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Celle Stadt Der Rohdiamant wird geschliffen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Rohdiamant wird geschliffen
20:07 04.02.2010
Von Gunther Meinrenken
Skizzen zur Entwicklung der Allerinsel Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Als Stadtplaner ist Frank Boberg sowohl in Deutschland, als auch international unterwegs. Ein solches Gebiet wie die Celler Allerinsel ist ihm allerdings nur selten untergekommen. „Ich bin fasziniert von der Lage. Das ein solches Areal inmitten einer Stadt, umgeben von Wasser noch so frei zu beplanen ist, haben wir ganz selten. In China haben wir so etwas schon einmal gehabt, in Deutschland noch nie“, meinte Boberg am Mittwochabend im Foyer des Neuen Rathauses, wo der Stadtplaner vom Büro „pesch partner“ und die Landschaftsarchitektin Irene Lohaus vom Büro LohausCarl das von ihnen in den vergangenen Monaten erarbeitete Entwicklungskonzept für die Allerinsel vorstellten.

Sowohl Boberg, als auch Stadtbaurat Matthias Hardinghaus wurden nicht müde zu betonen, dass es sich bei den Planungen erst einmal nur um den ersten Entwurf handele. „Das ist der Auftakt zur Entwicklung eines Leitbildes. Heute wollen wir das Zwischenergebnis vorstellen“, meinte Hardinghaus vor etwa 40 Cellern, die zu der Veranstaltung gekommen waren. Die Stadt gehe dabei von einem Realisierungszeitraum von 12 bis 15 Jahren aus.

Derzeit befinde man sich in der Phase des Dialogs und der Abstimmung. Man wolle die Bürger mitnehmen, die Entwicklungsziele mit der Bevölkerung abstimmen und das Konzept so auf eine möglichst breite Basis stellen, so Hardinghaus. Noch im März soll das Konzept von der Politik verabschiedet werden. Konkrete Maßnahmen für die ersten vier bis sechs Jahre hat die Stadt schon im Köcher. Beginnen würde man mit dem Mühlenaller-Quartier, wo man auch relativ leicht den Hochwasserschutz herstellen könnte.

lZiele: Mit der Entwicklung der Allerinsel soll Celle „wieder ans Wasser rücken“. Das Areal wird als Ergänzung zur Innenstadt gesehen. Dies betrifft vor allem die Funktion des Wohnens, die in der Innenstadt immer mehr verloren gegangen ist. Großflächiger Einzelhandel ist auf der Allerinsel nicht vorgesehen, sondern nur Geschäfte für die Versorgung der dortigen Bewohner wie etwa Bäckereien oder Kioske. Kleinerer Handel soll allerdings möglich sein und natürlich gastronomische Betriebe, die von der Lagegunst am Wasser profitieren. „Wir wollen keine Konkurrenz zur Innenstadt schaffen“, erklärte Boberg.

lHochwasserschutz: Wegen des Hochwasserschutzes muss auf der Allerinsel ein etwa 90 Meter breiter Streifen im Norden und Westen freigehalten werden. Die Stadt will dies ausnutzen, um zusätzlichen Raum für Freizeit- und Erholungsaktivitäten zu schaffen. So ist geplant, das Nordufer als Allerauen-Park zu gestalten. Weitere Grünflächen entstehen auf der Westseite der Allerinsel.

lTourismus: Mit dem Stadthafen in unmittelbarer Nähe zu Schloss und Altstadt wird die Allerinsel ins touristische Ensemble Celles eingebunden. Der Allerradweg soll über das Areal verlaufen. Feste und kulturelle Veranstaltungen sollen das Gebiet weiter aufwerten. Eine weitere Idee: Der derzeitige Speicher könnte in ein Hotel umgebaut werden.

lVerkehr: Verkehrlich wird sich für Autofahrer nichts ändern. Es bleibt bei der Hafenstraße als einzige Durchfahrtsstraße. „Wir wollen eigentlich nur Ziel- und Quellverkehr der Anwohner haben“, meinte Boberg. Allerdings soll die Allerinsel mit Fußgänger- und Radfahrerbrücken (siehe Skizzen) besser angebunden werden und erreichbar sein.

lEigentumsverhältnisse: Die Besitzverhältnisse sind für die Stadt Celle günstig. Auf der 220000 Quadratmeter großen Allerinsel befinden sich 80 Prozent der Fläche im Besitz der Stadt. Zieht man das gesamte Gebiet heran, das beplant wird, so gehören der Stadt von diesen 300000 Quadratmetern immerhin noch 60 Prozent.

lKosten: Die günstigen Eigentumsverhältnisse rücken die Realisierung des Gesamtprojekts trotz geschätzter Kosten von etwas mehr als 28 Millionen Euro (genaue Zahlen liegen noch nicht vor) in greifbare Nähe. Denn die Stadt kann so aus dem Verkauf von Grundstücken die erheblichen Investitionskosten teilweise refinanzieren. Belegt mit diesen Entwicklungszielen dürften auf der Allerinsel hohe Bodenpreise zu erzielen sein. Die Stadt geht von 150 bis 180 Euro pro Quadratmeter aus. Zudem setzt die Stadt auf Fördermittel. Die Entwicklung der Allerinsel ist in das Förderprogramm „Stadtumbau West“ aufgenommen worden. Insgesamt lässt sich darüber ein Investitionsvolumen von 23,5 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren realisieren, davon müsste die Stadt allerdings etwa 7,8 Millionen Euro gegenfinanzieren. Derzeit geht man davon aus, dass unter diesen Voraussetzungen mit dem Förderanteil der Stadt auszukommen sei.