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Celle Stadt Das Wunder des Wortes: „Königin Schrift“ in der Schlosskapelle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Das Wunder des Wortes: „Königin Schrift“ in der Schlosskapelle
18:21 14.11.2017
Juliane Schmieglitz-Otten und Felix Meyer luden in der Gotischen Halle des Celler Schlosses zum Ausstellungsgespräch „Das Wunder des Wortes“. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

„Sola scriptura“ – allein das geschriebene Wort in der Bibel ließ Luther als Basis und Quelle des christlichen Glaubens gelten. „Schrift und Wort waren es“, so die Kuratorin, „die damals so tief und ernsthaft diskutiert wurden und den Ausschlag der Reformationsbewegung gaben“. Als Ausdruck von Frömmigkeit, als Bekenntnis zum reformatorischen Glaubens und natürlich auch als Präsentation herrschaftlichen Glanzes spiegle die Celler Schlosskapelle diese Manifestation vielfach wider.

„Die mehr als 80 Bilder, 30 Sandstein-Reliefs und 120 Schrifttafeln mit Bibelzitaten stellen auch dies unter Beweis – und führen die Behauptung, die Reformation sei bilderfeindlich, ad absurdum“, so Schmieglitz-Otten. Ein Teilzitat Luthers: Die ganze Bibel sollte in- und aus-„wändig“ an alle Häuser der Stadt gemalt werden, um das Wort Gottes den Menschen nahezubringen. „Die Bilder transportierten den Inhalt – die Heilige Schrift – ganz natürlich und direkt in die Köpfe und weiter in die Herzen. Davon ging Luther aus. Denn viele Menschen konnten nicht lesen und sollten über die Bildersprache von der christlichen Lehre erfahren“, erzählt sie.

In zahlreichen Beispielen bekamen die Zuhörer und Zuschauer an diesem Vortrags-Abend vor Augen und Ohren geführt, wie viele Stellen in der Schlosskapelle von geschriebenen, aber auch illustrierten Bibelstellen zeugen. Selbst die Bibel als Buch wird in vielen Bildern optisch wiedergegeben. Aber nicht nur das Bildmaterial gibt die Wichtigkeit der Schrift und des Wortes im reformierten Glauben wieder. Die Kuratorin machte deutlich, dass schon im Aufbau und in der Einrichtung der Kapelle der „Königin Schrift“ größte Bedeutung und Anerkennung beigemessen wurde. Die Erhöhung und Positionierung der Kanzel (als Ort der Verkündung und der Wiedergabe des Wortes) direkt gegenüber dem Sitz des Herzogs, das Naherücken der Gläubigen an den Altar ohne Lettner und die Schaffung von Sitzplätzen bis in die Emporen hinauf – all das zeuge von dem Selbstverständnis, dass alle Menschen im Glauben gleich sind und keiner klerikalen Auslegungen, Hierarchien und Interpretationen bedürfen.

Die barocke Schlosskapelle – als wahres Kleinod in ihrem Ausstattungsreichtum und der Ausprägung als Gotteshauses der Reformation – ist heute zum Schutz nicht mehr allgemein zugänglich und war deshalb über große Fotoflächen in die Gotische Halle transformiert worden. Dort hatten Besucher ausführlich die Möglichkeit, sich in Ruhe und gleich mehrmals diese prachtvolle Fülle anzusehen, ja im Detail heranzuholen.

Von Doris Hennies