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Celle Stadt „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ im Schlosstheater Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ im Schlosstheater Celle
06:50 26.09.2016
Billy Ray Schlag (links, Musik), Karin Nennemann als „Fermina Daza“ und Dirk Diekmann als „Florentino Ariza“. Quelle: Alex Sorokin
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Mit dem Tod von Juvenal Urbino sieht Florentino seine Chance nun doch noch gekommen. Die Gebrechlichkeiten des Alters sind an beiden zwar nicht vorübergegangen, aber ein unauslöschliches Gefühl der Liebe gibt es immer noch. Als Florentino auf einer gemeinsamen Flussfahrt die Choleraflagge aufziehen lässt, dient das nicht nur dazu, andere Passagiere daran zu hindern, das Schiff zu betreten und das späte Liebesglück zu stören. Ihre Reise soll schließlich „das ganze Leben“ dauern. Der Begriff „Cholera“ steht im Spanischen neben der Krankheitsbezeichnung auch für „Leidenschaft“ und „Wut“.

Als Koproduktion mit dem Altonaer Theater hat Andreas Döring zusammen mit der Hamburger Dramaturgin Anke Kell nach dem Roman des Kolumbianers García Márquez „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ eine dramatisierte Fassung geschaffen, die nach ihrer Uraufführung im Februar in Altona jetzt ihre mit langem, kräftigen Beifall und mit lautstarkem Jubel bedachte Premiere im Celler Schlosstheater feierte. Dabei ist es Regisseur Andreas Döring überzeugend gelungen, zusammen mit der unaufdringlichen Musik von Billy Ray Schlag eine atmosphärisch dichte und ruhig fließende Inszenierung zu schaffen, die ihren erzählerischen Charakter nie verlässt und gerade deshalb das Handeln des betagten Paares so glaubhaft und nachvollziehbar wirken lässt. Hinzu kommen Schauspieler, die keine Wünsche offen lassen und sich in ihren Rollen wunderbar ergänzen. Da mag man niemanden besonders hervorheben.

Das beharrliche, geduldige und sympathische Werben von Florentino Ariza, der trotz allem so gar nichts Aufdringliches hat und dennoch glaubhafte Sinnlichkeit ausstrahlt, nimmt man der Darstellung von Dirk Diekmann in jeder Phase ab. Großartig. Karin Nennemanns Wandel als Fermina von der anfänglichen Ablehnung über ihre beginnende Emanzipation und ihr wachsendes Selbstbewusstsein bis hin zur liebevollen Zuneigung wird ohne Abstriche plausibel. Eine erstklassige Leistung gelingt auch Vivien Mahler als Tochter Ofelia mit ihrer krassen, aber keineswegs überzogenen Haltung für das aus ihrer Sicht unverständlich wirkende Verhalten ihrer Mutter. In deren Alter findet sie das ekelhaft. Eine Inszenierung insgesamt, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Bis Ende Oktober gibt es Gelegenheit dazu.

Von Hartmut Jakubowsky