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Celle Stadt Der Wolf als Unfallverursacher ist ein Sonderfall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Wolf als Unfallverursacher ist ein Sonderfall
18:31 03.02.2014
Celle Stadt

Doch was passiert, wenn der "Unfallgegner" ein Wolf ist? Verkehrsunfälle mit Wölfen hat es seit der Rückkehr der Tiere nach Deutschland bereits mehrfach gegeben. Sie sind anders zu handhaben.

Der Wolf untersteht nicht dem Jagdrecht, sondern wird als streng geschützte Tierart im Bundesnaturschutzgesetz aufgeführt. "In unseren Musterverträgen sind nur Haarwildschäden aufgeführt", sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Das heiße aber nicht, dass es nicht Versicherungen gebe, die in ihren Verträgen Tiere aller Art aufführten. Dem GDV seien Verträge bekannt, die auch Elche oder Weidetiere wie Kühe umfassten. Jeder Autofahrer müsse mit seiner Versicherung klären, welche Schäden tatsächlich von der Police abgedeckt seien.

Niedersachsens Wolfsbeauftragte Dr. Britta Habbe ist von der Anfrage überrascht. "Nach meinem Wissen hat sich noch keine Versicherung geweigert, in so einem Fall zu zahlen", sagt sie der CZ.

Für die Polizei ist unterdessen eindeutig geregelt, wie man sich zu verhalten hat, wenn nach einem Unfall ein schwer verletzter Wolf angetroffen wird. Im Dezember hatte Kreisjägermeister Hans Knoop bei der CZ-Podiumsdiskussion zum Wolf noch für Irritationen gesorgt, als er erklärte, dass mit dem Landkreis eine Vorgehensweise bei Auffinden eines schwer verletzten Wolfs vereinbart worden sei. Nach Rücksprache mit dem Umweltministerium war der Landkreis von seiner ursprünglich vereinbarten Regelung abgerückt, auch wenn Kreisveterinär Dr. Heiko Wessel von einer wenig praktikablen Regelung sprach und auf den tierschutzrechtlichen Aspekt hinwies.

Die Polizeidirektion Lüneburg hat ihre Beamten schriftlich informiert, dass die Tötung eines Wolfs, auch eines schwer verletzten, durch Polizeibeamte grundsätzlich nicht zulässig ist. Wer sich darüber hinwegsetzt, begeht vorsätzlich eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Die Anweisung kennt lediglich zwei Ausnahmen von diesem Grundsatz. Wenn der Amtstierarzt um Amtshilfe bittet oder wenn eine Gefahr für Leib oder Leben oder “Sachen von bedeutendem Wert” besteht, wäre die Tötung eines Wolfs aus gefahrenabwehrrechtlicher Betrachtungsweise gerechtfertigt. “Grundsätzlich dürften diese Gefahren aber nicht vorliegen”, heißt es in dem Papier ausdrücklich.

Da der Wolf nicht zu den Tierarten gehört, die dem Jagdrecht unterliegen, muss ein Jagdberechtigter nicht informiert werden. Hingegen ist ein Wolfsberater über den Unfall mit dem Beutegreifer zu informieren. Und natürlich der Amtstierarzt. “Es wird empfohlen, eine Erreichbarkeit eines Amtstierarztes auch außerhalb der Geschäftszeiten zu ermöglichen”, heißt es in dem Schreiben der Polizeidirektion lapidar.

Von Joachim Gries