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Celle Stadt Der Bedeutung von Ornamenten an Celler Fachwerkhäusern auf der Spur
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Bedeutung von Ornamenten an Celler Fachwerkhäusern auf der Spur
21:28 03.09.2017
Andreas Behrens präsentiert in der Celler Schuhstraße seine Forschungsergebnisse. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Als Ruheständler hat Behrens vor fünf Jahren endlich Zeit gefunden und mit eigenen Forschungen begonnen. Dabei hat er insbesondere über die Treppenfriese und deren Zusammenhänge mit mittelalterlichen Lebensaltersstufen hochinteressante Erkenntnisse gewonnen, die er nun im Rahmen einer Ausstellung im eigenen Haus präsentiert, im seinerzeit (um 1537) ersten Celler Ärztehaus mit der alten Ratsbadestube Schuhstraße 27.

Zur Vernissage am Freitag, bei der das Leipziger Streicher-Duo Rebecca und Timothy Hopkins (Violine/Cello) für den musikalischen Rahmen sorgte, hatte er vor dem Haus eine Stellwand aufgestellt, auf der er beispielhafte Bild- und Fotodokumente zusammengestellt hatte. Aufmerksam folgten ihm die Augen und Ohren der rund 50 Gäste, als er seine Ergebnisse erläuterte. Wenn auch die dabei genannten Namen, Zahlen und Fakten ein hohes Maß an konzentrierter Aufmerksamkeit von den Zuhörern verlangten, so erzeugte er mit seinen Ausführungen doch eine enorme und bis zum Schluss anhaltende Spannung.

Behrens spannte den Bogen vom fünfstufigen gotischen Treppenfries (um 1480), wie er etwa in der Neuen Straße 32 zu sehen ist, zum siebenstufigen Renaissance-Treppenfries (um 1540) in der Mauernstraße 46. Er führte zunächst aus, wie „das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ nach Matthäus die fünfteiligen Lebensaltersstufen (Kindheit, Jugend, Lebensmitte, Alter und Greisenalter) zugrunde legt, die man in den in Celle häufig anzutreffenden gotischen Friesen wiederfindet.

Dann wandte er sich den siebenstufigen Treppenfriesen zu, die in Celle ab 1530 an den Fachwerkhäusern angebracht und – den sieben antiken Planetengottheiten und deren Einflussbereich zugeordnet – „recht pompös in den protestantischen Ständen eingeführt“ wurden. Der Wechsel habe vor allem mit der „Änderung der religiösen Weltanschauungen“ zu tun gehabt, erläuterte Behrens und verwies auf die Rolle der zeitlichen Ordnung innerhalb der Heilsgeschichte, in der nun das Erd- und Himmelsgeschehen die neue Ausrichtung bestimmte.

Neben umfangreichen Bild- und Textdokumenten zur Ornamentik zeigt die Ausstellung auch eine Sammlung von Holz- und Kupferstichen von Tonias Stimmer, Marten de Vos und Georg Pencz, die Bilder vom „Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ sowie „Die sieben Planetengottheiten und ihre Planetenkinder“ mit ihren jeweiligen Einflüssen zeigen und beschreiben.

Von Rolf-Dieter Diehl