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Celle Stadt „Die Offenbarung des Ralf“ - Premiere im Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Die Offenbarung des Ralf“ - Premiere im Schlosstheater
20:33 07.04.2013
Facettenreiches Spiel: Jörn - Hentschel als Ralf und Henrike Richters als - bezaubernde wie doppelbödige Svea. Quelle: Jochen Quast
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Die Kombination von Gesellschaftskritik und individuellen Katastrophen spielt in vielen Hensel-Stücken eine Rolle. Mit Sprache weiß der Autor sehr gekonnt umzugehen, eine weitere Spezialität ist die Gradwanderung zwischen der Tragödie und dem Hochkomischen. All das trifft auch auf „Die Offenbarung des Ralf“, doch scheint der Text nicht immer ganz auf den Punkt zu kommen. Und die Celler Inszenierung unterstützt den konzentrierten Blick darauf nur bedingt.

Es ist gar nichts dagegen einzuwenden, dass Regisseur Benjamin Westhoff eine Menge Budenzauber entfacht. Christina Hueners Bühnenbild eröffnet in der beengten Räumlichkeit erstaunlich viele Möglichkeiten: Überall gibt es Klappen, in denen Menschen wie Gegenstände verschwinden und aus denen sie wieder erscheinen können. Auch die Fernseh-Bildschirme, auf denen smarte Leute immer wieder vermeintlich smarte Weisheiten zum Besten geben, ergeben im Zusammenhang Sinn, wird es angesichts des medialen Overkills doch auch im richtigen Leben zunehmend schwer, solcher Dauerberieselung zu entgehen.

Ob der Stroboskop-Einsatz bei zwei hochaggressiven Zuspitzungen wirklich nötig wäre, sei dahingestellt. Vor allem aber werden die Etappen von Ralfs fortschreitender Geisteszerrüttung nicht recht strukturiert – so wirken die Sätze seiner kruden „Offenbarung“ irgendwann beliebig und verleiten kaum noch zu Überlegungen, wie viel Wahrheit in diesem Irrsinn stecken mag. Eben das aber sollte doch der eigentliche Knackpunkt sein.

Es bessert die Lage nicht, dass der Abend mehr als einmal unter mangelnder Textverständlichkeit leidet. Ansonsten ist den Akteuren allerdings nichts vorzuwerfen. Jörn Hentschel als Ralf nimmt man alle Facetten ab, auch in der Verzweiflung bleibt er glaubhaft, ohne dabei die groteske Komik der Figur zu vergessen. Henrike Richters ist als lebende wie als tote Svea gleichermaßen bezaubernd und doch hinreichend doppelbödig. Uta Krüger und Thomas Wenzel meistern souverän diverse Nebenrollen, Krüger überzeugt vor allem durch ihre anrührende Darstellung von Ralfs Tochter Jule.

Wie das Ganze ausgeht? Ziemlich fies – aber wer Einzelheiten wissen will, muss schon selber kommen. Autor Kai Hensel war übrigens bei der Uraufführung anwesend und zeigte sich der CZ gegenüber zufrieden: „Mir hat es gut gefallen. Alleine was aus dem Raum gemacht wurde, fand ich sehr beeindruckend.“

Von Jörg Worat