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Celle Stadt Der Magiſtrat Celles wählte Otto Hattendorff am 10. November 1869 zum Bürgermeiſter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Magiſtrat Celles wählte Otto Hattendorff am 10. November 1869 zum Bürgermeiſter
03:42 07.08.2018
Das Foto zeigt - Otto Hattendorff und - seine Ehefrau Franziska. - Die Aufnahme wurde vermutlich um 1860 erstellt. Quelle: Bomann-Museum Celle
Celle

Otto Hattendorff, geboren am 12. Dezember 1820 in Hannover, war nach seiner juristischen Ausbildung zunächst von 1847 bis 1852 Stadt- und Stadtgerichtssekretär beim Celler Magistrat (Noch vor der Trennung von Justiz und Verwaltung war beides in einer Hand bei der Stadt.). Er erhielt am 21. April 1847 den „Bürgerbrief“ der Stadt Celle, der ihn 28 Reichsthaler, 13 Groschen, 27 Pfennige kostete. 1851 wurde er zum beisitzenden Richter bei dem am 28. August zusammen tretenden Schwurgerichtshofe ernannt.1

Im Zuge der Neuorganisation der Behörden 1852 wechselte Hattendorff in die Justiz, war zunächst Obergerichtsrat in Stade, bevor er 1867 Kronanwalt (heute Staatsanwalt) bei dem Obergericht in Meppen wurde.2 Anfang Oktober 1869 erschien in der „Zeitung für Norddeutschland“, Seite 3, ein „Vacanz Ausschreiben“ des Magistrats der Stadt Celle vom 21. September 1869: „Nach der nunmehr vollzogenen Vereinigung der Stadt Celle und deren Vorstädte soll mit der Wiederbesetzung der hiesigen Bürgermeisterstelle vorgeschritten werden“.3 Es gab eine Mehrzahl von Bewerbern aus Osnabrück, Dannenberg, Aachen, Königsberg, Potsdam und Buxtehude.4 Mit dem Schreiben vom 9. Oktober 1869 richtete Otto Hattendorff seinerseits ein „gehorsamstes Gesuch des Kronanwalts Otto Hattendorff zu Meppen“ an den Magistrat der Stadt Celle. Er nehme sich … die Freiheit, um die Verleihung des dortigen Bürgermeisters selbst ganz gehorsamst zu bitten.5

Es gibt mehrere Wahlgänge mit unterschiedlichen Ergebnissen. Schließlich am 10. November 1869 wählt der Magistrat Otto Hattendorff einstimmig zum Bürgermeister.6 Der Königliche Landdrost, Graf Eulenburg, bestätigt die Wahl am 10. Januar 1870.7 Er ist es auch, der Otto Hattendorff am 7. Februar 1870 selbst in das neue Amt einführt.

Celle hatte in den Jahren 1850 bis 1869 die Forstinspektion, die Steuerdirektion, die Eisenbahnbetriebsinspektion und die Direktion der Königlichen Landwirtschaftsgesellschaft verloren. Celle war deutlich zurück gefallen, als Hattendorff sein Amt antrat.8

In der „Gesetz=Sammlung für die preußischen Staaten“ findet sich das Gesetz, betreffend die Vereinigung der Vorstädte von Celle und der Stadtgemeinde Celle vom 15. März 1869, (Seite 489). Es besagte in § 1, dass die vorstädtischen Gemeinden „Vorstadt Altencelle, Hehlen=Vorstadt, Neuenhäusen und Neustadt=Altenhäusen“ mit der Stadtgemeinde Celle vereinigt werden. Celle hatte plötzlich mehr als doppelt so viele Einwohner; deren Zahl wird 1871 von cirka 5500 auf 16.126 angewachsen sein.9

Hattendorffs vornehmste Aufgabe war es, die „zahlreichen Maßnahmen zu treffen, welche zur organischen Durchführung der durch das Gesetz geschaffenen kommunalen Zusammenschließung erforderlich waren“.10 Es mussten ungeheure Geldsummen aufgewendet werden, um der Rückständigkeit der Vororte, namentlich im Ausbau des Straßennetzes, abzuhelfen. Besonders ging es auch darum, die Volksschulen neu zu organisieren. Jahrelange Auseinandersetzungen endeten erst 1887 in dem einheitlichen „lutherischen Schulverband“, der hinreichend leistungsfähig war. Zugleich mussten viele völlig unzureichende Schulhäuser durch neue ersetzt werden. Hattendorff sorgte dafür, dass nach der Übernahme des Gymnasiums Ernestinum durch den Staat eine „höhere städtische Realanstalt (HGB) und für die Töchterschule (KAV) das schöne Haus an der Hannoverschen Straße geschaffen wurden“.11

Auch auf anderen Feldern der städtischen Politik ist er sehr aktiv gewesen; so zum Beispiel für einen Schlachthof und die Fuhsebrücke zum neuen Güterbahnhof. Die wachsende Bedeutung der Stadt lässt sich weiter daran ablesen, dass der Haushalt binnen zehn Jahren von 300.000 Mark auf 573.000 Mark angewachsen ist.12

Schon 1877 wird Hattendorff zum Oberbürgermeister ernannt.13 Seine hervorstechensten Eigenschaften seien seine „außerordentliche Gewissenhaftigkeit in großen wie in kleinen Dingen, eine unermüdliche Arbeitsfreudigkeit, … ein herzliches Wohlwollen gegen jedermann, besonders auch gegen die städtischen Beamten und die Mitglieder der städtischen Kollegien.14

Hervorzuheben sind noch zwei Tatbestände: Es gelang Hattendorff bei der Justizneuordnung 1879 gegen den Widerstand von Teilen der Bürgerschaft, die lieber ein Landgericht in der Stadt gesehen hätten, das Oberlandesgericht in Celle zu behalten. Ebenso wichtig: Bei der Einführung der „Kreisordnung für die Provinz Hannover“ vom 6. Mai 1884 (Gesetzessammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, Seite 181) konnte er Celle die Anerkennung als Stadtkreis verschaffen. Es erforderte große Anstrengungen, um dieses Ziel zu erreichen weil Celle nicht die im Gesetz vorgesehene Mindestzahl von Einwohnern, 25.000 hatte. Hiervon profitiert Celle heute noch als selbstständige Stadt, ein Begriff, der schon in diesem Gesetz vorkommt.15

Hattendorffs Bereitschaft, sich vielfältig zu engagieren, kommt darin zum Ausdruck, dass er in den Jahren 1873 bis 1895 Schriftführer des Nationaldanks für Veteranen ist (1873), zum Ehrenmitglied des Deutschen Kriegervereins gewählt wird (1874), den Ehrenbrief des Celler Gewerbevereins (1889) und das Anerkennungsdiplom des Allgemeinen Bildungsvereins für 25jährige treue Mitgliedschaft erhält (1900), eine nur beispielhafte Aufzählung. 16

Am 25. Mai 1892 anlässlich der 600 Jahrfeier der Stadt verleiht „des Kaisers und Königsmajestät“ dem schon 72 Jahre alten, aber immer noch im Amt befindlichen Otto Hattendorff den Titel „Geheimer Regierungsrath“17. Er erhält 1894 den Adlerorden 3. Klasse mit Schleife und der Zahl 50 verliehen.18

Am 7. Februar 1895 feiert die Stadt das 25jährige Dienstjubiläum Hattendorffs mit einem Festakt im Sitzungssaal des „Rathhauses“. Hattendorff erhält eine Ehrengabe. Nachmittags findet ein Festessen in der Union statt, zu dem alle 32 städtischen Beamten und Angestellten eingeladen sind. Nebenbei: Der Kommandeur des Infanterieregiments 77, Oberst von Kalkstein, lässt mitteilen, dass er nicht kommen könne und stattdessen Major von Hartmann erscheinen und das Hoch auf den Kaiser ausbringen werde.19

Nach einer Amtszeit von mehr als 25 Jahren tritt Hattendorff am 1. Juli 1895 in den Ruhestand. Nach einem kurzen Aufenthalt in Waldhausen bei Hannover siedelt er nach Stade über, wo sein Sohn Otto (Es gab einen zweiten älteren Sohn Rudolf.) mit Familie lebt. Dort ist er am 18. April 1905 gestorben, wie sein Sohn, der (echte) Regierungsrat Otto Hattendorff pflichtschuldigst mitteilt.20

Über seinen Nachlass hatte er am 20. Mai 1890, noch im Amt befindlich, ein umfangreiches, acht Seiten langes Testament errichtet.21 Die Sterbeurkunde Nr. 93 ergibt, dass Hattendorff Karl, Georg, Albrecht als weitere Vornahmen hatte und in zweiter Ehe mit der Tochter eines hannoverschen Majors Franziska Elise, geb. Neuschaeffer, verheiratet war.22 Die Witwe Hattendorff stirbt am 12. Oktober 1908. Auf Bitten des Celler Stadtsekretärs legt sein Stader Kollege am Grabmal von Otto Hattendorff anlässlich dessen 100sten Geburtstages am 12. Dezember 1920 einen Kranz nieder.

Mit der Straße quasi noch außerhalb der Stadt würdigte der Magistrat diese Lebensleistung nur unzureichend.

Peter Lindemann

Quellen:

1 Stadtarchiv, L 7 571 (nicht paginiert)

2 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 4

3 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 47

4 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 5 - 27

5 Stadtarchiv 13B 21, Bl. 9

6 Stadtarchiv 13B 21, Bl. 15R/ 13B 21, Bl. 15R

7 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 63

8 Clemens Cassel, Geschichte der Stadt Celle, Zweiter Band, S. 372

9 Historische Statistik von Deutschland, Bd. XIII, S. 93

10 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 148 (Cellesche Zeitung vom22. April 1905, Zweites Blatt)

11 wie Anm. 10

12 wie Anm. 10

13 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 73

14 Stadtarchiv wie Anm. 10; auch Clemens Cassel, S. 372

15 Stadtarchiv 13B 146 (CZ vom 11. Dezember 1920 anlässlich des 100sten Geburtstages von Otto Hattendorff)

16 Stadtarchiv L 7 0574, 0575, 0577

17 Stadtarchiv wie Anm. 10; Clemens Cassel, S. 469

18 Stadtarchiv wie Anm. 10

19 Stadtarchiv 13B 24, Bl. 33ff

20 Stadtarchiv 13B 22, Bl. 147

21 Stadtarchiv L 1 931, Bl. 10

22 Stadtarchiv L 1 931, Bl. 6

Von Peter Lindemann