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Celle Stadt Dave Davis in Celle: Über ausgetretene Pfade hinaus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Dave Davis in Celle: Über ausgetretene Pfade hinaus
14:48 20.12.2016
In Celle bekommt das Publikum den neuen, politischambitionierten - Dave Daviszu sehen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Gibt es eine personifizierte Trennung zwischen Deutschen und Ausländern? Davis spielt ausgesprochen feinsinnig, aber deutlich mit dieser Frage. „Ich bin der offensichtlichste Ausländer, den man sich vorstellen kann“, sagt er und verweist auf seine Vita. Seine Eltern kommen aus Afrika, er ist in Griechenland aufgewachsen und dann nach Deutschland gekommen. Im Alter von 18 Jahren wurde er schließlich eingebürgert. Er ist einer der mahnt und anprangert, aber auch Wege zeigen will, wie es im Zusammenleben anders und besser geht.

Comedian oder Kabarettist – da will sich Davis nicht festlegen lassen. Offensichtlich aber ist, dass er sich von seiner (aus Auftritten und Fernsehen bekannten) Figur des naiven Toilettenmanns mit Schutzhäubchen auf dem Kopf emanzipiert hat. In Celle bekommt das Publikum den neuen, deutlich politisch ambitionierten „Köl´schen Jung mit black fööss“, wie er sich nennt, zu sehen und zu hören – mit seinem aktuellen Programm „Blackomio“.

„Mein Humor ist ziemlich schwarz“, sagt Davis und warnt auch gleich vor kurzen Abrutschern unter die Gürtellinie. „Limbo-Witze“ nennt er sie. Seine Gürtellinie liegt, gemessen an anderen, allerdings etwa in Brusthöhe und sein Herz schlägt „eindeutig für ein Deutschland, so wie es sein sollte“. Seine „political correctness“, um die er bemüht sei, kommt deutlich durch – selbst im spielerischen Umgang mit sich als „braunen Mann“ und fiktiven, konservativen Standpunkten, die er im Stile eines Diktators darlegt.

Davis spricht vom schlechten Einfluss des überzogenen Kapitalismus – von „Status-Geländewagen für die flache Stadt, Rolex mit 300 Meter Tauchgarantie ohne das Seepferdchen zu haben …“. Er kritisiert das Jung-Dynamisch-Erfolgreich-Diktat von Mode und Lifestyle. Er warnt vor Fremdenhass und falschen, aufhetzenden Parolen. „Migration gab es schon immer. Und was wünschen sich Flüchtlinge eigentlich: Einfach eine Zukunft, gerade für ihre Kinder (die sie in ihrem Land nicht haben)“, sagt er mit ernster Stimme. „Uns geht es hier gut. Und ich mag Merkels Satz „wir schaffen das“. Wenn das Warum gut, wichtig und ehrenwert sei, brauche man über das Wie nicht schwarzmalerisch zu diskutieren. Anpacken, mal locker lassen, sich selbst wertschätzen, hinschauen und genießen was man hat, statt in vermeintlichen Defiziten zu schwelgen und zu fokussieren was man nicht habe (oder eventuell verlieren könnte), sagt er gesellschaftskritisch.

Davis Tipp für die Zuhörer: „Denkt afrikanisch.“ So wie sein Großvater, ein Schamane, der ihn davon überzeugt habe, dass „jeder Mensch von Geburt an schon alles in sich hat, was er braucht, um glücklich und gut zu leben“, sagt er. „Man muss seine Gaben und Talente nur sehen und nutzen. Und traut euch über ausgetretene Pfade und Denkmuster hinaus, macht bekloppte Dinge.“

Von Doris Hennies