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Celle Stadt Die Auswirkungen des Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933 am Beispiel von Groß Eicklingen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Auswirkungen des Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933 am Beispiel von Groß Eicklingen
17:30 09.08.2018
Das Protokoll der Versammlung vom 31. Oktober 1934. Repro: Blazek Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Diese ungewöhnlich große Begeisterung liegt in der damals aktuellen Gesetzgebung begründet. Am 15. Dezember 1933 hatte das Staatsministerium der NS-Regierung das Gesetz über das Feuerlöschwesen erlassen (vergleiche Sachsenspiegel 3/17.01.2009). Gleich im ersten Paragraphen wurde festgelegt, dass allerorts Feuerwehren vorhanden sein mussten. Dass sehr wohl auch Pflichtfeuerwehren möglich waren, regelte Paragraph 3. Ein Blick also in den Einstieg des Gesetzes, welches allein aufgrund seiner Begrifflichkeit zunächst nur für das preußische Gebiet Gültigkeit haben sollte:

§ 1.

In jedem Ortspolizeibezirke muß eine leistungsfähige und den örtlichen Verhältnissen entsprechend ausgerüstete Feuerwehr vorhanden sein. Besteht ein Ortspolizeibezirk aus mehreren Gemeinden, so ist in jeder Gemeinde für genügenden Feuerschutz zu sorgen.

§ 2.

Die Feuerwehr hat im Auftrag des Ortspolizeiverwalters die Gefahren abzuwehren, die der Allgemeinheit oder dem einzelnen durch Schadenfeuer drohen. Die Polizeiaufsichtsbehörden können den Feuerwehren auch die Abwehr sonstiger Gefahren übertragen.

§ 3.

(1) Die Feuerwehr im Sinne der §§ 1 und 2 kann bestehen:

a) aus Berufsfeuerwehrmännern;

b) aus einer Freiwilligen Feuerwehr;

c) aus Personen, die durch Polizeiverordnung zu einer Pflichtfeuerwehr zusammengeschlossen sind.

Die Feuerwehren erfuhren höchste staatliche Anerkennung. Sie erhielten die Rechte und Pflichten einer Polizeitruppe und trugen neben der Uniform auch die Abzeichen derselben.

„Besser situierte Kreise“ in die Feuerwehr einbeziehen

Feuerwehrschulleiter Branddirektor Walter Schnell in Celle wies 1934 mit Nachdruck darauf hin, dass man „besser situierte Kreise“ in die Feuerwehr einbeziehen müsse. Kleinhandwerker und Arbeiter hätten bisher „für diese Kreise ihre Zeit und Arbeitskraft geopfert“. Bei seinem Amtsantritt als Führer des Feuerwehr-Verbandes für die Provinz Hannover wies Schnell in einem Rundschreiben, das in der Hannoverschen Feuerwehr-Zeitung am 15. Februar 1934 abgedruckt wurde, darauf hin, dass das Feuerlöschwesen nunmehr „auf das reine Führerprinzip“ umgestellt sei. Es sei also nicht mehr freier Wille der Wehren, dem Kreis- bzw. Provinzialfeuerwehrverband anzugehören, sondern gesetzliche Pflicht.

Am 14. Februar 1934 wurde der 39 Jahre alte Ernst Buchholz aus Garßen zum Kreisfeuerwehrführer bestellt. Kreisbrandmeister Paul Müller II musste, weil er die Altersgrenze überschritten hatte, sein Amt niederlegen.

Ein Blick auf die Situation in Groß Eicklingen, wo die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr kurz bevor stand. Nach dem Stand der Volkszählung vom 16. Juni 1933 zählte der Ort 316 Einwohner, 66 Haushaltungen. Gemeindeschulze war Landwirt („Bauer“) Ernst Köneke (Fernsprecher 56), 1. Schöffe Landwirt Heinrich Grotewohl, 2. Schöffe Gastwirt Karl Däwes.

Alarmierung erfolgte

durch Hornisten

Die dort vorhandene Pflichtfeuerwehr, die in den zurückliegenden Jahren vorwiegend in Flackenhorst, Klein Eicklingen und Wathlingen Nachbarschaftshilfe geleistet hatte, verfügte nach einem Fragebogen des Jahres 1934 über eine Handdruckspritze mit einer Zylinderweite von 145 Millimetern, eine tragbare Leiter, 150 Meter A-Schläuche, 100 Meter B-Schläuche, 50 Meter C-Schläuche. Die Alarmierung erfolgte durch Hornisten. Zur Wasserentnahme dienten ein Schachtbrunnen, ein Feuerteich und acht Saughydranten. Seit 1913 wurde die Pflichtfeuerwehr von Gemeindeschulze Landwirt Köneke, 50 Jahre alt, Fernsprecher Wienhausen 56, geführt, der keine technische Ausbildung aufwies. Ihm zur Seite standen als Zugführer seit 1929 Adolf Schumacher, 34 Jahre, und Erich Ebeling, 33 Jahre, die ebenfalls keine technische Ausbildung genossen hatten. Ausgerüstet waren sechs Mann mit Helm, Koppel und Beil. Groß Eicklingen hatte 319 Einwohner bei 56 Haushaltungen.

Am 22. Oktober 1934 meldete der Gemeindeschulze in Groß Eicklingen dem Landrat Wilhelm Heinichen in Celle: „Zum dortigen Schreiben ... teile ich mit, daß die in der Gemeinde Gr. Eicklingen vorhandenen Saughydranten den Ansprüchen genügen und dieses durch verschiedene Proben im Laufe dieses trockenen Sommers festgestellt ist.

Die unter 2 verlangte Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen soll für kurze Zeit zurück gestellt werden, weil mit der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in aller nächster Zeit zu rechnen ist.“

Kreisfeuerwehrführer Buchholz notierte in Bezug auf die nachbarliche Löschhilfe im benachbarten Klein Eicklingen, wo sich am 3. August 1934 bei Heinrich Berkhan, Haus Nr. 6, ein Großfeuer ereignet hatte:

Pf. F. Gr. Eicklingen war beim Großfeuer in Kl. Eicklingen rasch zur Stelle, konnte aber nicht recht was ausrichten, weil Feuerbrunnen zu wenig Wasser

Am 17.9.34 war Pf. F. nach Wienhausen alarmiert zur Großübung. Leistung genügend.

Am 31. Oktober 1934 war es in Groß Eicklingen soweit. Eigens zum Zweck der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr wurde von Brandmeister Ernst Köneke eine Versammlung in Anwesenheit des Kreisfeuerwehrführers anberaumt. Ernst Buchholz kam mit seinem Schrift- und Kassenführer, dem Abteilungsleiter und Koordinator der Sanitätskolonnen aus Stadt- und Landkreis Celle Karl Coldewe nach Groß Eicklingen. Das Protokoll dieser Versammlung liegt uns vor. Da heißt es unter anderem:

„...um wieder die

Manneszucht zu führen“

Der Kreisbrandm. ging darauf ein, woran es gelegen hat das bei der früheren Regierung den freiw. Feuerwehren nicht genug Unterstützung zuteil geworden ist. Das aber mit dem Einsetzen der neuen Regierung sofort ein neues Feuerlöschgesetz geschaffen wurde welches sehr zu begrüßen ist. Redner ging dann auf die Bekämpfung des Feuers ein und machte klar wie es praktisch zunächst war beim Ausbruch des Feuers zu tun. Weiter sind die fr. Feuerw. nicht nur allein dazu da, um Volksvermögen zu schützen sondern, sehr wichtig ist, die Erziehung des neuen deutschen Mannes um wieder die Manneszucht zu führen. Ferner wurden uns die Sozialen und nationalen Taten der fr Feuerw vor Augen geführt das gerade die fr. Feuerw schon lange einbeweis Nationale soziale Arbeit geleistet haben.

Die Vorzüge

der Motorspritzen gerühmt

Dann ging d. K. darauf ein was ist nötig zur Gründung einer f. Feuerwehr. Zunächst der feste Wille denn nur aus einem guten Geist kann nur eine tüchtige Feuerwehr geboren werden. Dann wurden die technischen Fragen berührt. Die Wasserfrage ist die wichtigste. Weiter wurden die Vorzüge der Motorspritzen gerühmt. Dann kam d. Kr auf die f Fw selbst zu sprechen Uniformierung, Ausrüstung, Anwärterschaft Einteilung u.s.w. Verhalten der Führer im Falle einer Aucktion.

Zum Schluß wurde die Finanzfrage noch gründlich besprochen. Vom Brandm. Köne wurde der Vortrag zur Debatte gestellt woran sich niemand beteidigte.

Sodann wurde die Gründung vorgenommen. Es traten der fr. Feuerwehr 29 Mann bei. Zum Ko. Führer wurde Fritz Müller als Geräte-Wart Adolf Schumacher als Schriftwart Erich Ebeling ernant.

Kreiskassenführer Kollewe sprach über das Sanitätswesen der f. Feuerw.

Sodann wurde die Gründung d. f. W. vorgenommen und die Ko Führer verpflichtet. Der neu ernante Führer richtet dann einige mahnende Worte an die neue Wehr. Zum Schluß richtet der Gemeindeschulze noch einige Worte an die Wehr mit dem Geleitwort der Wehr

Die sich kurz darauf auflöste in dem Bewustsein hier Geschichte der Gemeinde Gr Eicklingen geprägt hier ist im Sinn des dritten Reiches gehandelt hier ist ein Bollwerk gebaut zum schutz gegen Not und Gefahr für Vaterland und dem Heimatlichen Herd

Gott möge in absoluter Verbundenheit seinen Segen dazu geben

Hiernach folgen, durchnummeriert von 1 bis 32 und untereinander, die Namen der Mitbegründer: 1 Carl Däves, 2 Hermann Voges, 3 Gustav Angermann, 4 Adolf Schumacher, 1. Löschmeister, 5 Frantz Franke, 6 Rudolf Viereck, 7 Fritz Müller Brandmeister, 8 Otto Conrad, 9 Otto Sehne, 10 Ernst Schepelmann, 11 Ernst Könecke, 12 Albert Buchholz, 13 Alfred Meier, 14 Heinrich Schacht, 15 Adolf Buchholz, 16 Bernhard Schumacher, 17 Ernst Fricke, 18 Carl Fricke, 19 Walter Wiedenroth, 20 Gustav Schumacher, 21 Hermann Meldau, 22 Hermann Santelmann, 23 Werner Ziebull, 24 Hermann Müller, 25 Fritz Schumacher, 26 Frantz Francke, 27 Erich Ebeling, 28 Alfred Ebeling, 29 Willi Müller, 30 Friedrich Eggelmann, 31 Wilhelm Eggelmann, 32 Carl Heimborg.

Einige Namen wurden gestrichen, andere wurden nachgetragen. Drei Viertel der zunächst notierten An-wesenden traten der Wehr bei; nachgetragen wurden Heinrich Angermann, Ernst Könecke (Doppelnennung), Walter Meier und Karl Conrad.

Die Chronik von Eicklingen führt nur 28 Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Eicklingen auf. Und in der Tat hatte der Kreisfeuerwehrführer zwei (undatierte) Namenslisten in die Personalakte geheftet, eine mit 30 Namen, in der Friedrich Müller als Brandmeister und Adolf Schumacher und Erich Ebeling als Löschmeister genannt sind, und eine mit 28 Namen („Berichtigung der Liste der Freiw. Feuerwehr Gr-Eicklingen“), in der Brandmeister Friedrich Müller gleich drei Löschmeister, Adolf Schumacher, Erich Ebeling und Hermann Santelmann, zur Seite standen (und in der der Familienname Angermann nunmehr dreimal aufgeführt war: neben Gustav Angermann waren nun auch Ernst und Heinrich Angermann aufgelistet).

Kreisfeuerwehrführer Buchholz notierte aber: „Am 31.10.34 Freiwillige Feuerwehr gegründet; beigetreten sind 30 Mann. Gründungsversammlung war gut vorbereitet. Zur Beschaffung von Uniformen und Ausrüstung steht Fachwart Helms zur Verfügung.“

Die Ernennung zum Brandmeister als Führer einer Wehr erfolgte nur kommissarisch und wurde erst rechtskräftig, nachdem der betreffende Führer beziehungsweise Unterführer an den erforderlichen Lehrgängen der Provinzial-Feuerwehrschule in Celle mit Erfolg teilgenommen hatte. Somit führte Friedrich Müller, geboren am 27. April 1890 und von Beruf Kaufmann, zunächst die Amtsbezeichnung „kommissarischer Brandmeister“. Stellvertreter Adolf Schumacher (Landwirt, 35 Jahre) hingegen war kommissarischer Löschmeister.

Am 13. November 1934 kam die Wehr im Gasthaus Santelmann zusammen. Es ging unter anderem um den Kauf einer Motorspritze für die Gemeinden Groß Eicklingen, Klein Eicklingen und Sandlingen, die man gerne in Groß Eicklingen stationiert sehen wollte.

Eine Motorspritze

für drei Gemeinden

Brandmeister Müller eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anwesenden, insbesondere die beiden Vertreter der Gemeinde Sandlingen, Heinrich Santelmann und Heinrich Bergmann. Sodann wurde der Namensaufruf vollzogen und festgestellt, dass die Wehr bis auf einige Kameraden vollzählig erschienen sei. Auf der Tagesordnung stand Anschaffung einer Motorspritze für die besagten drei Gemeinden, um in den Genuss der 50 Prozent Beihilfe zu kommen, die von der Landschaftlichen Brandkasse Hannover gewährt wurde. Die Firma Windhorst aus Vegesack, die ihr Erscheinen zugesagt hatte, um die Wehr mit den Zahlungsbedingungen und Beihilfen der Behörden und öffentlichen Anstalten vertraut zu machen, war „aus irgend einem Hinderungsgrund“ nicht erschienen.

Zu einem endgültigen Resultat konnte die Wehr nicht kommen, da erstens die Vertreter der Gemeinde Sandlingen „mit so geringfügigen Ermächtigungen ausgestattet“ worden waren, dass von Vornherein kein definitives Ergebnis erzielt werden konnte. Der mit Verspätung erschienene Gemeindeschulze Wiedenroth als Vertreter der Gemeinde Klein Eicklingen gab zu verstehen, dass seine Gemeinde gegen die Stationierung der Motorspritze protestiere trotz des so zentral gelegenen Groß Eicklingen, „welches wohl als Eigennutz zu bewerten ist und nicht den Geleitwort des dritten Reiches entspricht“ (Wortlaut des Versammlungsprotokolls).

Dann wurde der Punkt 2 behandelt, in dem es um die Uniformfrage ging. Die Wahl stand zwischen Tuch- und Pilotstoff. Die Mehrzahl entschied sich für die Tuchuniform. Während der Gemeindevertreter auf Pilotstoff beharrte, „und schließlich ist die Feuerwehr ja keine Elitetruppe sondern eine Truppe ... die praktische Arbeit leisten will“. Jedoch musste der Gemeinderat erst über die Finanzierung beraten. Danach verlas der Brandmeister ein Rundschreiben, in dem eine dauernde Bereitschaft an den Sonn- und Festtagen gefordert wurde. Anschließend zog der Brandmeister das Bezahlen der Utensilien durch eingezogene Strafgelder in Erwägung. Dann wurde das Protokoll verlesen, und der Brandmeister schloss mit einem dreifachen Siegheil die Versammlung.

Einführung

des Führerprinzips

Zügig wurden damals vom Preußischen Ministerium des Innern Mustersatzungen erlassen, die an die Stelle bestehender Satzungen treten sollten. Wesentliche Änderungen ergaben sich durch die Einführung des Führerprinzips. Dieses verpflichtete nach dem Motto „Führer befiehl, wir folgen“ zu blindem Gehorsam und bedingungsloser Treue gegenüber Hitler als dem obersten „Führer“ und die jeweilige Gefolgschaft zu Gehorsam gegenüber den Befehlen der Führer auf mittlerer und unterer Ebene.

Die Freiwillige Feuerwehr Groß Eicklingen war ein Verein mit der Bezeichnung „Freiwillige Feuerwehr Groß Eicklingen e. V.“ Die Satzung ist wie vielerorts heute verschwunden. Immerhin war dort die Entfernung der jüdischen Mitbürger festgelegt worden: „Als [aktive Mitglieder] werden nur gesunde, kräftige und gewandte Männer, die den Anforderungen des Dienstes in der Wehr zu genügen imstande sind, einen guten Ruf haben und arischer Abstammung sind, das 18. Lebensjahr vollendet und das 40. Lebensjahr möglichst nicht überschritten haben, aufgenommen.“

Die Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Groß Eicklingen wurde nach einer Notiz des Kreisfeuerwehrführers am 16. November 1934 vom Landrat genehmigt. Zudem notierte dieser, dass am 27. Dezember 1934 von der Landschaftlichen Brandkasse Hannover eine Beihilfe von 150,- Mark für Feuerlöscheinrichtungen bewilligt worden sei.

Quellen und Literatur:

Kreisarchiv Celle 142-00/5.

Wilhelm Köneke; Helmut Schmidt-Harries: Eicklingen – Beiträge zur Geschichte und den gegenwärtigen Verhältnissen der ehemals selbständigen Gemeinden Groß Eicklingen, Klein Eicklingen, Sandlingen, Schepelse, Paulmannshavekost, Eicklingen 1991.

Albert Michaelis: 100 Jahre Kreisfeuerwehrverband Celle 1908-2008, Bergen 2008.

Matthias Blazek: Chronik 75 Jahre Ortsfeuerwehr Groß Eicklingen 1934-2009, Adelheidsdorf 2003.

Matthias Blazek: Unter dem Hakenkreuz – Die deutschen Feuerwehren 1933-1945, Stuttgart 2009.

Von Matthias Blazek