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Celle Stadt Die Schwere des Tanzes
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Schwere des Tanzes
17:01 02.08.2010
Ausstellung "... und der Tanz geht weiter" im Atelier 22 - Wolfgang Decker, - "Feuertanz", "Schamanentanz", "Kronentanz" Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Es hat die Räume des Atelier 22 in Beschlag genommen und den eigenen Ideen Untertan gemacht, das kreative Dreigespann Petra Decker-Schimanski, Hubertus Busch und Wolfgang Decker. „Und der Tanz geht weiter“ heißt die Gemeinschaftsausstellung in der Bahnhofstraße, die den Bogen von papierner Leichtigkeit bis zur eisenschweren existenziellen Auseinandersetzung spannt. Auffallend ist das Übergewicht an Schwere angesichts des allgemein als beflügelnd geltenden Titels „Tanz“. Besonders Deckers Vorliebe für Gold sticht ins Auge und Buschs Skulpturen aus Metall. Busch, der auf seinen Gemälden bisher eine surrealistische Komprimierung mehrschichtiger szenischer Abläufe darstellte, hat die eigenwillige Schönheit spröden, verrosteten Metalls entdeckt. Seine Kreuzigungsdarstellung „INRI“ besitzt scheinbar eine irritierende Aura, der ein Celler nicht standhalten konnte und sie bei einer anderen Ausstellung nicht dabei haben wollte. Auch die Arbeiten Krieg, Baumbrüter oder das eventuell von Michelangelo inspirierte Relief „Barbielon“, das ebenfalls von einer Celler Ausstellung ausgeschlossen wurde, fordern den Betrachter heraus, sich auf einen Dialog einzulassen. Auf ein regelrechtes Mitmachen legt es der Evolutionsautomat an, eine Metall-Installation. Allein Buschs Materialfreude und -verarbeitung verdienen Aufmerksamkeit.

Decker setzt auf die magische Wirkung von Gold. Haben seine Arbeiten, so die Dreier-Serie „Feuertanz“, „Schamanentanz“ und „Kronentanz“ auch Züge einstiger Hochkulturen wie der Mayas oder Inkas, allein ob des Goldes, hatte Decker auch alte Seefahrervölker oder Ramses im Kopf, wie er sagt, so gehe es ihm doch vor aller inhaltlichen Fixierung um Bewegung. „Mir geht es um Körper in Bewegung.“ Früher setzte er auf Acryl und Magnetbilder, jetzt auf Schaumstoff.“ Auch beim Gold zählten absorbierende und reflektierende Wirkung, die ein statisches Wahrnehmen unmöglich machten. Der Besucher sieht sich dennoch konfrontiert mit archaischen Formen. Sogar mit einem Galgen. „Wir haben Celle aufgehängt“, erklärt Decker. Kunst und Künstler hätten die Aufgabe, Stellung zu beziehen. Celle locke geradezu dazu heraus. Hier fehlten das Leben in der Innenstadt und ein Gesamtkonzept.

Decker-Schimanski arbeitet mit Ölkreide auf selbstgeschöpftem Papier. Aber auch sie verbindet die leichtfüßigen Skizzen mit einem minimalen Einsatz an Metall.

Gabriel-Alexander Reschke bemerkte einführend: „Kunst zeigt das Wesen der Dinge aus einem anderen Blickwinkel“. In der Tat besitzen die ausgestellten Werke mehr bleierne Bodenhaftung als ein schwerelos, ausgelassener Tanz.

●Öffnungszeiten: Zu sehen bis zum 21. August in der Bahnhofstraße 21 in Celle, mittwochs bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult