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Celle Stadt Der ostdeutsche Wutbürger in Kunst & Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der ostdeutsche Wutbürger in Kunst & Bühne
15:26 04.12.2016
Kabarettist mit Glücksrad: Erik Lehmann begeisterte in Kunst & Bühne. Quelle: Peter Bierschwale
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Im Zentrum von Lehmanns Programm steht ein großes „Glücksrad“, auf dessen Feldern die verschiedenen Nummern, die er zu bieten hatte, durch Fotos symbolisiert waren. Vor jedem Wechsel holte er sich einen Zuschauer auf die Bühne, den er das Rad drehen ließ, um dadurch den nächsten Sketsch zu bestimmen.

Das war an sich nichts Besonderes, doch Lehmann manipulierte jedes Ergebnis derartig dreist, dass sich das Publikum bei jedem Drehen des Glücksrades belustigt fragte, wie der Kabarettist denn beim nächsten Zuschauer schummeln würde.

Den sächsischen Wutbürger und Kleingärtner „Uwe Wallisch“ mit seiner absurd hässlichen Plastikjacke brachte der Kabarettist mehrmals auf die Bühne: „Ich bin nicht bei Pegina, ich gehe nur gern spazieren, und zwar montags. Wann denn sonst?“, erklärte der mit treuherzigem Augenaufschlag. Wer, wenn nicht ein Dresdener, könnte die politischen Probleme seiner Heimatregion authentischer auf die Bühne bringen?

Bei dem Versuch, seinem somalischen Nachbarn die Gepflogenheiten der deutschen Kleingärtner nahe zu bringen, wurden die Absurditäten manches Kleingärtnerwesens überdeutlich. Später hielt „Uwe“ noch eine Rede in bestem Oettinger-Englisch an die „dear people from Syria“, um denen die Kleingärtner-Regeln nahe zu bringen: „The shout of a muezzin can not be made mittags and nachts. It is so!“

Lehmann spielte auch andere Figuren überzeugend, so einen schwäbelnden Bauleiter, den „Greenpeace-Taliban“ daran hindern wollen, eine Umgehungsstraße zu bauen: „Du wirst von denen nicht ernstgenommen, wenn du kein Fell hast!“ Nachts sei er mit einem starken Ultraschall-Sender unterwegs, um „den Fledermäusen die Lage unmissverständlich klar zu machen“. Vermutlich ahnte der Kabarettist gar nicht, wie nahe er der Celler Realität gekommen war …

Von Hartmut Jakubowsky