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Celle Stadt Demut als Herrschertugend
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Demut als Herrschertugend
19:33 19.01.2014
Juliane Schmieglitz-Otten und Pastor Michael Stier referierten über Demut. Quelle: Benjamin Westhoff
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Auch in der vorerst letzten Veranstaltung der Reihe „Andächtig – Die Celler Schlosskapelle im Dialog“ boten Museumsleiterin Juliane Schmieglitz-Otten und Pastor Michael Stier dem Publikum wieder reizvolle Blicke auf die verborgenen Schätze der für die Öffentlichkeit aus konservatorischen Gründen nicht zugänglichen Kapelle. Unter dem Stichwort „Demut“ beleuchteten sie sowohl aus kunsthistorischer als auch aus theologischer Sicht diesmal die Botschaft der Bilder, die Herzog Wilhelm der Jüngere (1535-1592) in seiner Doppelrolle als Landesherr und Kirchenfürst seinerzeit für die Gestaltung der Kapelle in Auftrag gegeben hat: ein würdevoller Fürst als Geschöpf und Kind Gottes.

Demut bedeute, in die Knie zu gehen und respektvoll auch zu den „Kleinen“ aufzuschauen, wie die Referenten feststellten. Diesen der Selbstfindung des nicht unfehlbaren, aber frommen und stets reuevollen Herzogs zuzuschreibenden Charakterzug hat der bedeutende belgische Maler Marten de Vos (1532-1603) in den Darstellungen symbolträchtig festgehalten: Wilhelm begegnet seinen Untertanen respektvoll und fürsorglich, quasi als Gehilfe des immer im Hintergrund zu sehenden Jesus. Die Bilder haben dem Fürsten stets vor Augen geführt, welche Verantwortung er hat und was Gott demzufolge von seinem Amt fordert. Und der jeweils auf ihm ruhende Blick Jesu dürfte ihn wohl daran erinnert haben, dass er auf die Sündenvergebung ebenso existenziell angewiesen war wie seine Untertanen. Somit haben ihm „seine Bilder“ immer wieder zur eigenen Mahnung den moralischen Spiegel vorgehalten.

Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl