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Celle Stadt Das Wort zum Sonntag: Das Goldene Tor in Jerusalem
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Das Wort zum Sonntag: Das Goldene Tor in Jerusalem
15:42 13.08.2010
Celle Stadt

Ein solcher Ort ist das Goldene Tor an der östlichen Altstadtmauer von Jerusalem. Himmel und Erde, Diesseits und Jenseits, Vergangenheit und Zukunft kommen hier zusammen.

Das Goldene Tor stammt aus arabisch-omaijadischer Zeit, ist also viel jünger als die Stadtmaueranlage zur Zeit Jesu. Archäologen gehen sogar davon aus, dass es zu Jesu Zeiten auf der Ostseite des Tempelplateaus noch gar kein Tor gegeben hatte. Der Einzug Jesu auf einem Esel – flankiert von Hosianna-rufenden Kindern – kann daher nicht durch dieses Tor stattgefunden haben.

Warum das Tor »Goldenes« heißt? Darüber haben Historiker unterschiedlichster Zeiten unterschiedlichste Thesen aufgestellt. Keine davon kann bis heute überzeugen. Doch das aller Verrückteste ist, dass man durch das Goldene Tor gar nicht durchkommt. Es ist total zugemauert. Wann das geschah? Auch darüber kann man nur rätseln: „Es scheint, dass das Tor zu einer nicht näher bestimmbaren Zeit nach dem 15. Jahrhundert definitiv verschlossen und zugemauert wurde.“ – so übervorsichtig drückt sich ein seriöser Forscher aus (Max Küchler).

In den drei monotheistischen Religionen, die sich auf den Stammvater Abraham berufen, also Judentum, Christentum und Islam, hat das Goldene Tor für die Endzeiterwartungen eine besondere Bedeutung gewonnen. Es wird erwartet, dass dieses vermauerte Tor eines Tages geöffnet wird, damit die Herrlichkeit Gottes bzw. Jesus Christus dort einziehen können. Diese Erwartungen stehen nicht in der Bibel oder im Koran, sie sind erst später entstanden. Trotzdem zielen sie auf eines: Man sehnt sich nach einem endgültigen und stabilen, von Gott verwirklichten Frieden. Davon ist das Heilige Land momentan weit entfernt. Die drei großen Religionen werden leider Gottes oft für menschliche Machtinteressen missbraucht. Terroristen treten im Namen des Islam auf, im Namen des Christentums wurde ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg geführt, im Namen des Judentums findet eine Besatzungs- und Unterdrückungspolitik statt.

Es ist höchste Zeit, dass die drei monotheistischen Religionen sich in Jerusalem ihrer gemeinsamen Traditionen bewusst werden. Das Goldene Tor mit seinen Überlieferungen könnte dazu beitragen. Ein sympathischer Träumer sagte mir mal: „Was wäre die Öffnung des Goldenen Tores nicht für ein grandioses, geschichtsträchtiges und in die Zukunft weisendes Zeichen!“

Peter Söllner

Concordia-Gemeinde

Evangelisch-Lutherische

Freikirche in Celle

Von Peter Söllner