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Celle Stadt "Darüber reden" in Celle mit glaubhafter Intensität aufgeführt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Darüber reden" in Celle mit glaubhafter Intensität aufgeführt
08:15 05.12.2016
von links: Felix Meyer als „Stuart“ und Thomas Wenzel als „Oliver“ Quelle: Sarah Pertermann
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Regisseur Winzen inszeniert das Kammerstück zurückhaltend und unaufdringlich mit Anspielungen, die alle verstehen, und mit Dialogen, die man nicht nur vom Stammtisch kennt. Die Frau, um die sich alles dreht, heißt Gillian. Aber anders als im Roman spielt sie im Stück nicht mit. Ihre Rolle ist gestrichen.

Und das ist gut so, denn es kommt auf sie gar nicht an. In der Schauspielfassung würde sie ablenken und die langjährige, tiefe Freundschaft zwischen Stuart (Felix Meyer) und Oliver (Thomas Wenzel) nur stören. So gut sich beide Männer auch verstehen, sie haben ein gemeinsames Problem: sie lieben dieselbe Frau. Darüber muss man dringend reden. Das Publikum beziehen sie zur Bestätigung ihrer Argumente immer wieder mit ein.

Ob die Freundschaft der beiden Männer eine solche Belastung aushält oder daran zerbricht, führt zu Dialogen voller Ernst und Komik. Sie sind frech, witzig, traurig und widersprüchlich und über 75 Minuten überaus unterhaltsam. Da ist der biedere, unerfahrene und unbeholfene Bankangestellte Stuart ohne nennenswerte Erfolge bei Frauen; dennoch ist es ihm gelungen, Gillian zu heiraten. Aber just an ihrem Hochzeitstag merkt Oliver, ein Lebemann und Frauenheld, oberflächlich und immer in Geldnöten, dass er sich unsterblich in Gillian verliebt hat. Er unternimmt alles, um sie für sich zu gewinnen und spannt schließlich seinem Freund die Frau aus.

Felix Meyer und Thomas Wenzel gestalten das mit einer glaubhaften Intensität, die packt. Im Publikum entwickeln sich ausgeprägte Sympathien und Antipathien für ihre Figuren auch über das Stück hinaus. Ein nachhaltiges Stück mit zwei hervorragenden Schauspielern, die den langen Beifall am Schluss mehr als verdient hatten.

Von Hartmut Jakubowsky