nicht nur den Hannoveraner, sondern auch den ländlichen Treckerfahrer gibt, könnte man Wischmeyer als den Niedersachsen unter den Comedians bezeichnen, zumal seine Herkunft aus Westniedersachsen sprachlich immer noch durchschimmert. Ja, Wischmeyer benutzt nicht selten eine brachiale Fäkalsprache, die Empfindsame abstoßen mag. Da sich aber auch viele Niedersachsen gern derbe ausdrücken, sehen sie Wischmeyer als einen der ihren an.

Aber der Comedian ist beileibe kein Unterleibs-Komiker. Der Reiz seiner Texte und Figuren liegt in einer geschickten Mischung aus Derbheit und Intellektualität, politischem Kabarett und Alltagskomik. Hinzu kommt, dass Wischmeyer über eine sprachliche Ausdruckskraft verfügt, die allein schon Unterhaltungswert besitzt.

Während seines Auftritts spielte Wischmeyer einige seiner bekannten Figuren, darunter „Der kleine Tierfreund“ und „Günther der Treckerfahrer“. Ein wenig litt die Lebendigkeit des Auftritts dann, wenn er nicht frei sprach, sondern über längere Phasen direkt vom Blatt ablas und kaum Kontakt zum Publikum suchte. Auf der anderen Seite war der Künstler bei kabarettistischen Beiträgen recht aktuell:

Die FDP, so habe er der Zeitung entnommen, wolle die Wölfe ins Jagdrecht aufnehmen, meinte Wischmeyer: „Ich glaube dagegen, der Wolf möchte, dass die FDP in sein Beuteschema aufgenommen wird!“

Mit Blick auf den aktuellen Softporno „Fifty Shades of Grey“ fragte er: „Muss Mutti denn jetzt Handschellen tragen, wenn Vati aufreitet? Kann man den ausgelutschten Altpartner denn schönfoltern?“ Aber: „Wer sich von der Gattin an den Bettpfosten ketten lässt, weiß die Freiheit erst richtig zu schätzen!“

Angesichts des Aschermittwochs dieser Woche kam er auf das Fasten. „Heilfasten“ sei ja schon unsinnig genug, aber noch schlimmer sei das „Verzichtsfasten“. Das würden die „Bionade-Pisser“ betreiben, die auf das Rauchen für den Klimaschutz verzichten würden oder auf Fleischverzehr wegen der Massentierhaltung. Dies werde dann mit missionarischem Eifer dem Umfeld fortlaufend mitgeteilt. „Kein Schwein“ esse noch normal, es müsse schon „glutenfrei und linksdrehend“ sein.

Wischmeyer hatte jedoch nicht nur Satire im Programm. So hinterließ sein sprachliches Bild von einsamen, rauchenden Männern auf den Balkonen von Mietskasernen einen beklemmenden Eindruck von der Leere im Leben mancher Menschen.

Es rege ihn auf, so Wischmeyer abschließend, wenn sich die „verfetteten Wohlstandsbürger“ nicht mehr über die einfachen Dinge des Lebens erfreuen könnten, beispielsweise über einen Biss in ein Leberwurstbrot. Das sei bei den Leuten, die die Kriege erlebt hätten, anderes gewesen. Vielleicht könne man aber dennoch die „Kriege auslassen“ und trotzdem mehr Freude ausdrücken als mit einem kärglichen: „Och nee, ganz schön!“

Von Peter Bierschwale