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Celle Stadt "Der Mindestlohn ist richtig" - aber Zeitungszustellung wird teurer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Der Mindestlohn ist richtig" - aber Zeitungszustellung wird teurer
20:59 10.03.2015
Von Simon Ziegler
Stefan Warias trägt die CZ in Hornbostel aus. - Sein Lohn wird in drei Schritten auf 8,50 Euro erhöht. Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

Sein Wecker klingelt um 3.40 Uhr. Montag bis Samstag. Stefan Warias geht zur Haustür, schaut nach, ob alle Zeitungen geliefert wurden. Im Moment sind es in Hornbostel 110 Ausgaben der Celleschen Zeitung, die er in Briefkästen und Zeitungsrohre steckt. Dazu noch etwa 20 Ausgaben von HAZ, NP oder Bild. 20 bis 30 Kilogramm Gewicht kommen an einem Wochentag schnell zusammen, am Samstag sind es bis zu 50 Kilogramm.

Um 3.50 Uhr startet der 46-Jährige seine Runde in dem Wietzer Ortsteil. Er ist bei jedem Wetter unterwegs - auch bei Glätte und Regen. Menschen trifft er um diese Zeit in der Dunkelheit fast nie. Um 5.45 Uhr hat Stefan Warias die letzte Ausgabe verteilt. Die Leser sollen die CZ auf jeden Fall vor dem Frühstück im Briefkasten haben.

Warias gehört zu den rund 160.000 Zeitungszustellern in Deutschland. Bis zum Ende vergangenen Jahres wurde er pro zugestellter Zeitung bezahlt. Pro Monat bekam er für die CZ-Zustellung etwa 425 Euro. Mit dem Mindestlohngesetz erhält Warias jetzt einen Stundenlohn. „Ich finde, der Mindestlohn ist richtig. Eine sinnvolle Sache. Es wird ja auch alles teurer“, sagt der Vater dreier Kinder.

Verlegern bereitet der Mindestlohn Sorgen, weil er die Zeitung teurer macht. Auf die Branche kommen Mehrkosten von über 200 Millionen Euro zu. Ein Teil davon wird an die Leser weitergegeben. So wird auch die Cellesche Zeitung die Preise zum 1. April anheben. Die CZ kostet als gedruckte Ausgabe im Monat dann 30,10 Euro. „Der Mindestlohn ist gesamtgesellschaftlich absolut richtig. Für die Zustellgesellschaften ist er dennoch eine Riesenbelastung, weil die Zustellung der Zeitung enorm verteuert wird“, sagt Geschäftsführer Werner Heyer.

Aufgrund der besonderen Situation der Branche hat der Gesetzgeber Zeitungsverlagen eine Übergangsregelung eingeräumt, um auch künftig gerade in Flächenlandkreisen wie Celle eine zuverlässige Zustellung zu gewährleisten. Seit dem 1. Januar liegt der Mindestlohn bei 6,38 Euro, ein Jahr darauf müssen 7,23 Euro gezahlt werden. Ab 2017 sind dann 8,50 Euro fällig.

Die Zustellung der Celleschen Zeitung wird durch die Transport- und Vertriebsgesellschaft Celle (TVG) geleistet. Dort werde heute bereits mehr gezahlt als gesetzlich vorgeschrieben, so Geschäftsführer Torsten Gostschegk. Die Zusteller erhalten momentan 7 Euro in der Stunde.

267 Zusteller tragen die CZ in Stadt und Kreis Celle aus. Die meisten von ihnen sind sogenannte Minijobber. Die Arbeitsbedingungen sind dabei sehr unterschiedlich: Im Celler Stadtbereich mit Mehrfamilienhäusern sind die Zusteller viel schneller als auf dem Lande, wo sie pro Ausgabe weitere Wege zurücklegen müssen. Daher wurden für die einzelnen Gebiete Wegezeiten erfasst, so genannte Sollzeiten, nach denen die Austräger entlohnt werden, erläutert Heyer das System. Weil Senioren in der Regel mehr Zeit brauchen als jüngere Zusteller, wurden Mittelwerte gebildet. Und auch die Wahl des Verkehrsmittels – zu Fuß, Fahrrad oder Auto – wurde berücksichtigt.

Stefan Warias ist in Hornbostel mit dem Fahrrad unterwegs. Damit er die Zeitungen transportieren kann, hat er sich extra ein neues Rad gekauft. Die CZ soll ja auch künftig pünktlich im Briefkasten liegen.