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Celle Stadt Dagnys Klima-Tagebuch: Umweltschutz macht keine Ferien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Dagnys Klima-Tagebuch: Umweltschutz macht keine Ferien
18:56 22.03.2018
Von Dagny Siebke
Eine Woche Klima-Tagebuch "Mein ökologischer Rucksack": Die Flugreisen und ihre Heizung bereiten Dagny Siebke beim Anblick ihrer CO2-Bilanz Kopfzerbrechen.  Quelle: Daniel Pracht
Celle Stadt

Was Sie und ich in einer Woche Klimafasten lernen konnten? Es ist gar nicht so einfach, dauerhaft die Umwelt zu schonen. Obwohl ich mich schon länger für das Thema interessiere, waren mir einige Dinge so noch nicht bewusst. Dass mir meine Flugreisen die CO₂-Bilanz verhageln könnten, hatte ich schon auf dem Schirm. Aber dass das Thema Heizen so eine große Rolle spielt, hätte ich nicht gedacht. Und so liege ich am Ende insgesamt mit mehr als 14 Tonnen pro Jahr sogar ganze zweieinhalb Tonnen über dem deutschen Durchschnitt von 11,6 Tonnen.

Neugierige Fragen: In der vergangenen Woche habe ich mich mit den Themen Mobilität, Strom, Ernährung, Heizen und Konsum beschäftigt. Jeden Tag hat mir ein anderer Experte in Celle Tipps gegeben. Zum Abschluss will ich wissen, wie groß "mein ökologischer Rucksack" wirklich ist. Um eine persönliche Bilanz zum direkten und indirekten Treibhausgasausstoß zu erstellen, nutze ich den CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes. Mitunter geht es richtig ans Eingemachte. Selbst mein Gewicht, meine Jahreskilometer mit dem Fahrrad, wie häufig ich Tiefkühlprodukte kaufe und wie viele Nächte ich im Hotel geschlafen habe, muss ich eingeben. Schnell wird klar: "Der Klimaschutz macht keine Ferien."

Verkehr wunder Punkt: Beim Thema "Mobilität" liege ich rund anderthalb Tonnen über dem deutschen Durchschnitt. Ja, ich komme jedes Jahr auf eine Flugreise. Mir ist aufgefallen, dass ich mir meine Urlaubsziele der vergangenen zehn Jahre strategisch gesucht habe. Denn in acht von zehn Fällen habe ich Familie oder Freunde im Ausland besucht – weil meinen Bekannten dort ein Semester verbracht haben oder in der Ferne arbeiten. Meine gesamte Familie wohnt außerhalb von Celle. Das heißt, ich muss mich immer stundenlang in den Zug oder ins Auto setzen, um Eltern und Großeltern zu sehen. Auch die Freunde sind fast über ganz Deutschland verstreut. Da ich seit elf Jahren schon eine Bahncard habe und bei jeder Reise hin- und herüberlege, womit ich fahre, sehe ich hier nicht wirklich viel Einsparpotenzial.

Zwei Tonnen überm Schnitt: Beim Thema Heizen sehe ich dagegen mehr Möglichkeiten, von meinem mehr als zwei Tonnen großen Defizit herunterzukommen. Das Krasse: Vor unserem Umzug nach Celle lag mein CO₂-Abdruck noch unter dem deutschen Durchschnitt. In Hannover habe ich mit meinem Mann in einer energetisch sanierten Wohnung gelebt. Die Fenster hatten Dreifachverglasung, die Sonne schien häufig direkt ins Wohnzimmer, die Nachbarn heizten rundherum für uns mit. In Celle wohnen wir in einer schönen, aber größeren Altbauwohnung unter dem Dach, die Öl-Heizung hat schon einige Jährchen auf dem Buckel. Allerdings sind die veranschlagten 3,9 Tonnen durch das Heizen nur eine Hochrechnung. Der Energieausweis des Gebäudes hat uns eigentlich gewarnt. Gewissheit gibt erst die nächste Nebenkostenabrechnung.

Stromsparfüchse: Dafür hat sich nach dem Umzug der Kühlschrank verkleinert und wir können nun unsere Wäsche auf dem Dachboden aufhängen. Auch dadurch konnten wir Stromsparfüchse bei der Abrechnung im Vergleich zum deutschen Durchschnitt eine Dreiviertel-Tonne CO₂ gutmachen. Doch wie sagte Celles Klimaschutzbeauftragter Volker Krüger so schön: "Wir reden viel darüber, Strom zu sparen, dabei sollten wir mehr über das Thema Wärme sprechen." Das sehe ich nun deutlich in meiner persönlichen CO₂-Bilanz
.

Auf zum Klimatarier: Das Thema Ernährung wird zwar immer wieder heiß diskutiert. Bio oder billig? Wie viel Fleisch darf es in der Woche sein? Doch fallen meine Leibspeisen und die des Durchschnittsdeutschen bei der Berechnung gar nicht so ins Gewicht. Jedoch habe ich nach dem Blick ins Klima-Kochbuch noch mehr Respekt vor Veganern. Denn als Klimatarierin sollte ich nicht nur auf Fleisch, sondern öfter auch auf Milchprodukte verzichten.

Größter Posten: Am meisten macht der Konsum in der Bilanz aus. In Zukunft will ich daher mehr auf die Langlebigkeit von Kleidung achten und mehr gebrauchte Gegenstände nutzen. Denn inzwischen erzähle ich lieber, was ich alles schon mit meinem Rucksack erlebt habe, als über meine neueste Errungenschaft. Zwar werden beim CO₂-Rechner das Kaufverhalten und die Ausgaben abgefragt. Es wundert mich aber, dass Online-Shopping gar nicht vorkommt.

Plastik ausgespart: Auch das Thema Plastik spielt keine Rolle. Dabei dürfte es nun politisch interessant werden, da die Chinesen unseren Müll nicht mehr verbrennen wollen. Eine Cellerin hat sich bei mir gemeldet, die ihre Einkäufe vom Wochenmarkt immer in mitgebrachten Gefäßen verpackt. Der Landkreis Celle bestätigt, dass es im Ermessen des Verkäufers liegt, ob er Gläser und Dosen befüllen möchte.

Aktiv werden: Viele gute Tipps gab mir Claus Stahl. Er empfiehlt Mitgliedschaften in klimaschützenden Organisationen und die Teilnahme an Unterschriften-Sammlungen. Und tatsächlich fragt der CO₂-Rechner
nach meiner politischen Einstellung, um mein CO₂-Szenario zu skizzieren. Zudem rät mir Stahl, meine Flugreisen zum Beispiel über "Atmosfair" zu kompensieren. Soll ich mich also von meinen Sünden freikaufen? Zumindest würde davon ein Klimaschutzprojekt in Entwicklungsländern profitieren.

Ermitteln Sie Ihren eigenen "ökologischen Rucksack" mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes unter www.uba.co2-rechner.de

Das komplette Klima-Tagebuch als Multimedia-Reportage finden Sie unter "Mein ökologischer Rucksack"

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