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Celle Stadt Das Wort zum Sonntag Mündige Bürgerinnen und Bürger
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Das Wort zum Sonntag Mündige Bürgerinnen und Bürger
15:11 05.11.2010
Celle Stadt

Das sieht heute anders aus. Entsprechend hat sich der Protest dagegen verstärkt, Gorleben politisch einfach als Endlager zu bevorzugen, ohne irgendeine Alternative zu prüfen. Wenn ich etwas „ergebnisoffen“ prüfe, muss ich auch Alternativen haben. Die haben die Verantwortlichen nicht.

Und dagegen stehen die Bürgerinnen und Bürger auf, entschiedener als noch vor Jahren. Sie machen sich schlau, bilden sich eine Meinung zu Stuttgart 21, zu Gorleben, zu Afghanistan und was der anstehenden Fragen mehr sind. Und sie äußern ihre Meinung – wenn es sein muss – auch auf der Straße.

In solcher Mündigkeit steckt der Geist des Reformationstages, der Geist gegen die Bevormundung durch eine wie auch immer geartete Obrigkeit, der Geist, der nach Freiheit und Gerechtigkeit strebt, der Geist, der die Schöpfung bewahren will, der nicht vor der Atomlobby einknickt wie unsere gegenwärtige Regierung. Menschen, die dieses Geistes Kinder sind, wissen, dass der Salzstock Gorleben den strahlenden Müll nicht sicher verwahren kann, Gasvorkommen unter dem Salzstock, möglicherweise eindringendes Wasser, all das macht dieses „Endlager“ unsicher.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat sich energisch gegen die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ausgesprochen. Und weil man auch andere Folgen nicht abschätzen kann, sei die ganze Atomtechnologie „kaum zu verantworten“. Und CDU-Abgeordnete wie Norbert Lammert, der Bundestagspräsident, fühlen sich von der Regierung mit ihrer raschen Entscheidung zugunsten der Atomkonzerne überrollt. Die Entscheidung bringt immerhin circa 4800 Tonnen mehr radioaktiven Müll, das macht rund 500 zusätzliche Castor-Behälter. Das hätte sorgfältiger bedacht werden müssen.

Für dieses Wochenende bleibt zu hoffen, dass die Gewalt bei allen Beteiligten zu minimieren ist – auch unter den Polizisten, die nur ihre Pflicht tun, gibt es Mütter und Väter, die an die Zukunft ihrer Kinder denken und die gegen die Atomkraft sind, ganz sicher! Vor allem aber zeigen die „mündigen Bürger“, dass sie ihren Protest zwar mit Fug und Recht äußern, dass sie aber auch das rechte Maß für ihre Ziele finden können. Die neue Verantwortung im Land wächst von unten.

Otmar Schulz

Theologe und Journalist, Papenhorst

Von Otmar Schulz