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Celle Stadt Debatte um Mindestlohn: Taxipreise in Celle bald 25 Prozent teurer?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Debatte um Mindestlohn: Taxipreise in Celle bald 25 Prozent teurer?
17:22 21.02.2014
Von Christopher Menge
Stadt und Landkreis Celle werden sich bald mit höheren Taxitarifen auseinandersetzen, wenn der Mindestlohn eingeführt wird. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Ilse Werner fährt mehrmals in der Woche mit dem Taxi. Seit die 87-jährige Cellerin selbst kein Auto mehr fährt, muss sie sich zum Einkaufen oder zum Arzt chauffieren lassen. „Dafür geht eine Menge Geld meiner kleiner Rente drauf“, sagt Werner. Schon bald werden wohl noch höhere Kosten auf die Seniorin zukommen. „Ein bundesweites Gutachten geht von 20 bis 25 Prozent mehr Kosten durch den Mindestlohn aus“, sagt Martin Fündeling, Geschäftsführer der Taxen-Funk-Ruf GmbH in Celle.

Zurzeit erhalten Taxifahrer eine umsatzbezogene Entlohnung. Der Stundenlohn liegt ungefähr zwischen fünf und 6,80 Euro. Dazu kommen Trinkgelder. Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde müssten die Taxipreise also deutlich steigen. Ein Fahrer, der 150 Euro Umsatz in einer Zehn-Stunden-Schicht macht, müsste beispielsweise 40 Euro mehr einnehmen, um seinen höheren Verdienst reinzufahren. „Der Mindestlohn stellt die Wirtschaftlichkeit gesamter Unternehmen in Frage“, warnt Fündeling, „das stellt die vergangenen 40 Jahre auf den Kopf.“

Er geht davon aus, dass sich einige Celler Taxi-Unternehmen von den schwächeren Fahrern trennen werden, wenn der Mindestlohn kommt. „Einige Unternehmen werden auch ganz auf der Strecke bleiben“, sagt Fündeling, „dann ständen auch Arbeitsplätze in den Zentralen zur Disposition.“

Durch Einführung des Mindestlohns kommt auf die Unternehmen aber noch ein weiteres Problem zu. Die Taxitarife werden nicht von ihnen selbst, sondern von der Stadt und dem Landkreis Celle festgesetzt. „Selbst, wenn wir über den Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) einen Antrag stellen, weiß man nicht, ob der Rat diesen genehmigt“, sagt Fündeling, „wenn die Kommunalpolitik nicht mitzieht, können wir die Unternehmen alle beerdigen.“

Da das Verfahren außerdem zwischen fünf und neun Monaten dauert, wird die Zeit bis zum 1. Januar schon sehr knapp. Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband pocht daher auf eine Übergangsregelung. „Ohne diesen Aufschub ständen die Unternehmen vor dem Aus“, heißt es in einer Pressemitteilung. Darauf hofft auch Fündeling. „Es wäre gut, wenn wir erst ab 2017 betroffen wären“, so der Geschäftsführer. Doch das ändert nichts daran, dass die Kunden schließlich die Mehrkosten tragen müssen.