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Celle Stadt „Der Lindenbaum“ als gesanglicher Höhepunkt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Der Lindenbaum“ als gesanglicher Höhepunkt
18:26 14.02.2010
Einen gelungenen Liederabend mit Schuberts"Winterreise" boten Edgar Schäfer (Gesang)und André Hammerschmied am Klavier. Aber nur wenige Zuhörer waren gekommen Foto: Jakubowsky Quelle: Hartmut Jakubowsky
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Von Hartmut Jakubowsky

CELLE. Auch dann nicht, wenn es sich um Franz Schuberts berühmtesten Liederzyklus der Romantik handelte mit all jenen schmerzlichen Seelenlagen, denen ein junger Mensch auf seiner Wanderung ausgesetzt sein kann. Schade, denn mit dem Tenor Edgar Schäfer, seit vielen Jahren festes Ensemblemitglied an der Staatsoper Hannover und mit dem Pianisten André Hammerstein, als freier Pianist und Dirigent mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, waren durchaus renommierte Künstler in Celle zu Gast, die sich nicht nur in der großen Oper oder im Konzert bestens auskennen, sondern auch dem Liedgesang mit allen seinen technischen und interpretatorischen Herausforderungen erstaunliche Nuancen abzugewinnen wissen.

Edgar Schäfer besitzt Erfahrung genug, um sich auf räumliche Gegebenheiten schnell einzustellen und sich in den Charakter der einzelnen Lieder ohne übertriebenes Pathos hinein zu singen. Er verfügt über eine wohlklingende, sehr sicher geführte und gefühlvoll ausgeprägte Stimme, die er überzeugend im Forte, aber eindrucksvoller noch in den zarten, außerordentlich weichen und doch stets tragenden Piani stilsicher einzusetzen weiß. Fähigkeiten, die es dem Sänger gestatten, sich ganz auf die Ausgestaltung der Texte und der Schubertschen Melodik zu konzentrieren – ruhig und schlicht, fast in feierlichem Adagio und in behutsamer Steigerung in der „Einsamkeit“ und mit frischem Optimismus in der „Post“. In stiller, Erinnerung und schlichter Schönheit erblühte „Der Lindenbaum“ und wurde zu einem gesanglichen Höhepunkt.

Hohe Empfindsamkeit und ein jederzeit farbenreiches Klavierspiel, das nicht nur begleitet, sondern auch fordert, zeichneten André Hammerschmied als Begleiter aus. Ein Partner, wie ihn sich ein Sänger mit sensibler Kantabilität nur wünschen kann. Trotz der wenigen besetzten Plätze ein mehr als nur gelungener Liederabend.

Von Hartmut Jakubowsky