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Celle Stadt Die Irrwege der Kommunikation
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Irrwege der Kommunikation
19:55 20.01.2017
Von Jürgen Poestges
Aus der Bierwerbung auf die Puppenbühne: Benjamin Tomkinsmit dem Budweiser-Frosch. Quelle: Andre Kowalski
Celle Stadt

Benjamin Tomkins, der Titel des Programms lässt 3D-Kino und Special Effects vermuten.

Naja, in 3D bin ich ja, da muss ich mir keine Mühe geben. Und für die Special Effects sorgen die Puppen. Das ist an jedem Abend anders. Da lasse ich mich manchmal selbst überraschen.

Worum geht es in „King Kong und die weiße Barbie“?

Schlicht um die Irrwege der Kommunikation. Es kann so viel schiefgehen, wenn man mit einem anderen Menschen Kontakt aufnehmen will. Und das ist sehr oft schreiend komisch, das passiert uns doch jeden Tag. So geht es auch meinen beiden Protagonisten. Sie können nicht zusammenkommen, weil sie sich ständig missverstehen.

Wie viele Puppen sind dabei?

Es sind acht Puppen dabei. Darunter ist der Alte Sack und Frosch König. Das ist übrigens eine Puppe, die vor einigen Jahren in der Werbung von Budweiser aufgetaucht ist. Es waren zwei Figuren aus Schaumstoff, eigentlich keine Bauchrednerpuppen., Ich habe die beiden bei einer Auktion in den USA ersteigert und sie umgebaut, allerdings spielt der Bier-Spot keine Rolle im Programm.

Bauen Sie sich Ihre Puppen selbst?

Ich hatte eine Weile ein Puppenbauerin, mit der ich zusammengearbeitet habe. Es gibt den Horst, den habe ich gebaut. Er ist auch meine Lieblingsfigur, weil er meinen Humor hat. Er weiß zum Beispiel Dinge über Kinder, die noch keiner wusste: Kinder können nämlich bis zu 100 Jahre alt werden. Aber die Entwicklung einer Figur ist gar nicht so spektakulär, wie man denkt. Ich sehe manchmal Figuren, die ich mir kaufe und mit denen ich dann rumprobiere.

Wie schwer ist es, den verschiedenen Figuren einen Charakter zu geben?

Das ist nicht einfach. Denn ohne einen eigenen Charakter würden die Puppen nicht wirken, schon gar nicht in einem Programm über zwei Stunden. Beim Alten Sack ergibt sich ja schon durch den Namen, wie er drauf ist. Bei anderen Figuren ist es allerdings komplizierter. Da muss ich schon antesten, was am besten funktioniert.

Wie lange dauert es, bis ein neues Programm steht?

Das ist schwer zu sagen. Man entwickelt ständig etwas Neues. Ich sammle immer Ideen und baue sie entweder irgendwann in das laufende Programm ein oder verwahre sie. Nachdem ich drei Jahre mit dem ersten Programm getourt bin, war es jetzt Zeit für etwas Neues – sowohl für das Publikum als auch für mich. Bis dann ein Programm steht, dauert es einige Monate. Ich bin erst fünf Jahre im Geschäft, denn mit 46 Jahren habe ich mich entschieden, als Puppenspieler unterwegs zu sein.

Entwickelt sich ein Programm im Laufe der Zeit weiter? Gibt es Änderungen?

Bei mir ist jeder Abend anders. Ich beginne immer mit einem 20-minütigen Dialog mit dem Publikum, lasse mir Vorschläge für Themen geben und bekomme ein Gefühl, was die Leute hören wollen. Entsprechend kann ich meine Puppen agieren lassen. Ich will nicht auswendig gelernte Texte erzählen. Aus den Reaktionen erfahre ich, dass gerade dieser Block den Leuten gefällt. Sie merken, dass es authentisch ist, was auf der Bühne passiert.

Ist Stubenfliege "Der Hildegard" auch dabei?

Nein, für sie ist im neuen Programm kein Platz. Durch den Erfolg der Geschichte mit den drei Flaschengeistern, die bei Youtube rauf und runter läuft, ist die Figur zu festgelegt.

Ist "Der Hildegard" enttäuscht?

(lacht) Ach, ich habe ihn immer im Koffer dabei, und wenn denn der Ruf nach Zugabe laut wird, kommt er ja vielleicht doch mal auf die Bühne. Allerdings habe ich keine besondere Verbindung zu meinen Puppen, ich sehe sie nicht als Kumpels, sondern als Arbeitsgerät. Da kann es passieren, dass ich einen Affen mit dem Kopf auf einen Koffer knalle. Dann sind die Leute schockiert, aber danach merken sie, dass sie mir auf den Leim gegangen sind. Sie lachen über sich selbst. Und das will ich ja erreichen.