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Celle Stadt Demenz: Pflege an Grenze gestoßen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Demenz: Pflege an Grenze gestoßen
14:06 29.09.2013
Von Gunther Meinrenken
An den Infoständen  Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Gewichtsabnahme und zu geringe Flüssigkeitsaufnahme – das sind mit die gravierendsten gesundheitlichen Begleiterscheinungen bei Demenzkranken. So wundert es nicht, dass der Vortrag "Welche Rolle spielt die Ernährung?", den Dr. Inge Matthaei am vergangenen Sonnabend beim Celler Aktionstag Demenz hielt, auf großes Interesse insbesondere bei Angehörigen und Pflegekräften stieß. Die Ernährungsexpertin zeigte in der Alten Exerzierhalle Wege auf, wie man die Betroffenen zum Essen und Trinken bewegen kann. Ihr Credo: Man soll keinen Zwang ausüben.

Bei der gut besuchten Veranstaltung, die die Celler Demenz Initiative (CDI) organisiert hat, gehörten Matthaeis Ausführungen zu einer Reihe von Vorträgen, die sich mit der Vorbeugung der Krankheit beschäftigten. Darüber hinaus wurden „Gedächtnistraining und Bewegung“ sowie Kommunikationsmöglichkeiten mit Hilfe der Musik dargestellt.

Die Prävention aus medizinischer Sicht beleuchteten die beiden AKH-Chefärzte und Vorstandsmitglieder der CDI, Professor Dr. Wolfgang Heide und Professor Dr. Hans-Joachim Naurath. Ernüchternde Erkenntnis ihres Vortrags. "Impfung, Antikörper, Medikamente – all das sind verheißungsvolle Ansätze gewesen, die bisher unterm Strich nichts gebracht haben", erklärte Heide.

Er bemängelte den zu geringen Einsatz für die Erforschung der Krankheit, die in keinem Verhältnis zu den Milliardenkosten stehe, die durch Demenz verursacht werden. Dabei sei die Pflege schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. "In 30 Jahren wird sich die Anzahl der Erkrankten verdoppelt haben", so Heide.

An zahlreichen Infoständen informierten sich die Besucher der Veranstaltung in den Pausen über Angebote aus der Region. Diese Gelegenheit nutzte auch Dieter Siebert. Der 67-Jährige arbeitet ehrenamtlich in der Tagespflege des Arbeiter-Samariter-Bundes, versucht dort, mit musikalischer Unterhaltung verbunden mit Bewegung die Betroffenen "herauszulocken". "Die Veranstaltung gefällt mir sehr gut. Hier kann man sich wichtige Anregungen holen", sagte Siebert.

Bereits am Freitagabend war der Demenz Aktionstag mit der Vorführung des Films "An ihrer Seite" gestartet. Darin wird das Schicksal eines Ehepaares beleuchtet, bei dem die Frau an Demenz erkrankt ist. Im Anschluss sollte eigentlich noch diskutiert werden. Doch dazu kam es nicht. "Der Film war so beeindruckend, dass hinterher eine andächtige Stille im Publikum herrschte", berichtete CDI-Vorstandsmitglied Wolfram Beins.