Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt „Das Du hat sich bisher noch nicht ergeben“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Das Du hat sich bisher noch nicht ergeben“
15:32 30.01.2014
Von Christoph Zimmer
Beim Kamingespräch fühlten die CZ-Chefredakteure - Friederike Pfingsten (links) und Ralf Leineweber (Mitte) - den fünf Bundestagskandidaten Behiye Uca, Kirsten - Lühmann, Henning Otte, Ralf Überheim und Bernd - Ebeling (von links) auf den Zahn. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Für die Direktkandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien war das Kamingespräch der Celleschen Zeitung eine willkommene Abwechslung. Nicht nur aus kulinarischer Sicht im anstrengenden, entbehrungsreichen Wahlkampf. Bei Grissini mit Schinken, Rindercarpaccio, Tomatenbruschetta und eingelegten Paprika, Pinienkernen und Zucchini gewährten sie im Palaisgewölbe des Fürstenhofes einen Einblick in ihre Gefühlswelt vor dem Wahlsonntag. Abseits der staatstragenden Wahlkampf-Debatten.

Bernd Ebeling von den Grünen berichtete zum Beispiel, dass er den vergangenen Sonntag in Bad Bevensen nicht ausschließlich für Wahlkampf genutzt hat. „Vorher war ich mit meinem Sohn noch auf dem Flohmarkt“, so der 47 Jahre alte Bauingenieur aus Uelzen. „Diese Momente sind im Wahlkampf ganz wichtig.“ Nach der Wahl geht es erst einmal ein paar Tage in den Urlaub an die Ostsee. „Da werde ich die ganzen Eindrücke und Erlebnisse der letzten Wochen sacken lassen.“

Behiye Uca von den Linken verbrachte den vergangenen Sonntag ebenfalls mit ihrem Sohn. Allerdings verteilten beide fleißig Flyer in der Stadt. „Es ist fantastisch, wie er mich unterstützt“, sagte die 42 Jahre alte Einzelhandelskauffrau aus Celle, „die Familie gibt mir die Kraft, die ich für den Wahlkampf brauche.“ Auch sie will nach dem Sonntag in den Urlaub fahren. Es wäre der erste für sie seit mehr als 15 Jahren.

Ist den Kindern vielleicht peinlich, dass Muter oder Vater bei der Wahl antreten und die ganze Stadt mit Plakaten von ihnen gepflastert ist? „Nein“, sagte Ralf Überheim von der FDP entschieden. Sein ältester Sohn sah sich sogar die CZ-Podiumsdiskussion am vergangenen Mittwoch an. Und sein Fazit? „Er ist nicht richtig mit der Sprache herausgerückt“, scherzte der 52 Jahre alte Zahntechnikermeister aus Papenhorst. Wirklich nicht? „Gut, er hat mich in der Mitte gesehen.“

Kirsten Lühmann (SPD) und Henning Otte (CDU) sitzen schon im aktuellen Bundestag. Aber es gibt noch etwas, was die 49 Jahre alte Hermannsburgerin und den 44 Jahre alten Everser verbindet – ihre Leidenschaft fürs Laufen. Sind sie schon einmal zusammen gelaufen? Dabei könnte man doch über eine Große Koalition sprechen? „Das hat sich bisher noch nicht ergeben“, sagte Lühmann und meinte die gemeinsame Laufeinheit. Otte hält sich in Berlin beim FC Bundestag fit, einer Fußballmannschaft, die sich aus aktuellen und ehemaligen Mitgliedern und Angestellten des Deutschen Bundestags zusammensetzt. „Sie sind herzlich eingeladen, einmal in der Woche mit uns zu trainieren“, sagte er in Richtung Lühmann, die charmant ablehnte: „Meine Stärke ist das Sperren ohne Ball – und das ist leider nicht erlaubt. Wenn sie also weiter erfolgreich spielen möchten, laden Sie mich bitte nicht ein.“

In entspannter Atmosphäre beantworteten die fünf Bundestagskandidaten die Fragen der Chefredakteure Friederike Pfingsten und Ralf Leineweber. Unter anderem wusste Otte zu berichten, dass er in diesem Wahlkampf rund 7500 Kilometer mit dem Auto im Wahlkreis zwischen Celle und Uelzen unterwegs gewesen sei.

Auffällig: Alle Kandidaten duzten sich – mit Ausnahme von Lühmann und Otte. „Ich schätze sie sehr, aber bisher hat sich das noch nicht so ergeben“, so Otte. Dabei sitzen die Celler Abgeordneten durchaus schon mal bei einem Schützenfest im Landkreis nebeneinander, klatschen und schunkeln im Takt. „Wenn man für einen längeren Zeitraum zusammen ist, ergibt sich das irgendwann automatisch. Und wenn Sie mich mal für fünf Tage nach Afghanistan mitnehmen, wird sich das vielleicht auch ergeben“, meinte Lühmann in Richtung des stellvertretenden verteidigungspolitischen Sprechers von CDU/CSU. Also doch Große Koalition?