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Celle Stadt DSL für Kreis Celle kostet bis zu 54 Millionen Euro
Celle Aus der Stadt Celle Stadt DSL für Kreis Celle kostet bis zu 54 Millionen Euro
21:04 10.02.2015
Der Ausbau von schnellem Internet würde bis 54 Millionen Euro kosten. Quelle: Franziska Koark
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Zwei verschiedene Techniken gibt es. In der ersten, von Experten FTTC (englisch für "Fiber to the Curb") genannt, werden Glasfaserkabel bis in sogenannte Kabelverzweiger verlegt. Von dort aus führen Kupferkabel bis in die Haushalte. Bei der zweiten – FTTB (englisch für "Fiber to the Building") – laufen die Glasfaserkabel bis zu den Gebäuden. Mit dieser Variante würden die Haushalte mit noch schnellerem Internet versorgt, aber die Kosten sind auch deutlich höher. Die Gutachter rechneten mit einem Gesamtbetrag von 54,3 Millionen Euro. Aber auch in den Varianten mit Kupferkabel wären es zwischen 10 bis 17 Millionen Euro je nach Ausbauvariante.

Aus Sicht der Gutachter wäre die FTTB-Version zumindest die, die sich nach 30 Jahren amortisieren würde. Bei den anderen prognostizieren sie dauerhaft Zuschüsse von mindestens 700.000 Euro bis sogar knapp über eine Million Euro pro Jahr für den Betrieb. Die Gutachter empfahlen deshalb die komplette Glasfaservariante in Eigenregie mit einem zu gründenden kommunalen Unternehmen und lieferten auch gleich die dazugehörigen Trassenverläufe mit.

Doch beim Landkreis haben die Ausführungen zu einem Umdenken geführt. Insbesondere die von den Gutachtern mit 60 Prozent bezifferte Nachfrage nach den besonders schnellen Internetanschlüssen hält Landrat Klaus Wiswe für zu hoch. „Wir haben ja inzwischen auch durch den Ausbau mit den Konjunkturpaketen unsere Erfahrung. Eine davon ist, dass viele Menschen nicht den Hochleistungsanschluss wählen, auch wenn es ihn gibt”, so Wiswe.

Auch wegen der hohen Folgekosten denke der Kreis inzwischen „in eine andere Richtung”. So solle das Projekt im Rahmen einer „Wirtschaftlichkeitslücke” für die unterversorgten Gebiete ausgeschrieben werden. Die Vorgabe für einen möglichen Auftragnehmer könnte sein, dass er 90 oder auch 95 Prozent der Haushalte anschließen muss. Wie Wirtschaftsförderer Daniel Eckardt sagte, rechnet der Kreis mit Kosten im hohen einstelligen beziehungsweise niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, also um die zehn Millionen Euro. Die Versorgungslücken sollen innerhalb von zwei Jahren geschlossen werden.

SPD und CDU begrüßten die Idee. „Wer weiß, ob wir in 30 Jahren noch diese Technik haben”, sagte Juliane Bischoff (CDU). Auch Maximilian Schmidt (SPD) sprach sich für eine Ausschreibung aus, forderte aber, dabei zu gewährleisten, dass auch andere Anbieter auf die Leitungen zugreifen könnten, falls die Telekom den Auftrag bekomme.

Etwas überhitzt reagierte Alexander Hass (WG). Wertlos sei das ganze Gutachten, 80 Prozent könne man davon schon im Internet finden. Schade sei es um das schöne Geld. Doch mit seiner Einschätzung stand er im Wirtschaftsausschuss ziemlich alleine da, zumal er "das gesamte Gutachten noch gar nicht gelesen hatte, obwohl ich mehrfach darum gebeten habe, es zu bekommen”.

„Mir, und ich denke ich spreche da für die gesamte CDU-Fraktion, hilft dieses Gutachten durchaus”, entgegnet der Ausschussvorsitzende Torsten Harms (CDU), der sich ebenfalls für eine Ausschreibung aussprach. Wie Kreisrat Gerald Höhl sagte, werde man so schnell wie möglich weitere Details ausarbeiten. Allerdings fehlten derzeit auch noch die Förderrichtlinien des Landes, die dafür nötig seien.

Von Tore Harmening