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Celle Stadt Diamantenraub in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Diamantenraub in Celle
19:05 25.10.2016
Celle Stadt

„Industriediamanten sind für uns völlig uninteressant. Denn wir kaufen unsere Diamanten in bereits eingefasster Form von Edelsteingroßhändlern“, sagt Juwelier Florian Stammen. Zudem hätten Schmucksteine auch meist ein Zertifikat, das den Ursprung der Diamanten dokumentiert, wie Stammen erklärt. Viele Kunden würden diese Dokumente verlangen, um ihr Geld nicht in Schmuckgegenstände zu investieren, die einen kriminellen Ursprung haben könnten.

Außerdem seien Form, Größe und Farbe der Edelsteine entscheidend für den Juwelenhandel. Die meisten verkauften Diamanten der Juweliere hätten einen Brillantschliff und eine klare Farbe. Solche Diamanten würde man in der Industrie nicht finden, sagt Stammen. „Das wäre, sprichwörtlich, Perlen vor die Säue werfen.“

Mit klaren Farben könnten die künstlich hergestellten Diamanten zwar mithalten, sie seien sogar „reiner“ als natürliche Steine, wie Mirko Kniese, Produktionsleiter der Diamantenproduktion bei Cedima, erklärt. Das Problem für Juweliere sei eher die Form der Edelsteine. „Für den Einsatz bei Bohr- oder Schleifwerkzeugen ist die Form eines 'Kuboktaeders' am besten geeignet, damit haben die Steine 'fast' eine Kreisform. Und diese hält am besten dem Druck stand.“

Geübte Diamantenschleifer könnten den Edelsteinen womöglich dennoch den richtigen Schliff für den Schmuckhandel verpassen, wenn es nicht ein weiteres Problem mit den Industriediamanten geben würde: ihre Größe. „Es handelt sich bei den gestohlenen Industriediamanten um sehr kleine Steine. Die sehen aus wie Sand“, erklärt Kniese. Dennoch hätten auch sie einen gewissen Wert. So würde ein Karat der Industriediamanten – 0,2 Gramm – etwa zehn Cent kosten. Der Wert des Diebesguts würde sich somit auf einige tausend Euro belaufen, was im Vergleich zu Schmuckdiamanten sehr wenig ist, da hier bereits ein einzelner Diamant von einem Karat mehrere tausend Euro wert sein kann, wie Juwelier Benjamin Stammen sagt. Das läge auch am emotionalen Wert eines Steins. Denn Kunden seien eher bereit, viel Geld für einen Diamanten auszugeben, der Millionen Jahre in der Erde gewachsen ist, als für einen Stein, der künstlich in einem Labor hergestellt wurde. Nutzen könne man die gestohlenen Steine nur für die Produktion von Werkzeugen, „oder vielleicht noch als Glitzerstaub zum Basteln“, sagt Kniese. Inwiefern die Diebe ihre Beute gebrauchen wollen, lässt sich somit nur schwer sagen. Bislang gibt es zu dem Raub oder den Tätern keine weiteren Erkenntnisse, wie die Polizei Celle mitteilt.