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Celle Stadt Der letzte Celler Flussfischer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der letzte Celler Flussfischer
18:09 20.02.2012
Fischer Nˆlke Hans-Friedrich Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Fischer waren sie, alle Vorfahren Vater, Großvater, Urgroßvater und Ur-Urgroßvater und jene die vor ihnen kamen. So stieg auch der junge Hans-Friedrich Nölke in die Fußstapfen seines Vaters Hans Nölke.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Flussfischerei durch die Bewirtschaftung einer Teichwirtschaft im Raum des Vorwerker Quellbachs erweitert. Bei einem Rundgang durch das Anwesen in der Fritzenwiese passiert man den gemütlichen kleinen Laden und gelangt auf einen Innenhof. Hier öffnet sich ein herrlicher Ausblick auf die Aller und die gegenüberliegenden Dammaschwiesen.

Im Hof gibt es einen Schlachtraum mit größeren und kleineren Hälterbecken, in denen sich die Kunden zum Beispiel einen frischen Karpfen, eine Forelle oder Schleie aussuchen können. In der hauseigenen Räucherei werden die Aale, Forellen und Karpfen geräuchert. Bei einem Rundblick auf diesen Arbeitsplatz fallen die Aalreusen, viele verschiedene Kescher, Motoren, allerlei anderes Arbeitswerkzeug des Fischers aber vor allem die beiden schönen alten Flusskähne, die am Ufer liegen, ins Auge. Mit Erstaunen hört man, dass die Nölkes ihre Boote, Spezialfahrzeuge oder Futterbehälter seit Generationen selbst herstellen.

Viele Fotos im Fotoarchiv zeigen das Abfischen. Der „Abfischtrupp“ bestand früher aus einer „Stammmannschaft“ und wurde von diesen Kundigen wie ein Event empfunden. Noch heute sind die Plätze in der Mannschaft heiß begehrt, aber nun oft auch schon von jüngeren Menschen, aus der nachfolgenden Generation besetzt, so dass sich Nölke über viele fleißige Hände am Sortiertisch freuen kann.

Beim Abfischen werden im Herbst und im Frühjahr, je nach Wetterlage die Teiche abgelassen. In den Netzen hinter den Abflüssen wimmelt es dann nur so von Karpfen, Hechten und Schleien. Zunächst kommt der gesamte Fang auf den Sortiertisch und anschließend nach Art und Größe in Einzelnetze sortiert in die Hälteranlage mit Frischwasserzuführung. Danach geht es entweder zum Verkauf oder zurück als Nachzucht in die Abwachsteiche.

Der Beruf des Fischers ist bereits aus den frühesten menschlichen Gesellschaftsformen überliefert. In nahezu allen Völkern ist er stark verbreitet. Oft bilden Fischer eine Kaste oder der Beruf wurde nur von bestimmten Volksgruppen ausgeübt, zum Beispiel in Westafrika dem reinen Fischervolk der Bozo. Heute lautet die korrekte Berufsbezeichnung Fischwirt.

Vor Jahren einmal hatten die Nölkes den berühmten Zuchtkarpfen mit Namen „Poseidon“, der mehr als 30 Jahre alt und 36 Pfund schwer wurde. Mit seinem bereits bemoosten Rücken kam er natürlich regelmäßig zurück in den Teich.

Viel gibt es in solch einer Teichwirtschaft zu tun: Gräben müssen gesäubert, Dämme repariert, Schilf gemäht werden. Im Sommer werden die Teiche leicht gekalkt; im Winter aber herrscht eine Ruhepause, damit die Fische sich in die Tiefe der Teiche zur Überwinterung zurückziehen können.

Nölke hat seit Jahrzehnten ein eigenes Fischrecht auf der Aller, ist aber auch Mitglied in der„Pachtgemeinschaft Aller II“. Diese Pachtgemeinschaft besteht aus fünf Sportangelvereinen aus der Stadt Celle und dem Landkreis Celle mit etwa 4000 Mitgliedern. Nölke ist der einzige Berufsfischer unter ihnen. Er bewirtschaft 45 Flusskilometer von der Langlinger Brücke bis zum Allerplack gemeinsam mit der Pachtgemeinschaft.

Während die Sportangler mit Ruten angeln, legt er seine Aalreusen an geheimen Orten aus. Zur nachhaltigen Bewirtschaftung werden aber nicht nur Aale gefangen, sondern, wie im letzten Jahr, auch mehr als 10.000 Jungaale ausgesetzt.

Aber womöglich wird Nölke einer der letzten aus einer alten Zunft sein. Und man denkt mit Wehmut darüber nach, dass vielleicht, nach Abschluss seines Beruflebens, kein Flussfischer mehr auf der Aller zu finden sein könnte.

Von Brigitte Vassiliou