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Celle Stadt Der letzte Prinz, der in Celle residierte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der letzte Prinz, der in Celle residierte
14:46 25.08.2017
Ernst Prinz zu Mecklenburg-Strelitz (kleines Bild) begann 1766 mit dem Anlegen eines weitläufigen Gartens – dem Prinzengarten, wo sich noch heute das 1770 erbaute Sommerschlösschen befindet. Quelle: Oliver Knoblich
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1763 im Alter von 21 Jahren wurde er zum Gouverneur von Celle durch König Georg III. von Großbritannien ernannt, offensichtlich aufgrund der Protektion seiner Schwester Sophie Charlotte, der englischen Königin, wie gleichzeitig auch der ältere Bruder Carl die gleiche Position in Hannover verliehen erhielt.

Ernst begann 1766 mit der Anlage eines weitläufigen Gartens zwischen Lüneburger Straße und Aller, eben dem Prinzengarten, in dem 1770 das Sommerschlösschen errichtet wurde, baulich eine Zierde der Stadt Celle bis heute. Die Gartenanlagen schuf der Gärtner Johann Schiebler. Gerühmt wurde der umfangreiche Bestand an ausländischen Bäumen. Als Nebengebäude existierten eine Menagerie, ein Gewächshaus, auf einem Aussichtsberg ein Tempelchen in ländlichem Stil sowie, einmalig in Celle, eine frei stehende Bibliothek. Das alles war Privatbesitz, in der Stadt stand ihm Bergstraße 46 als Stadtkommandantenhaus dienstlich zur Verfügung (nicht erhalten, da es 1891 abbrannte). Der Prinz war ein aufgeklärter Fürst, war Ehrenmitglied der Celler Land-wirtschaftsgesellschaft seit ihrer Gründung. Ab 1768 war er Mitglied der Loge Zum hellleuchtenden Stern. In Celle pflegte er den Umgang mit Li-teraten und begründete den Adeligen Club. Regen Umgang pflegte er mit Königin Caroline Mathilde. Als sie 1775 starb, setzte er ihr ein Denkmal.

Die Hälfte der Flächen des Prinzengarten waren landwirtschaftlich genutzt, die restlichen Areale waren Zieranlagen. Hier empfing er auch seinen Bruder mit Familie, darunter Prinzessin Luise, die spätere preußische Königin. Prinz Ernst reiste gerne und viel. 1761 begleitete er seine Schwester aus Anlass ihrer Vermählung in London, wo er zwei Jahre verweilte. 1771/2 besuchte er mit Bruder Carl die Königliche Schwester in London. Bei dieser Gelegenheit wurde er Pate von Ernst August, dem späteren König von Hannover. Er weilte öfter in seiner mecklenburgischen Heimat, wo er das Gut Pieverstorf erwarb. 1798 wurde er protokollarischer Begleiter des preußischen Königspaares Friedrich Wilhelm und Luise anlässlich ihrer Huldigungsreise nach Königsberg.

1802 wurde er General der Infanterie und Gouverneur von Hannover, da sein Bruder Carl als Carl II. die Regierung in Mirow geerbt hatte. Hier kaufte er seinem Bruder ein Palais am Schlosspark. Ernst quittierte den Dienst vorzeitig, wurde im Rang eines Feldmarschalls mit einer Jahrespension von 2000 Thalern pensioniert und lebte bis zu seinem Tod 1814 in Mirow.

Von Ralf Busch