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Celle Stadt Das Eisdielen-Paradoxon in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Das Eisdielen-Paradoxon in Celle
18:29 29.08.2017
Bei fast 30 Grad Celsius genießt Thomas Knorr seinen Eisbecher mit frischen Früchten und Sahne an der Hehlentorstraße. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Endlich Sommer, dachten sich viele Celler gestern und nutzten die Sonnenstunden zum Eisessen, Relaxen oder für einen Freibadbesuch. Das Thermometer erreichte 28 Grad Celsius, heute wird die 30-Grad-Marke überschritten. Dazu werden allerdings am Abend Gewitterwolken erwartet. Von Hitzefrei waren die Schüler dieses Jahr meilenweit entfernt. Urlaub in der Sonne war meist der einzige Ausweg, um noch ein bisschen ins Sommer-Feeling zu kommen. Doch was ist mit den Menschen, die ihren Sommer in Celle verbracht haben?

Für alle Motorradfahrer sei das das milde Wetter ideal gewesen, erzählt Ina Vogler. Die 21-Jährige genießt auf einer Bank im Französischen Garten die Sonnenstrahlen. Sie musste diesen Sommer zwar auf Urlaub verzichten, aber dafür schwang sie sich in ihrer Freizeit aufs Motorrad. „Bei den niedrigeren Temperaturen hält man es auch in der Lederkombi gut aus“, betont Vogler.

Ganz Hartgesottene hat es trotz des unsommerlichen Wetters ins Freibad verschlagen. „Bei Sonne und ab 20 Grad lohnt es sich schon schwimmen zu gehen“, sagt Fabian Schlüter. Der 19-Jährige und seine Freundin Ines Garner verbringen zusammen die Pause im Französischen Garten. Auch in diesem Jahr sind sie häufig ins Freibad gegangen. Die beiden zählen jedoch zu den wenigen Mutigen, die sich ins kühle Wasser getraut haben.

Für das Celler Badeland war es die schlechteste Saison der vergangenen zehn Jahre. Badelandleiter Matthias Gaupp rechnet mit einem Defizit von etwa 17.000 Besuchern im Vergleich zum Vorjahr. Dabei war schon der Sommer 2016 durchwachsen. Große Probleme bereitete auch 2017 das unbeständige Wetter für, das für extreme Schwankungen der Besucherzahlen sorgte. Während am 19. Juli in den Sommerferien noch 2000 Gäste das Bad besuchten, waren es am Tag darauf nur noch 130 Gäste. Besonders schwierig sei die Personalplanung, da das Personal quasi sofort verfügbar sein müsse, so Gaupp. Celler, die noch Nachholbedarf haben, haben noch bis zum Sonntag, 10. September, Zeit, ihre Bahnen im Freibad an der 77er Straße zu ziehen.

Angesichts der mageren Besucherzahlen des Freibads könnte man meinen, dass auch Eisdielen die Auswirkungen des verregneten Sommer zu spüren bekommen hätten. Das war aber gar nicht der Fall, bestätigt Franziska Deutgen, Chefin des Eisladens Freezie an der Hehlentorstraße. „Gerade weil die Leute nicht so viel ins Freibad gehen, wird mehr Eis in der Stadt gegessen.“ Besonders gut verkauft sich Frozen Yoghurt mit frischen Früchten, wie beispielsweise Mangos, Erdbeeren und Melone. „Unsere Früchte holen wir jeden Tag frisch vom Obstladen unseres Vertrauens“, betont Deutgen.

Claudio Visentin vom Eiscafé Venezia an der Mauernstraße hätte sich auch über besseres Wetter gefreut. Trotzdem verkaufte er etliche Liter Eis – sogar mehr als im Vorjahr. „Durch die Veranstaltungen zum 725. Geburtstag der Stadt Celle hatten wir in diesem Jahr besonders viele Touristen hier“, so Visentin. An einem Tag verkauft die Eisdiele etwa 150 Liter Fruchteis und 350 Liter Milcheis. Vor allem die Eissorten mit Joghurt und Quark verkaufen sich gut.

Auch das Café Müller am Französischen Garten kann sich nicht beschweren. „Bis auf wenige Ausnahmen lief die Eis-Saison bisher sehr gut“, berichtet Inhaber Christoph Müller. Da das Café sein Eis selbst produziert, hätte man auch Schwankungen im Bedarf gut ausgleichen können. An den wenigen sonnigen Tagen sei die Nachfrage besonders hoch und die Klassiker Erdbeere, Schokolade und Vanille seien immer ganz vorn mit dabei.

Von Jana Fürste, Lisa Felgendreff, Stefan Zutz