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Celle Stadt „Das Rind ist ein arktischer Typ“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Das Rind ist ein arktischer Typ“
17:06 16.02.2010
Pferde im Winter auf der Weide bei Garßen Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Anhaltende Minusgrade und teilweise sind Nutztiere wie Pferde, Schweine oder Rinder in offenen Ställen oder dauerhaft im Freien untergebracht. Mancher Celler fragt sich, ob das den Tieren nicht schadet. Prinzipiell ist die Kälte aber kein Problem, wie Kreisveterinär Heiko Wessel bestätigt. Wichtig ist nur dass die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

„Das Rind ist ein arktischer Typ“, sagt Heiko Wessel mit einem Lachen. „Schon meine alten Hochschullehrer prägten den Spruch. Im Grunde meint er, dass sich die Tiere bei kalten Temperaturen eher wohlfühlen als im Sommer.“ Die passende Erklärung liefert der Tiermediziner gleich mit. „Das Verdauungssystem von Rindern ist vereinfacht so angelegt, dass es funktioniert wie ein Komposthaufen. Bei der Futterverwertung fällt als Nebenprodukt auch Hitze ab. Den Tieren sitzt also quasi noch eine Wärmequelle im Bauch.“

Generell sind Tiere wie Rind, Pferd, Schaf oder Ziege optimal an die Kälte angepasst. „Das Fell ist auch bei den meisten Zuchttieren absolut wintertauglich“, sagt Wessel. „Anders als Wildtiere haben die sogar nicht mal das Problem der Nahrungssuche.“ Tierhalter müssten bei frostigen Temperaturen einzig für eine adäquate Zufütterung sorgen und ausreichend Wasser bereitstellen. Wessel: „In diesem Punkt gab es einige Fälle, wo wir Nachbesserungen fordern mussten, aber nirgendwo gab es etwas Dramatisches.“

Selbst eine Schneeschicht auf dem Fell mancher Tiere sei im Grunde kein Alarmsignal. „Das zeigt sogar sehr gut, wie stark das Fell isolieren kann“, erklärt der Kreisveterinär. Bei kompletter Freilandhaltung muss den Tieren aufgrund von tierschutzrechtlichen Bestimmungen ein Witterungsschutz gewährt werden. Als Rückzugsmöglichkeit sollte ein Unterstand mit trockener Liegefläche und mindestens zwei geschlossenen Seiten vorgehalten werden.

„Die größten Probleme haben Tiere meist bei feuchter Kälte um Null grad. Dann bietet das Fell weniger Schutz. Im Unterstand können sie sich dann zurückziehen“, sagt Wessel. „Bei Jungtieren und Frischgeborenen besteht natürlich eine höhere Gefahr der Auskühlung“, so der Veterinär. „Zum Ablammen werden Herden daher eher in Ställen gehalten, wo man sie besser kontrollieren kann. Sobald das Fell aber trocken ist, geht es statt der Kälte in erster Linie darum, dass die Tiere die richtige Nahrung haben.“

Von Björn Schlüter